Essen und Trinken

Der Mensch ist kein Fadenwurm Leben nach dem Eis

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Bei Handschuhen klappt das Einfrieren auch ohne Gefrierbrand (Internationale Sportartikel-Messe ispo in München).

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Nur eingefleischte Freunde des Schnees  - es geht hier wohlgemerkt um Eiskristalle - haben von diesem Winter noch nicht die Nase voll. Dabei können auch die Frühlingssehnsüchtigen ohne Eis und Kälte kaum noch leben. Die ersten Biologen und Ernährungswissenschaftler, die Gemüse und später auch ganze Tiere für die menschliche Ernährung einfroren, wurden noch belächelt. Heute gibt es kaum einen Haushalt, in dem sie nicht steht - die Tiefkühltruhe.

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Bei der Oderland Tiefkühlkost GmbH im brandenburgischen Manschnow wird frischer Rosenkohl für die Verarbeitung sortiert.

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Zu verdanken haben wir das Einfrieren von Lebensmitteln dem amerikanischen Biologen Clarence Birdseye (1886 - 1956), der sich 1922 die Idee bei den Inuit abschaute: Die bei 40 bis 45 Grad Minus im Eis aufbewahrten Fische schmeckten auch noch Wochen später wie frisch gefangen. 1930 startete Birdseye in den USA die Vermarktung von Tiefkühlkost.

Tiefkühlkost in Deutschland machte das erste Mal 1955 von sich reden, als sie auf der Nahrungsmittelmesse Anuga in Köln vorgestellt wurde. Spinat und Fischstäbchen waren die ersten Lebensmittel, die zwei Jahre später in Deutschland als Tiefkühlkost auf den Markt kamen. 2008 wurden 291.343 Tonnen tiefgefrorenes Gemüse verkauft.

Nun gibt es aber auch Menschen, die nicht nur mit, sondern auch nach dem Eis leben wollen: Kryonisten - Menschen, die sich nach ihrem Tod einfrieren lassen wollen, um sich zu gegebener Zeit reanimieren zu lassen.

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Von Caenorhabditis elegans haben Wissenschaftler den kompletten genetischen Bauplan entschlüsselt. Der winzige Fadenwurm hat wie ein Mensch ein Nervensystem, verdaut Nahrung und hat Sex.

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Wie der Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie Dr. Mark Benecke angibt, ließen sich schon an die 180 Menschen einfrieren und ein paar sind wohl auch - mehr aus Versehen - schon wieder aufgetaut. O-Ton Benecke auf RBB-Radio I: “Kein schöner Anblick!”

Denn, um mit Benecke zu sprechen, der Mensch ist weder Gemüse noch Fadenwurm. “Caenorhabditis elegans” ist nämlich so winzig, dass er bei minus 200 Grad Celsius sofort durchfriert und nach dem Auftauen wieder herumzappeln kann. Das kann aber ohne Zellschäden davonzutragen eben nur der Fadenwurm. Der Mensch hat Gefrierbrand.

Wenden wir uns lieber wieder den leckeren Dingen des Lebens zu. Einige Kohlarten schmecken erst so richtig gut, wenn sie Frost abbekommen haben, zum Beispiel Grünkohl und Rosenkohl.

Dank Tiefkühlkost gibt es Rosenkohl das ganze Jahr über, nicht nur zur Erntezeit im November/Dezember. Erste Belege für den Anbau von Rosenkohl datieren von 1587 in Belgien: Choux de Bruxelles, hierzulande Brüsseler Kohl. Rosenkohl lässt sich sehr vielseitig verwenden, er kommt als Eintopf oder Auflauf auf den Tisch; am beliebtesten ist er aber als Beilage, zum Beispiel als “Brüsseler Röschen französisch”:

Zutaten (4 Personen):

500 g tiefgefrorenen Rosenkohl
500 g Äpfel
2 EL grob geriebene Walnüsse
4 EL zerlassene Butter
½ Glas Weißwein
1 TL Zucker
Salz, Pfeffer, Zitronensaft

Zubereitung:

Den gefrorenen Kohl in wenig kochendes Salzwasser geben. Etwas frisch gemahlenen Pfeffer zugeben und nicht ganz bissfest garen. Gut abtropfen lassen.

Die geschälten und von den Kerngehäusen befreiten Äpfel in dicke Streifen schneiden. Mit Zitronensaft beträufeln und in wenig Wasser mit Weißwein und Zucker etwas dünsten. Die Scheiben sollten noch nicht weich sein.

Eine Auflaufform fetten, den Boden mit Rosenkohlröschen auslegen, darauf eine Schicht Äpfel und so weiter schichten. Als oberste Schicht sollte Rosenkohl liegen. Den Dünstsud vom Kohl und von den Äpfeln dazugeben. Darüber die Nüsse streuen und die zerlassene Butter darüber gießen. In der vorgeheizten Röhre bei Mittelhitze etwa 20 Minuten backen.

Dazu schmeckt ein kräftiger Schweinebraten.

Viel Spaß - mit oder ohne Eis - wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de