Essen und Trinken

Après-Ski im Tal der Mur Das Schönste ist der Einkehrschwung

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Macht was her - und vor allem satt, der "Murtaler Karren" von Michael Zuegg.

(Foto: ©Michael Guggemos)

Wild, Wein, Kürbiskernöl und Murtaler Steirerkas: Die Verheißung eines genussvollen Mahls nach dem Rauf und Runter auf den Pisten macht Wintersport erst richtig schön. Wer sich im Skigebiet Kreischberg tummelt, sollte deshalb unbedingt Station im "Murtalerhof" machen.

Es braucht schon Fantasie, Tatkraft und Durchhaltevermögen, sich als Familienunternehmen am Markt zu behaupten. Nun wird zwar Stadl an der Mur in der Steiermark nicht gerade von Hendl-Ketten & Co. überschwemmt, dennoch lautet auch bei Familie Lassacher die Devise: "Nicht lockerlassen!" Wer in diesen Tagen Ski-Urlaub macht im Familienhotel "Murtalerhof" kann zum Jahreswechsel mit den Lassachers feiern - und vor allem gratulieren: Vor 40 Jahren hat Johann Lassacher den Gasthof übernommen und ihm diesen Namen gegeben. Doch die Gastwirtsgeschichte der Familie reicht weitaus länger in die Vergangenheit hinein. 150 Jahre lang hieß der Gasthof "Pinterwirt", wie Juniorchef Hans Lassacher erzählt. "In der Kaiserzeit sind die Urgroßeltern meines Großvaters von Böhmen nach Stadl gezogen und haben den Pinterwirt übernommen."

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Hat immer einen guten Tipp: Juniorchef Hans Lassacher in der Whisky-Lounge.

(Foto: ©Michael Guggemos)

Heutzutage vereint der "Murtalerhof" Tradition und Moderne; hier lässt sich gute steirische Wildküche in Ruhe und ländlicher Idylle genießen und wer’s nötig hat, kann sich die angefutterten Pfunde auf der Kegelbahn wieder abtrainieren oder in der Sauna ausschwitzen. Das geht natürlich auch anders, denn sommers wie winters kann man in Stadl prächtig aktiv urlauben. Während es in meinem heimatlichen Berlin unentwegt regnet, kommt das Wasser hier als weiße Pracht vom Himmel und lockt Skifahrer und Snowboarder auf die Pisten. "Sehr gute Pistenverhältnisse", heißt es derzeit im Skigebiet Kreischberg, etwa zehn Kilometer östlich von Stadl gelegen. 46 Kilometer Abfahrten begeistern vor allem jene Skifahrer, die gerne in weiten Schwüngen talwärts sausen. Ideal für Familien! 13 Lifte befördern die Wintersportler nach oben, so lassen sich leicht rund 1000 Höhenmeter überwinden. Das teils angenehm fallende Gelände gibt auch Anfängern (wie mir) die Chance, sich ab und zu auf den Brettern zu halten. Apropos "angenehm fallend": Die Erdanziehungskraft wirkt auch hier... Erlebnishungrige dagegen nehmen lieber die Spezialpisten.

Ich bin ja mehr so der Wandermensch, wenn die Natur grün ist und Pilze wachsen. Obwohl mir da das Après-Ski mit Jagertee schon ein wenig fehlt (weniger das "Schifoan"). Die Lücke macht der Juniorchef im "Murtalerhof" wieder wett, denn Hansi liebt Whisky und kennt sich verdammt gut aus damit. Und das will was heißen - schließlich ist er Herr über etwa 250 Whisky-Sorten! Mir als eher untypischem Whisky-Fan (ich hab’s nicht gerne so torfig) empfiehlt er den 12 Jahre alten "Macallan fine oak" und liegt genau richtig damit. Richtig liegen, besser: fahren auch Biker, die sich für den "Murtalerhof" entscheiden. Sie sollten allerdings bis zum nächsten Frühjahr damit warten. Der "Murtalerhof" liegt direkt am berühmten Murradweg, der insgesamt rund 460 Kilometer lang ist und die Mur von Österreich über Slowenien bis zur Mündung in Kroatien begleitet. Dieser Radweg gilt als einer der schönsten Flussradwege im Alpenraum und wurde 2012 vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit 4 von 5 möglichen Sternen ausgezeichnet.

Ski-Königin und Traumschiff-Kapitän zu Gast

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Liegt malerisch: Stadl an der Mur.

(Foto: ©Michael Guggemos)

So ganz p.c. ist es ja nicht, Stadl an der Mur noch so zu nennen. Das Aus für die Selbstständigkeit der kleinen Gemeinde kam vor zwei Jahren, als Stadl mit Predlitz-Turrach zusammengelegt wurde. Seit dem 1. Januar 2015 heißt die Gemeinde eigentlich Stadl-Predlitz und umfasst nun insgesamt sieben Ortschaften mit etwa 1.700 Einwohnern, wobei Stadl mit rund 500 Einwohnern die meisten Bürger mitbrachte. Wie immer bei Gebietsreformen gab und gibt es Befürworter und Gegner, lachende und weinende Augen und es bleibt abzuwarten, was die Gemeindestrukturreform in der Steiermark den Stadlern bringt.

