Mal wieder so richtig über die Stränge schlagen - und dennoch nicht die Contenance verlieren: Das will gelernt sein. Oder angeboren. Man kann es aber nachlesen, denn mehr als je gilt: Umgangsformen sind "in".Bild 1 von 80 Adolph Freiherr von Knigge (1751 - 1796) - er hatte ja schon damals so Recht, als es um gute Manieren und Benimm ging! Wir können uns noch heute, Jahrhunderte später, ein bis zwei Scheiben davon abschneiden.Bild 2 von 80 Der Nachfahre des Aristokraten, Moritz Freiherr Knigge, ist Initiator des "Deutschen Kniggerates" und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Respekt, Vertrauen und angemessenes Verhalten unter den Plebs zu bringen.Bild 3 von 80 Hier schonmal ein paar Tipps vorab für den geneigten Leser: In Deutschland - und nur hier - betritt der Herr das Restaurant zuerst. 1:0 für Oliver Kahn, der den gefährlichen Weg für seine (damalige) Freundin Verena freimacht.Bild 4 von 80 Andere Länder - andere Sitten (was nicht heißt, dass man(n) die Dame von hinten über die Straße schieben muss, so wie es bei Tom Cruise und seiner Katie Holmes gerade wirkt).Bild 5 von 80 Der Kellner wird übrigens mit einem förmlichen Herr Ober herbei gerufen - und nicht etwa gepfiffen.Bild 6 von 80 Für Kellnerinnen gibt es im Deutschen keine gebräuchliche Anrede. Üblich ist Entschuldigung, Hallo oder der Blickkontakt, bitte nicht Fräulein. Und natürlich gilt auch hier - erst Recht kein Pfiff.Bild 7 von 80 Der Herr gibt die Bestellung auf, er nennt zuerst die Wünsche der Dame. Eine Beschwerde der Dame gibt ebenfalls der Herr an den Kellner weiter. Zwei Männer sollten deshalb noch lange nicht gleichzeitig bestellen. Der Gastgeber bestellt für den Gast mit.Bild 8 von 80 Übrigens, Gérard, auch eine Dame darf heute den Wein aussuchen und probieren.Bild 9 von 80 Tellerdekoration, wie Gurke und Petersilie, kann gerne mitgegessen werden (die Vitamine!).Bild 10 von 80 Wer Gäste ins Restaurant einlädt, signalisiert ihnen am besten, in welchem Rahmen sich die Einladung bewegt, indem er ein: "Und welche Vorspeise nimmst du? vorweg schickt und zeigt, dass man mehrere Gänge spendieren möchte. Oder eben nicht.Bild 11 von 80 Wer seine Begleiter einlädt, zahlt zum Schluss diskret. Trinkgeld, meist 10 %, ist kein Muss, sondern eine Anerkennung. Zahlt man mit Karte, sollte es bar dazu gelegt werden.Bild 12 von 80 Kein Trinkgeld gibt man am Tresen einer Bar oder einer Kneipe - ob es der Tresenkraft nun gefällt oder nicht.Bild 13 von 80 Laut Knigge Gesellschaft darf man wieder "Gesundheit" nach dem Niesen sagen. Das wurde vor einiger Zeit von Benimm-Experten zwar auf den Index gesetzt, aber es sei erstens höflich gemeint und zweitens verbreitet.Bild 14 von 80 Wer einem anderen Feuer gibt, nimmt die eigene Zigarette dabei aus dem Mund. Eine Dame raucht nicht auf der Straße. Ein Herr sollte es, nebenbei bemerkt, auch lassen. Es sieht einfach blöd aus.Bild 15 von 80 Der Ehrenplatz in einem viertürigen Fahrzeug ist hinten rechts.Bild 16 von 80 Im zweitürigen PKW lässt man den Gast nicht auf den Ehrenplatz kriechen, sondern neben sich.Bild 17 von 80 Es ist höflich, wenn der Fahrer einer Dame von außen die Beifahrertür öffnet. Keinesfalls jedoch beugt sich der Fahrer über den Beifahrer, um von innen die Tür aufzustoßen.Bild 18 von 80 In öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße sollte niemand essen. Auch das Kaugummikauen in der Öffentlichkeit gilt als unschicklich. Ausnahme: In der Umgebung vertrauter Menschen ist Eis essen erlaubt.Bild 19 von 80 Wer im Theater oder Kino an bereits sitzenden Zuschauern