Essen und Trinken

Die Rauszeit beginnt Outdoor-Leben für Genießer

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Gut gerüstet: Ein bisschen "Zeugs" muss schon sein, will man auch als Camper anständig futtern.

©Steffen Schulte Lippern

Raus aus den Business-Hosen, rein in die abgeschnittenen Jeans! Immer mehr Menschen zieht es mit Rucksack und Zelt in die Natur. Wie aber wird aus dem Büromenschen ein Freizeitnomade? Und wie finden Hightech-Fans zum Glück der Einfachheit?

Schon bei den ersten Sonnenstrahlen ist allerorten in der Stadt zu spüren: Der Mensch will raus! Biker schlängeln sich auf ihren gewienerten Maschinen grinsend zwischen den im Stau stehenden Autos hindurch, die Zahl der Radfahrer steigt explosionsartig an und unser Outfit ist wieder bunt, luftig und sexy. Vor allem den Bewohner von Großstädten, der tagtäglich seine Spuren oft nur zwischen Wohnung und Büro hinterlässt, überkommt eine kaum zu bremsende Sehnsucht nach grenzenloser Freiheit, Unabhängigkeit, klarer Luft und Abenteuern. Wochenendtrips sind angesagt; und was schon im Winter für den langen Sommerurlaub als Plan reifte, nimmt jetzt langsam Gestalt an. 

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Auch ein Outdoor-Morgen beginnt am besten mit einem guten Kaffee.

(Foto: ©Steffen Schulte Lippern )

Zum Glück sind die Geschmäcker verschieden, auch beim Verreisen - denn was als Kreuzfahrt in einer schwimmenden Kleinstadt schon Abenteuer genug ist für manch einen, ist für andere der blanke Horror (auch für mich). Immer mehr Menschen zieht es in die freie Natur. Dass dabei der Natur- und Umweltschutz nicht zu kurz kommen darf, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Leider sieht das nicht jeder so, und deshalb verkommt zum Beispiel der Mount Everest seit Jahren zur Müllkippe. Camper, die nicht so hoch hinaus wollen, sollten ihre Bio-Abfälle gut verbuddeln, alles andere an Müll und Hinterlassenschaften kommt sicher verpackt wieder mit zurück.

Auch darf man nicht überall einfach sein Zelt aufschlagen, da müssen von Land zu Land unterschiedliche Gesetze beachtet werden. In Italien sind diese Vorgaben ziemlich eng gestrickt, in Schweden dagegen gilt das "Jedermannsrecht", das heißt, auf öffentlichem Gebiet darf ein paar Tage gezeltet werden. In Deutschland ist zwar wildes Campen eigentlich nicht gestattet, wird aber meistens geduldet, wobei es auch Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern gibt. Jeder Outdoor-Fan ist also gut beraten, sich vor seiner Tour schlau zu machen. Und dass in den diversen Schutzgebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen überhaupt nicht gezeltet oder biwakiert wird, versteht sich von selbst.

120 Rezepte für den Campingkocher

Auch unter den Outdoor-Fans gibt es Unterschiede; die einen sind sozusagen Totalverweigerer und kommen mit einem Schluck Wasser aus dem Bergsee und einem Kanten Brot über den Tag, die anderen lieben gutes Essen zu sehr, um bei ihrem Ausstieg aus dem Alltag allzu anspruchslos zu sein. Für all jene, die auf einem Campingkocher lecker und abwechslungsreich kochen und am Lagerfeuer nicht hungrig in die Flammen starren, sondern gesund genießen wollen, hat Markus Sämmer 120 geniale Rauszeit-Rezepte entwickelt. "The Great Outdoors" ist bereits in 4. Auflage im Neuer Umschau Buchverlag erschienen. Die schönen Bilder von Mensch und Natur stammen von Steffen Schulte Lippern, sie machen Lust auf Berge und Seen. Peter Greppmayr lieferte die Appetit machenden Food-Fotos.

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"Ab mit euch nach draußen!", schreibt Markus Sämmer in seinem Buch.

