Essen und Trinken

Deutsches Missverständnis Emilia im Osten

Bei der Suche nach kleinen Geschichten für die n-tv.de Kochseite "zapfe" ich natürlich auch meine Kollegen an. Dieses Mal kam ich einem netten deutsch-deutschen Missverständnis auf die Spur, wie es wohl nach der Wende vielen passiert sein könnte: Was ist ein "Jägerschnitzel"? Meine Kollegen aus dem Ruhrpott und dem Münsterland, aus Bayern und Hessen berichteten über ihr "Entsetzen" in der Nachwendezeit, als sie sich ein "anständiges" Schnitzel mit Pilzen auf dem Teller vorstellten, stattdessen aber gebratene Jagdwurst mit recht süßer Tomatensoße und Kartoffelbrei oder Nudeln vorgesetzt bekamen!

Umgekehrt staunten die Kollegen aus Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg nicht wenig über den "halven Hahn" in Köln, weil sie sich statt des halben Roggenbrötchens mit Käse ein halbes Brathähnchen vorgestellte hatten, halt nur "schlampert" ausgesprochen.

Mit der Zeit haben wir die Missverständnisse ausgeräumt, wozu sicher auch unsere deutsch-deutschen Ehen beigetragen haben. Und so mancher Hesse bäckt inzwischen die leckerste sächsische Eierschecke, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. An den "Wurstgulasch" seiner brandenburgischen Frau hat er sich allerdings noch nicht gewöhnt ...

Allen, die bisher schlechte Erfahrungen mit dem "Jägerschnitzel" la DDR gemacht haben, sei's gesagt: Eine ostdeutsche Erfindung ist die panierte und gebratene Jagdwurst wohl nicht. Der Name schon eher, obwohl der ja naheliegt mit "Jagd" und "Jäger". Die Bezeichnung des Gerichts ist nur verwirrend, wenn man nicht weiß, was drin steckt in der Panade. Italien-Fans kennen vielleicht ein ähnliches Gericht: "Mortadella fritta", zum Beispiel in der Emilia eine beliebte Vorspeise aus Bolognas berühmtester Fleischwurst-Sorte. Vielleicht servieren Sie das "Jägerschnitzel" einfach mal als "Mortadella fritta" mit Ciabatta und Tomatensalat mit frischem Basilikum? Schon schmeckt's nicht nach DDR, sondern nach Emilia-Romagna. Meinetwegen auch nach Toskana, Lombardei oder Piemont. Nach Urlaub eben.

Vermeiden sollten Sie, die gebratenen Wurstscheiben zu lange liegen zu lassen. Dann wird nämlich die Panade pappig und blättert ab - und das "Jägerschnitzel" schmeckt vermutlich so, wie Sie es vielleicht schon kennengelernt haben und niemals wieder essen wollen! Bringen Sie das "Jägerschnitzel" immer schön frisch und heiß auf den Tisch, holen Sie dazu den Lambrusco oder Chianti aus der Hausbar und singen Sie "Oh, sole mio" - und alles wird gut:

Zutaten:

4 Jagdwurst- (oder auch Mortadella-) Scheiben, etwa 1 cm dick (pro Person eine)
1 oder 2 Eier
Mehl
Semmelbrösel
etwas Milch
Pfeffer aus der Mühle, etwas geriebene Muskatnuss, Salz
Oliven- oder Rapsöl zum Braten

Zubereitung:

Die Wurstpelle entfernen, falls noch vorhanden. Verwenden Sie Mortadella, die meist einen recht großen Durchmesser hat, vierteln Sie bitte die Scheiben. Die Wurstscheiben in lauwarme Milch (sie sollten bedeckt sein) einlegen und etwa 1 Stunde ziehen lassen.

Herausnehmen und mit Küchenpapier gut abtupfen. Milch weg gießen. Die Scheiben ringsum in Mehl wenden. Das Ei (sind die Eier klein, besser 2 nehmen) mit einer Gabel schlagen oder verquirlen, leicht salzen, pfeffern und mit ein wenig geriebener Muskatnuss würzen.

Die mehlierten Wurstscheiben durch das Ei ziehen und dann in den Semmelbröseln wenden. In reichlich heißem Öl ausbacken. Kurz auf Küchenkrepp abtropfen lassen und sofort auf den Tisch bringen.

Mit Kartoffelbrei oder Nudeln und Tomatensoße oder "italienisch" mit Weißbrot servieren.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de