vorbei muss, wendet diesen dabei seine Vorderseite zu (auch wenn die Hinterseite noch so verlockend ist).Bild 20 von 80 In Kirchen wendet man sich in dieser Situation allerdings dem Altar zu.Bild 21 von 80 Im Privatleben gilt: Der Herr grüßt die Dame, der Jüngere den Älteren, der Einzelne die Gruppe, der Rangniedere den Höheren. Beim Händegeben ist es umgekehrt: Der Höhere erlaubt den Körperkontakt.Bild 22 von 80 In der Firma grüßt der Rangniedere den Ranghöheren immer zuerst, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Im Privaten ersetzt das Bekanntmachen das Vorstellen, das erspart Hin und Her. Einzelne machen sich einer Gruppe selbst bekannt.Bild 23 von 80 Auch nicht angetraute Lebensgefährten werden als mein Mann oder meine Frau vorgestellt. Damit erspart man sich Peinlichkeiten wie: "Wollen Sie denn gar nicht heiraten?"- "Ach, ich leb' ja noch in Trennung von meinem dritten Ehemann".Bild 24 von 80 Bei einer Begrüßung in Räumen wird der rechte Handschuh abgelegt (der linke darf in besonderen Situationen durchaus triumphierend in die Luft gereckt werden).Bild 25 von 80 Auf der Straße darf man beide Handschuhe anbehalten. Man nimmt bei der Begrüßung die Sonnenbrille ab. Ein wahrer Gentleman lupft auch den Hut zum Gruße.Bild 26 von 80 Für das Anbieten des Du gilt: Der oder die höher Gestellte gewährt das Du. Ein einmal gewährtes Du lässt sich nicht ohne Peinlichkeit rückgängig machen - also sparsam damit umgehen.Bild 27 von 80 Ein Du abzulehnen erfordert Taktgefühl. Ja, wir sollten uns duzen - wenn wir uns erst einmal besser kennen ist möglich. Oder: Ich will Sie nicht verletzen - aber ich möchte lieber beim Sie bleiben." Ein Ausweg kann das sogenannte Hamburger Du sein - Vorname plus Sie.Bild 28 von 80 Nicht jedes Du, das einem auf einem Betriebsausflug angeboten wird, ist ernst gemeint. Der niedriger Gestellte spricht den höher Gestellten am Tag danach taktvollerweise wieder mit Sie an. Wenn der Chef beim Du bleiben will, wird er das dann sagen.Bild 29 von 80 Schwierig vor allem in Medienberufen und der Gastronomie: Fast unmöglich ist es, sich in einer Firma, in der sich alle von der Chefin bis zum Büroboten duzen, siezen zu lassen.Bild 30 von 80 Wer ein Abteil betritt oder im Großraumwagen bzw. Flugzeug Platz nimmt, grüßt die Mitreisenden. "Guten Tag, Frau Roth." "Grüß' Sie, Frau Christiansen!" Gern wird in solchen Fällen noch auf das schicke Schuhwerk o.ä. verwiesen: "Na wo gibt's denn DIESE Socken?"Bild 31 von 80 Wer länger als eine Nacht im Hotel bleibt, räumt seine persönlichen Gegenstände bitte aus dem Koffer in den Schrank.Bild 32 von 80 Zimmermädchen dürfen außer der Nachtwäsche keine persönlichen Gegenstände des Gastes anfassen. Eigentlich ...Bild 33 von 80 Der Gast hinterlässt dem Personal das Zimmer halbwegs aufgeräumt.Bild 34 von 80 Gepäckträger, Zimmermädchen und alle, die dem Gast einen Dienst erweisen, sollten mit einem Trinkgeld belohnt werden, das sich z. B. nach der Kategorie des Hotels richtet ...Bild 35 von 80 ... und danach, welche Sonderwünsche dem Gast erfüllt wurden.Bild 36 von 80 Vor Auslandsreisen informiert man sich mittels Broschüren, Reiseführern oder Internet über besondere Verhaltensregeln im Gastland.Bild 37 von 80 Wer in einer Gruppe reist, nimmt nur so viel Gepäck mit, wie er allein bewältigen kann, ...Bild 38 von 80 ... und verlässt sich nicht auf die kräftigen Hände der Mitreisenden. Pünktlichkeit versteht sich von selbst.Bild 39 von 80 Wer an fremden Orten Menschen fotografiert, sollte kurz überlegen, ob er selbst in dieser Situation einem