(Foto: ©Neuer Umschau Buchverlag)

Sämmers Rezepte reichen von vegetarischer und leichter Küche über Power-Snacks und Durstlöscher bis hin zu richtigen Sattmachern, süßen Sachen und Drinks fürs abendliche Chillen. Um es vorwegzunehmen: Die 272 Seiten von "The Great Outdoors" sind nichts für Minimalisten oder gar Survival-Fans, die mit einer Handvoll Sauerampfer und täglich drei Nacktschnecken das Überleben üben. Hier geht es um Freude beim Outdoor-Sport und Genuss beim Outdoor-Essen. Was nun nicht heißt, dass stets ein großartiges Equipment vorhanden sein muss; ein Rucksack bietet nur wenig Platz und das Kochen zum Beispiel in extremen Höhen ist eher was zum Haareraufen. Markus Sämmer hat seine Rezepte für all jene entwickelt, die unterwegs nicht auf gesundes Powerfood verzichten wollen.

Der Mann kennt sich da aus, denn Sämmer ist einerseits Koch aus Leidenschaft und andererseits Camping-Enthusiast. Er hat lange in der Münchner Spitzengastronomie gekocht, bevor er ein Jahr lang mit einem Camping-Bus durch Australien tourte. "Ich wollte einfach mal weg", schreibt Markus Sämmer in seinem Buch, eine längere Auszeit "von der Zivilisation als solche". Outdoorsport und Outdoorleben sind seine Erdung geworden; in dieser Zeit ist Markus Sämmer als Kletterer und Bergsteiger, Surfer und Mountainbiker unterwegs und wohnt meist in seinem VW-Bus. Mit seinem Anspruch, mobil und auf hohem Niveau zu kochen, bestreitet er inzwischen auch seinen Lebensunterhalt: 2004 gründete Sämmer seine eigene Catering-Firma am Ammersee; er angelt, sammelt Wildkräuter und Pilze, baut selbst Obst und Gemüse an.

Das Glück der Einfachheit

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Frisch aus dem Feuer: Fladenbrot vom Stein und Hähnchen-Satay.

(Foto: ©Peter Greppmayr)

Das Fehlen von Hightech-Küchengeräten, Kühlschrank, Mikrowelle und Backofen macht erfinderisch und lässt nur eine überschaubare und relativ einfache Küche zu, ohne "Kunst" auf dem Teller, aber gesund, lecker und nahrhaft. Hier stehen frische Zutaten im Mittelpunkt, selbst gesammelt und gefangen oder vor Ort bei regionalen Anbietern gekauft. Da "on tour" nicht immer alles an Nahrungsmitteln vorhanden oder zu haben ist, muss gut geplant und bevorratet werden. Deshalb gibt es in "The Great Outdoors" etliche Tipps rund um das Leben in der Natur. Dazu kommen ein paar spannende Geschichten aus Sämmers Outdoor-Leben.

Das geht schon unterhaltsam in seinem Vorwort los. Bei den Tagebuchauszügen von seiner Peru-Expedition 2011 bekommt der Leser einen Eindruck davon, wie kräftezehrend das ist. Doch: "Man steckt sich Ziele, und egal, ob alle erreicht werden, ist bereits der Versuch alle Mühen wert." In dem Buch werden zusätzlich Outdoor-Sportarten wie Klettern und Bouldern, Wandern und Mountainbiken vorgestellt - und mit großformatigen Fotos illustriert. Viele Tipps rund ums Lagerfeuer und Morgenkaffee, Notrationen und Nötiges an Lebensmitteln und Küchenutensilien helfen, Irrtümer und Fehler, Selbstüberschätzungen und Reinfälle zu vermeiden.

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Romantik pur: Stockbrot vom Lagerfeuer.

(Foto: ©Steffen Schulte Lippern )

Sämmers Rauszeit hat sieben Kapitel mit Tipps und Rezepten. "At Home" zeigt, wie wichtig welche Vorbereitungen zu Hause sind. Etliches kann in heimischer Küche vorab zubereitet und dann mitgenommen werden, zum Beispiel Pesto, Marmelade und Sirup. Der Tiroler Nusskuchen wird im Glas gebacken und hält sich dann ein Weilchen. Wer allerdings die selbstgebackenen Burger Buns einfriert und mitnehmen will, sollte schon über mindestens ein Drei-Sterne-Kühlfach in seinem Camping-Bus verfügen. Oder gleich auf Cookies und Müsli-Riegel zurückgreifen, die werden nach dem Backen getrocknet und lassen sich luftdicht verpackt gut lagern. Auf diese Weise hält man schon eine Weile fernab von Supermärkten durch. Und irgendwann kommt ja jeder Outdoor-Fan wieder so nahe an die Zivilisation heran, dass frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Brot gekauft werden können.

