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Freitag, 01. Juni 2018

Nur sechs Kumpel überlebten: Das Grubenunglück von Borken

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Es ist Mittwoch, der 1. Juni 1988 um 12.30 Uhr, als es im nordhessischen Borken zu einer der größten Katastrophen des Kohleabbaus in Deutschland kommt. (Foto: Bergbaumusem Borken)

Es ist Mittwoch, der 1. Juni 1988 um 12.30 Uhr, als es im nordhessischen Borken zu einer der größten Katastrophen des Kohleabbaus in Deutschland kommt.

Es ist Mittwoch, der 1. Juni 1988 um 12.30 Uhr, als es im nordhessischen Borken zu einer der größten Katastrophen des Kohleabbaus in Deutschland kommt.

Kurz bevor die Frühschicht Feierabend hat, löst eine Routinesprengung in der Braunkohlegrube Stolzenbach eine Kohlenstaubexplosion aus.

Über Tage fliegen Betonbrocken Hunderte von Metern durch die Luft und verletzen acht Mitarbeiter der PreussenElektra AG zum Teil schwer.

Über der Zeche steht eine schwarze Wolke aus Rauch und Kohlenstaub, die kilometerweit zu sehen ist.

Doch die eigentliche Tragödie spielt sich unter Tage ab. 57 Kumpel arbeiten dort zum Zeitpunkt des Unglücks.

Im nördlichen Teil des Bergwerks, wo sich die Explosion ereignete, müssen die Zerstörungen verheerend sein.

Kaum jemand hält für möglich, dass einer der Arbeiter im Stollen überlebt haben könnte.

Die Suche konzentriert sich auf das Ostfeld der Grube, immer wieder fahren die Grubenwehren über zwei Wetterschächte mit Rettungsgondeln in die zerstörte Grube.

Gleichzeitig wird versucht, Frischluft ins Bergwerk zu pumpen.

Denn Messungen zeigen, dass die Konzentrationen an giftigen Gasen auch die Retter in höchste Gefahr bringt.

Auf dem Zechengelände versammeln sich Kumpel, Angehörige, Retter und Medienvertreter.

Noch am Abend des Unglückstages werden die ersten Toten gefunden.

Über Tage schwindet zunehmend die Hoffnung. Eine ganze Region steht unter Schock.

Meldungen, dass ein Funkspruch von Überlebenden aufgefangen wurde, werden später wieder dementiert. Es erscheinen Todesanzeigen für insgesamt 57 Bergleute.

Doch am frühen Morgen des 4. Juni gelingt es mit Hilfe von Technik des Hessischen Rundfunks doch noch, eine Gruppe Überlebender zu lokalisieren.

65 Stunden nach dem Unglück wird das "Wunder von Borken" Wirklichkeit. Nach und nach ...

... werden sechs Kumpel an die Oberfläche gebracht. Sie hatten in einer Luftblase überlebt und immer wieder versucht, auf sich aufmerksam zu machen.

Sie werden die einzigen bleiben, die die Katastrophe überleben.

51 Kumpel kostet die Explosion das Leben. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben später, dass sechs Kumpel bereits die Wucht der Explosion nicht überlebten. Die anderen starben an einer Kohlenmonoxidvergiftung.

Als Unglücksursache wurde zunächst eines der Sprengstofflager vermutet, bis sich herausstellte, dass es sich um eine Kohlenstaubexplosion gehandelt hat.

Die Stadt Borken ist bis heute von dem Unglück gezeichnet.

Fast jeder Borkener kannte eines der Opfer persönlich, in beinahe jeder Straße gab es Familien, die nun um Väter und Ehemänner trauerten.

Erst 28 Jahre nach dem Unglück werden die letzten Klagen von Hinterbliebenen gegen Eon, den Rechtsnachfolger der Preussen Elektra, mit Vergleichen beigelegt.

An die Opfer erinnert am Unglücksort eine Gedenkstätte, auf dem Metallkranz sind die Namen aller toten Bergleute zu lesen.

Für die Stadt hat nach dem Unglück ein neues Kapitel begonnen.

Die schwer zerstörte Grube wird geschlossen, die Kohlevorkommen waren ohnehin so gut wie erschöpft.

Von 1923 bis 1991 wurde hier Kohle gefördert, nun endet diese Ära.

Auch das angeschlossene Braunkohlekraftwerk machte dicht und wird schließlich abgerissen.

Seitdem hat die Stadt einen Industriepark errichtet, die frühere Bergbaulandschaft wird für den Tourismus genutzt. Im Bergbaumuseum der Stadt ist die lange Bergbaugeschichte aber noch immer lebendig.

Am Museum steht auch das Fördergerüst der Grube Stolzenbach.

Zum 30. Jahrestag des Unglücks öffnet ein neuer Ausstellungsbereich, in dem an die dramatischen Ereignisse im Juni 1988 erinnert wird. (sba)

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