Touristen als Fotomotiv dienen wollte. Dann sollte er die Person - und sei es notfalls gestikulierend - um Erlaubnis bitten.Bild 40 von 80 Beim Essen befinden sich beide Hände - etwa bis zu den Manschetten - oberhalb der Tischkante. Liegen für mehrere Gänge mehrere Bestecke am Platz, verwendet man sie von außen nach innen.Bild 41 von 80 Benutztes Besteck legt man quer - mit den Griffen nach rechts - auf den Teller und lässt es abtragen. Auch die Gläser benutzt man von rechts außen beginnend.Bild 42 von 80 Wer von demselben Gang noch weiter essen möchte, legt das Besteck gekreuzt auf den Teller - Messer rechts, Gabel links - und zwar so, dass auch die Griffe noch auf dem Tellerrand liegen. Es ist durchaus erlaubt nachzufragen, wie man eine unbekannte Speise isst.Bild 43 von 80 Wenn Brot und Vorspeise aufgetragen werden, legt man die Serviette auf den Schoß, wo sie während des ganzen Essens liegen bleibt. Isst man etwas Spritzgefährliches wie Spaghetti mit Tomatensauce, darf man die Serviette am Kragen befestigen.Bild 44 von 80 Vor jedem Trinken tupft man sich den Mund kurz mit der Serviette ab. Gilt ganz besonders für Bartträger!Bild 45 von 80 Gräten, Obstschalen, Knochen nicht auch noch in den Aschenbecher legen. Notfalls um einen Extrateller bitten.Bild 46 von 80 Grillhähnchen werden in formeller Umgebung mit Besteck gegessen, im Freundeskreis oder Bierzelt ist es aber erlaubt, sie mit den Fingern zu essen.Bild 47 von 80 Fisch wird mit Fischbesteck oder mit Messer und Gabel gegessen. Mit zwei Gabeln zu essen ist nicht mehr üblich.Bild 48 von 80 Spargel, Kartoffeln und Knödel darf man schneiden - Spaghetti jedoch nicht. Kartoffeln und Knödel nehmen mehr Sauce auf, wenn Sie mit der Gabel zerteilt werden - doch harte Kartoffel oder Knödel könnten unter der Gabel davonflutschen!Bild 49 von 80 Harte Salatblätter, wie Eisberg und Frisée dürfen geschnitten werden. Weichere Salate werden mit dem Messer einfach nur gabelgerecht gefaltet. Auf jeden Fall gilt: Vorrang hat eine saubere Bluse.Bild 50 von 80 Sauce darf mit Brot aufgestippt werden, aber den Teller nicht auswischen oder auslöffeln!Bild 51 von 80 Eier dürfen sowohl geklopft als auch geköpft werden.Bild 52 von 80 Wird neuer Wein gereicht, trinkt man den alten nicht noch schnell aus.Bild 53 von 80 Ein Wein- oder Sektglas wird am Stiel gehalten. Prost ist offiziell verpönt.Bild 54 von 80 Beim Zutrinken erhebt man das Glas, sagt: Zum Wohl, trinkt einen Schluck, nickt - mit dem Glas in der Hand - dem anderen zu und sieht ihm dabei ihn die Augen. In Gesellschaft wird nicht mehr mit den Gläsern angestoßen.Bild 55 von 80 U. A. w. g. auf einer Einladungskarte heißt: Um Antwort wird gebeten. Diese Bitte ist rechtzeitig zu erfüllen. Wer zu früh zu einer Einladung kommt, ist nicht besonders höflich, sondern besonders unhöflich.Bild 56 von 80 Lieber noch einmal um den Block spazieren, als zu früh zu kommen.Bild 57 von 80 Bei einer Einladung zum Essen stets pünktlich sein! Bei einem Empfang darf man sich etwas verspäten. Steht auf der Einladung von 19 bis 22 Uhr, darf man auch um 21.50 Uhr kommen, muss aber um 22 Uhr gehen.Bild 58 von 80 Was tun Sie beruflich? Einen Gast mit dieser Frage ins Gespräch verwickeln zu wollen, gilt als unhöflich. Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte, Produzenten und Talk-Show-Damen sind auf Partys nicht eingeladen, um andere Gäste zu beraten.Bild 59 von 80 Der Mann als Beschützer: Er geht auf dem Bürgersteig neben der Frau auf der Seite, die der Straße am nächsten ist. Auf Treppen geht der Herr so, dass er die eventuell stolpernde Dame stützen kann: Sowohl treppauf als auch treppab geht er vor ihr.Bild 60 von 80 Der Herr hilft seiner Begleiterin aus dem Mantel bzw. hinein. Und auch auf der Wiese weiß der Mann von Welt sich zu benehmen.Bild 61 von 80 Der Handkuss ist in Deutschland kaum noch üblich, kann aber durchaus angewendet werden. Die Dame reicht dem Herrn ihre schlaffe rechte Hand unterhalb der Schulterhöhe. Der Herr greift die Hand an den Fingerspitzen, zieht sie zu sich heran und haucht (!) einen Kuss.Bild 62 von 80 Am Telefon zu Hause meldet man sich mit Hallo oder Ja bitte.Bild 63 von 80 In Familien melden sich die Kinder mit Vor- und Familiennamen. Zeiten für private Anrufe sind von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 22 Uhr.Bild 64 von 80 Handys schaltet man aus, wenn man sich in Gesellschaft befindet. Handy-Telefonate vor fremden Ohren hält man möglichst kurz und leise. Oder man begibt sich einfach ein wenig ins Abseits ...Bild 65 von 80 Für jedes Getränk gibt es ein eigenes Glas. Weißweinkelche sind eher klein, solche für Rotwein haben ein größeres Volumen, damit der Wein über die Oberfläche mehr Sauerstoff aufnehmen kann. Korrekt sind sie in der Reihenfolge, wie sie gebraucht werden.Bild 66 von 80 Ebenfalls tabu ist es, Mahlzeit zu rufen. Am Tisch dürfen Sie aber Guten Appetit wünschen - sofern möglich.Bild 67 von 80 Keine Verbeugung vor dem Teller. Alles Essbare wird zum Mund transportiert und nicht umgekehrt. Allzu großes Entgegenkommen des Kopfes gilt als schlechter Stil. Ebenso wie den Mund zu voll zu nehmen, mit offenem Mund zu kauen oder mit vollem Mund zu sprechen.Bild 68 von 80 Zahnstocher: Diskretes Benutzen hinter vorgehaltener Hand oder der Serviette ist zwar gestattet, aber nicht unbedingt ein schöner Anblick. Besser, man sucht einen ungestörten Ort auf.Bild 69 von 80 Make-Up: Dezentes Nachziehen der Lippen ist erlaubt. Größere Korrekturen oder das Kämmen bei Tisch sind jedoch verpönt.Bild 70 von 80 Rauchen gestattet? Bis zum Kaffee sollte bei Tisch nicht geraucht werden. Auch im Bekanntenkreis wird sich der Raucher erst erkundigen, ob er rauchen darf.Bild 71 von 80 Kleider-Ordnung: Hübsch machen? Ja, bitte - aber nicht zu auffällig. Tiefe Dekolletees, ultrakurze Miniröcke und schrilles Make-up müssen nicht sein. In ein schickes Lokal sollte man auch nicht in Jeans und Pulli kommen.Bild 72 von 80 Tisch-Sitten: Gehen Sie so oft zum Buffet, wie Sie wollen. Aber: Den Teller nie überladen, das könnte leicht gierig aussehen. Höchstens fünf Sorten auf den Teller, der Rand bleibt frei. Immer Serviette benutzen.Bild 73 von 80 Plauder-Fallen: Bei der Weihnachtsfeier sollten sich die Kollegen besser kennenlernen. Stellen Sie sich selbst kurz vor, das hilft, ins Gespräch zu kommen und Schüchternheit zu überwinden. Geldfragen, Liebesleben, Krankheiten oder Probleme sind tabu.Bild 74 von 80 Der Mittelweg macht es: Wer den ganzen Abend am Mineralwasser nippt, gilt schnell als Spaßbremse.Bild 75 von 80 Trinken Sie ruhig ein Gläschen Sekt. Wenn Sie nicht unhöflich sein möchten, nippen Sie nur kurz am Glas und lassen es stehen.Bild 76 von 80 Flirt-Faktor: Gegen einen harmlosen Flirt ist nichts zu sagen. Nur nicht übertreiben, d.h. Küssen oder zusammen irgendwohin verschwinden. Es sei denn, es mündet in die Ehe!Bild 77 von 80 Der Morgen danach: Auch wenn Sie einen Kater haben: Nicht krank melden. Ihren Kollegen geht es auch nicht besser...Bild 78 von 80 Und diese nicht näher beschriebene Tätigkeit verbietet sich natürlich ganz von selbst.Bild 79 von 80 Oder?Bild 80 von 80