"Wake-Upcall" bedeutet, die Lebensgeister mit einem guten Frühstück zu wecken. "Quick Refuel" beinhaltet schnelle Lunchsnacks und Trail Food für unterwegs zum Durchhalten. "Dine In" hält leckere Gerichte fürs Bus-Camping bereit, wenn der Regen aufs Dach prasselt, und "Dine Out" gibt Tipps, Tricks und Rezepte rund ums Kochen im Freien, für Dutch Oven, Grill und Lagerfeuer. Bei "Sweet Love" ist es Zeit zum Chillen und Entspannen am Nachmittag oder Abend. "Refresh" hilft einerseits, mit den richtigen Erfrischungen den Flüssigkeitshaushalt und die durch den anstrengenden Sport verlorenen Elektrolyte wieder aufzufüllen, und andererseits, den Tag mit einem leckeren Sundowner ausklingen zu lassen. Übrigens: Wer schon ein bisschen für seinen Camping-Urlaub üben will - die Rezepte eignen sich auch für zu Hause oder für den Garten.

Icons vereinfachen die Rezeptsuche

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Wenn mal ein Hecht auf die Angel reinfällt, lohnt sich ein Portugiesischer Fischeintopf.

(Foto: ©Peter Greppmayr)

Die Rezepte in "The Great Outdoors" sind, wenn nichts anders vermerkt wird, für zwei Personen ausreichend. Und weil man vermutlich keine Waage im Rucksack, aber garantiert eine Kaffeetasse drin hat, sind viele Mengenangaben in Tassen oder ähnlich praktischen Größen angegeben. Checklisten geben Auskunft darüber, was in der Bordküche unverzichtbar ist, welche lagerfähigen Lebensmittel und Gewürze vorhanden sein sollten. Da der Mensch in freier Natur dem Wetter ausgeliefert ist, sind in dem Buch auch die Online-Adressen der Alpenvereine Deutschlands, Österreichs, Italiens und der Schweiz vermerkt, die zuverlässige Wetterberichte für den alpinen Raum liefern.

Zur besseren Orientierung sind die Rezepte mit Icons versehen: Unter dem Rucksack gibt's schnelle Rezepte für die Brotzeit-Box, die Energie liefern. Eine Feder kennzeichnet besonders leichte Gerichte, gut auch als kleine Zwischenmahlzeit. Vegetarisches Essen lässt sich bei der Mohrrübe finden. Der Arm mit "Muckis" bedeutet Gerichte zum Auftanken - und die richtig satt machen. Das Lagerfeuer symbolisiert den gemütlichen Abend draußen mit den entsprechenden Pfannen- und Grillrezepten. Bei einem Zelt finden all jene Anregungen, die mit wenig Ausrüstung unterwegs sind.

Die Sanduhr bedeutet nicht etwa, dass es langsam zugeht - im Gegenteil. Hier gibt's schnelle Rezepte mit nur wenigen Handgriffen. Die durchgestrichene Pfanne heißt ganz logisch: Hier kommt der Camper ohne zu kochen aus. Für Rezepte mit einer Flamme wird ein Kocher benötigt, für die mit zwei Flammen zwei Kocher oder Herdflammen. Mit diesen Icons lässt sich die Rezeptsuche ganz schnell erledigen. Besonders genial ist das Booklet, denn "The Great Outdoors" lässt sich selbst bei bestem Willen nicht mit auf die Wanderschaft nehmen, die great outdoors sind einfach too large and too heavy. Deshalb gibt es das Booklet mit allen Rezepten und Icons als Rauszeit-Begleiter zum Mitnehmen. Eine Tasche im großen Buch sichert, dass das kleine nicht verloren geht. Zumindest zu Hause; dass es nicht outdoors verschwindet, dafür müssen Sie schon selber sorgen.

Kaiserschmarrn von Markus Sämmer

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Nicht am Wilden Kaiser, aber Kaiserschmarrn in wilder Natur.