Zurück vom Trubel am Kreischberg lassen sich Ruhe und Beschaulichkeit bei Familie Lassacher noch mal so gut genießen. Seit dem Pinterwirt "unterm Kaiser" hat sich so einiges verändert: Hotelkapazität und Speisesaal wurden erweitert, Wintergarten, Saunalandschaft, Kinderspielplatz und Kegelbahn kamen hinzu. Nicht zu vergessen eine urige Zirbenstube, denn ohne Zirben geht ja in den Alpen gar nix. Gesundheitsforscher in der Steiermark haben herausgefunden, dass die spezifischen Inhaltsstoffe des Zirbenholzes zu einer schonenden Herzfrequenz führen. Dadurch ist der Organismus im Schnitt um 3500 Herzschläge pro Tag weniger belastet. So lässt sich in einem Zirbenbett immerhin eine Stunde Herzarbeit einsparen (wenn man schläft!). Die kann man später als Wanderer, Biker oder Skifahrer gut gebrauchen. Die Zirbe, Flachlandbewohnern als Zirbelkiefer bekannt, mache die Menschen weniger wetterfühlig, ausgeruhter und erholter, behaupten jedenfalls die Alpenbewohner. Und deshalb gibt es auch im "Murtalerhof" in etlichen Gästezimmern viel Zirbenholz, denn eine Nacht im Zirbenbett kann Wunder bewirken. Vor allem nach einigen Glaserln Zirbenschnaps. Nicht nur dem Schnaps, sondern auch dem Holz entströmt ein würziger Duft.

Das physiologische Geheimnis der Zirben heißt Pinosylvin; das Enzym soll regelrecht harmonisierend wirken und hat offenbar größere Auswirkungen auf unser wertes Befinden. Vielleicht werden deshalb auch heute noch Gaststuben und Almhütten gern mit Zirbenholz verkleidet: Der aromatische Duft steigt heimlich dem Gast in die Nase und macht ihn sozialer, geselliger, kontaktfreudiger - und senkt die Aggressivität!

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Hansis Schwester Katrin Lassacher und Küchenchef Michael Zuegg sorgen für das leibliche Wohl.

(Foto: ©Michael Guggemos)

Trotz aller Um- und Erweiterungsbauten ist der "Murtalerhof" ein traditionell geführter Familienbetrieb geblieben, wo von der Oma bis zum Enkel alle mitarbeiten. Nachts lässt sich der Gast von der "Königin der Alpen", so wird die Zirbe auch genannt, im Bett umarmen und tagsüber gern von Küchenchef Michael Zuegg verwöhnen - was will man mehr? Prominente wissen die gute Küche, die Gastlichkeit und die Lage vom "Murtalerhof" ebenfalls zu schätzen: Alt-Bundespräsident Horst Köhler kam mit dem Radl, das kanadische Ski-Team mit den Brettln. Zu den Gästen zählten der Prager Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg und die ehemalige österreichische Skirennläuferin Michaela Dorfmeister. Schauspieler Sascha Hehn war auch schon da - als er noch nicht "Traumschiff"-Kapitän war. Zuegg leitet seit immerhin 25 Jahren das Küchenteam im "Murtalerhof" und ist inzwischen bekannt für seine Wildkreationen. Überhaupt setzt der Küchenchef auf heimische Produkte wie Wild, Pilze, Beeren und Käse. Gewildert wird heutzutage zwar nicht mehr, aber Zueggs "Wildererpfandl" aus Hirschfiletspitzen an Pfifferlingssauce und mit Knödeln und Preiselbeeren erinnert daran. Heute lässt er uns mal in seine Töpfe gucken:

Wildererpfandl von Michael Zuegg/Murtalerhof

Zutaten (2 Pers):

300g Hirschkalbsfilet oder Hirschrücken
100 g Speck
1 Handvoll Eierschwammerl (Pfifferlinge)
1/2 Zwiebel
1/4 l Wildsauce oder -fond
1/8 l Schlagobers (Schlagsahne)
Salz, Pfeffer, Thymian, Majoran und Preiselbeeren

Zubereitung:

Zwiebel und Speck würfeln und anrösten. Das Wildfleisch in kleinere Scheiben schneiden, dazugeben und mitbraten. Dann die Eierschwammerl zufügen, würzen und alles garen. Mit dem Fond aufgießen, aufkochen lassen und auf kleiner Flamme etwas reduzieren. Zum Schluss die Sahne und die Preiselbeeren zufügen. Nochmals alles abschmecken und mit Semmelknödel und Preiselbeerbirne servieren.

Im "Murtalerhof" wird dazu ein Rotwein "Zweigelt Alte Rebe" vom Weingut Schneeberger aus der Südsteiermark kredenzt.

Erfolg beim Nachkochen sowie Genuss im "Murtalerhof" vielleicht im nächsten Urlaub wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de