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Wieder was gelernt Gebärdensprache - wichtig, aber unsichtbar

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Wenn RKI-Präsident Lothar Wieler über die Entwicklung der Corona-Pandemie spricht, wollen auch Gehörlose informiert werden.

In der Corona-Krise haben Gebärdensprachdolmetscher viel zu tun. Sie gestikulieren bei Pressekonferenzen wild mit ihren Händen. Was kompliziert aussieht, ist "nur" eine etwas andere Fremdsprache, die in Deutschland lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde.

Darum geht es in dieser Folge von "Wieder was gelernt". Lesen Sie hier einen kurzen Auszug.

Für taube Menschen ersetzen die Hände Mund und Ohren. Sie nutzen ein eigenes Sprachsystem, genau wie bei einer klassischen Fremdsprache wie Englisch, Spanisch oder Italienisch. Damit sie mit sprechenden Menschen kommunizieren können, braucht es eine dritte Person, die beide versteht: Den Gebärdensprachdolmetscher. Der lernt sein Handwerk meist ganz klassisch an einer Universität, erklärt Kathleen Riegert. Sie ist Bundesreferentin für Gebärdensprachdolmetschen beim Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer.

"Vor Corona und hoffentlich auch nach Corona wurden wir in allen Lebensabschnitten eingesetzt, also von Geburt bis zur Beerdigung. Wir dolmetschen aber auch beim Arzt und sind im Arbeitsleben der gehörlosen Menschen sehr aktiv. Typisch in unserem Alltag ist zum Beispiel die Teilnahme an Teamsitzungen und Betriebsversammlungen."

Gebärdensprachdolmetscher sind keine "Betreuer" von gehörlosen Menschen, sie erbringen eine Dienstleistung. Auch wenn Gehörlose nach deutschem Recht als "Menschen mit Behinderung" gelten, sehen sich viele eher als Teil einer sprachlich-kulturellen Minderheit und nicht nur als Hörbehinderte.

Darunter ist Christian Rathmann, der an der Humboldt-Universität zu Berlin die Abteilung für Deaf Studies und Gebärdensprachdolmetschen leitet. Er sagt, wichtig für das Verhältnis zwischen dem tauben Menschen und dem Übersetzer sei ein Grundvertrauen.

"Das ist ja ein Gespräch zwischen zweien, aber es sind drei beteiligt. Das heißt, die Person braucht viel Sensibilität als Dolmetscherin für Gebärdensprache, um mit dieser Situation professionell umzugehen. Sie braucht Feingefühl im Gesprächsmanagement, Kompetenzen in der interkulturellen Kommunikation der beiden Akteure, die man zusammenbringt. Es ist wirklich nicht damit getan, nur die Bedeutung von A nach B zu tragen und wieder zurück, sondern es gehören weitere Komponenten dazu."

Warum Gebärdensprachdolmetscher im Fernsehen immer noch so selten präsent sind und was uns andere Länder voraus haben, hören Sie im Podcast.

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"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Was passiert, wenn es keinen Impfstoff gibt? Warum werden Pandemien immer wahrscheinlicher? Was bedeutet die Corona-Krise für die deutschen Brauereien? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

Quelle: ntv.de, sks