(Foto: ©Steffen Schulte Lippern )

Icons: 1 Flamme und Muckis

Hier habt ihr die Wahl, ob es königlich oder kaiserlich werden soll. Lecker ist der Schmarrn auf jeden Fall! Je nachdem wie viel Geschirr und Zeit ihr zur Verfügung habt, könnt ihr wahlweise kaiserlich die Eier trennen und das Eiweiß luftig aufschlagen oder einen einfachen königlichen Pfannenschmarrn rühren.

Zubereitung:

Die Eier trennen, das Mehl mit etwas Milch glatt rühren. So klumpt das Mehl nicht. Restliche Milch, Eigelb, Vanillezucker, 1 EL Zucker, Zitrusschale und Rosinen einrühren.

Zutaten (2 Pers):

¾ Tasse Mehl
2 Tassen Milch
2-3 Eier
1 Päckchen Vanillezucker, falls vorhanden
4 EL Zucker
abgeriebene Schale von ½ Bio-Orange oder –Zitrone
4 EL Rum- oder Softrosinen
1 Prise Salz
1 EL neutrales Pflanzenöl, z.B. Sonnenblumenöl
2 EL Butter
1 EL Puderzucker
Mandelsplitter oder gehobelte Nüsse nach Belieben

Eiweiß in einer zweiten Schüssel mit der Prise Salz und 1 EL Zucker steif schlagen. Das geht entweder mit etwas Einsatz mit einem Schneebesen oder mit einem mechanischen Handquirl. So einen habe ich von meiner Oma geerbt - ein geniales Campingbus-Utensil.

Jetzt den Eischnee vorsichtig unter den Teig heben und mit dem Öl und 1 EL Butter vorsichtig bei geringer Hitze backen. Wenn die untere Seite goldbraun ist, teilt den Teig in Viertel. Dabei ist es egal, ob er oben noch flüssig ist. Nun wendet die Viertel und backt die andere Seite. Jetzt wird es ernst: Zerreißt die Viertel mit zwei Holzlöffeln in mundgerechte Stücke, gebt die restliche Butter und den restlichen Zucker dazu und karamellisiert den Schmarrn bei mittlerer Hitze. Röstet am Schluss die Mandelsplitter mit und bestäubt den Kaiserschmarrn zum Anrichten mit etwas Puderzucker.

Tipp: Dazu schmecken immer Preiselbeeren oder Zwetschgenröster, zu Hause unbedingt auch einmal Vanilleeis dazu probieren.

Für die ganz einfache, königliche Variante rührt ihr aus den vorhandenen Zutaten einen Pfannenkuchenteig. Dazu rührt ihr das Mehl mit etwas Milch glatt, gebt dann die restliche Milch und die Eier komplett dazu. Alles andere funktioniert dann wie beim Kaiserschmarrn. Probiert auch mal Apfel- oder Birnenschmarrn. Dazu einfach das klein geschnittene Obst mit dem Teig zusammen backen.

Stockbrot von Markus Sämmer

Icons: Lagerfeuer, Mohrrübe,  Zelt

Zubereitung:

Zutaten (6-8 Stockbrote):

150 g Quark
3 EL Milch
5 EL Rapsöl
1 Ei
300 g (ca. 2 Tassen) Mehl
3 TL Backpulver
¼ TL Salz
gehackter Rosmarin, Pesto etc. nach Belieben

Zuerst die feuchten Zutaten Quark, Milch, Öl und Ei gut verrühren, dann Mehl, Backpulver und Salz einrühren und zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Nach Belieben Rosmarin in den Teig kneten. Er hält sich gekühlt mehrere Tage.

Ein Stückchen Teig zwischen den Fingern zu einer langen Wurst ziehen und rollen und dann spiralförmig um das obere Ende eines ca. 1 Meter langen Stocks wickeln. Vorsichtig am Rand des Lagerfeuers oder über der Glut backen und dabei den Stock langsam drehen, bis es außen goldbraun ist.

Pur oder zu Gegrilltem essen, mit Pesto bestreichen oder mit einem Dip genießen.
Süße Variante: Statt Salz einfach Zimt und Zucker in den Teig rühren.

Erlebnisreiche Outdoor-Tage mit leckerem Essen wünscht Ihnen Heidi Driesner. Übrigens: Markus Sämmer hält auch die entsprechenden Rezepte für Pesto und verschiedene Dips im Buch bereit.

The Great Outdoors: 120 geniale Rauszeit-Rezepte
EUR 34,00
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Quelle: n-tv.de