Ein Thema, das die Gemüter erhitzt.Bild 1 von 69 Magersucht.Bild 2 von 69 In Zeiten, in denen man sich hauptsächlich Sorgen darum macht, dass Menschen nicht zu dick werden,...Bild 3 von 69 ... erscheint es paradox, dass Frauen in "unserer Wohlstandsgesellschaft" so abmagern, ...Bild 4 von 69 ... dass die Gefahr besteht, dass sie verhungern und sterben.Bild 5 von 69 Mit der Kampagne "No. Anorexia" (Magersucht. Nein) für die Modemarke Nolita stieß Fotograf ...Bild 6 von 69 ... Oliviero Toscani immer wieder auf Empörung.Bild 7 von 69 Seine Benetton-Kampagnen haben allerdings Maßstäbe gesetzt.Bild 8 von 69 Nie zuvor hat jemand einen zum Tode verurteilten, ...Bild 9 von 69 ... Aids-Kranke, ...Bild 10 von 69 ... Symbol-Bilder für Krieg, Verwesung, Rassenhass und Krankheit ...Bild 11 von 69 ... für Werbezwecke oder Mode eingesetzt.Bild 12 von 69 Der Mann war immer für einen Skandal gut. (Foto: Oliviero Toscani, rechts, mit Luciano Benetton)Bild 13 von 69 Er hat das Thema "Mafia" fotografisch thematisiert ...Bild 14 von 69 ... scheute nicht davor zurück, sich Themen zu widmen, die auf Widerspruch, sogar Hass stoßen könnten.Bild 15 von 69 Er kann aber auch anders, wie dieses Foto, das er von der italienischen, ebenfalls umstrittenen Journalistin Oriana Fallaci machte, beweist.Bild 16 von 69 Der Benetton-Familie haben seine Kampagnen jedenfalls nicht geschadet.Bild 17 von 69 Toscani hat Isabelle Caro fotografiert, als sie nur noch ein bisschen mehr als 30 kg wog.Bild 18 von 69 Die Französin, die als Model arbeiten wollte, hatte sich ihre Karriere als Model auf riesigen Leinwänden sicher auch anders vorgestellt. (Es folgen Bilder, auf denen nicht Isabelle Caro zu sehen ist).Bild 19 von 69 Aber ihr Wunsch, schlank, höchstens dünn zu sein, hat groteske Auswüchse angenommen.Bild 20 von 69 Isabelle Caro sagt selbst, dass sie dabei ist, zu sterben: "Man verlässt die normale Welt, und der Tod ist der einzige Freund."Bild 21 von 69 Sie spricht von der "hässlichen Fratze der Essstörung" und davon, dass man alles verliert auf dem Weg dahin, so auszusehen, wie sie jetzt aussieht.Bild 22 von 69 Die Zeichen des Todes an ihrem Körper sind nicht zu übersehen: Offene Stellen bedecken Arme, Beine, Schultern des Models, die dem Irrglauben erlegen ist, dass nur ein dünner Körper ein guter Körper ist.Bild 23 von 69 Fotograf Toscani sagt dazu, dass diese dünnen Mädchen in den Kleidern zwar gut aussehen, aber ohne Kleider ....Bild 24 von 69 .... nun ja.Bild 25 von 69 Als "übertrieben krass" ist das Schockfoto bereits bei Fabiola De Clercq, der Präsidentin eines Verbandes zur Erforschung der Magersucht, auf massive Kritik gestoßen: ...Bild 26 von 69 ... "Diese Kampagne hat so keinen Sinn", meinte sie. Ein derart krankes Mädchen gehöre in die Therapie. Die Werbung zeige die Schwere des Leidens nicht und könne keine positive Wirkung haben." (Auf dem Foto: Allegra Versace)Bild 27 von 69 Schwer zu sagen oder vorzustellen bleibt jedoch, wie man auf eine derart schlimme Krankheit anders als durch Schockfotos aufmerksam machen soll.Bild 28 von 69 Es wird schließlich auch darüber diskutiert (und in manchen Ländern bereits durchgeführt), Zigarettenschachteln mit echten Ekel-Fotos von Raucherbeinen etc. zu versehen.Bild 29 von 69 Dieses schöne Mädchen hier ist inzwischen jedenfalls tot: Ana Carolina Reston.Bild 30 von 69 Das brasilianische Model starb mit 21 Jahren an den Folgen einer bakteriellen Infektion, verursacht und begünstigt durch Magersucht.Bild 31 von 69 Ihr Blick: ernst. Ihr Gang: staksig. Ihr Leben: kurz. Ihr Ziel war es, Topmodel zu sein.Bild 32 von 69 Echte Topmodels haben es nicht nötig, schepperdürr zu sein. Einige versuchen, ihre jungen Kolleginnen zu warnen, wie hier Claudia Schiffer bei einer Veranstaltung in Mexico im Februar 2007.Bild 33 von 69 Andere, wie Gisele Bündchen zum Beispiel, meinen, dass meist die Familien und nicht die Agenturen oder gar die Modeindustrie an dem Magerwahn der Mädchen Schuld seien.Bild 34 von 69 Tausende von brasilianischen Models versuchen jedes Jahr ihr Glück in Rio, der Hauptstadt der schönen Mädchen, in der Hoffnung, entdeckt zu werden und so der Armut zu entfliehen. (Foto: Danieli Cicarelli)Bild 35 von 69 Bulimie (Ess-Brechsucht) und Anorexia (Magersucht) sind aber nicht unbedingt Phänomene, die nur in der Model-Welt auftauchen und auch nicht nur in der heutigen Zeit.Bild 36 von 69 Schauspielerin Keira Knightley, die immer wieder Grund zur Sorge gibt, weil sie so mager ist, behauptet, ...Bild 37 von 69 ... dass bereits ihre Mutter und ihre Großmutter so dürr waren und "es" einfach in der Familie liege.Bild 38 von 69 Und nicht nur Mädchen sind davon betroffen.Bild 39 von 69 Auch "gestandene" Frauen fallen dem Irrsinn anheim, dass attraktiv gleich dünn und das wiederum gleich beliebt und begehrt bedeutet.Bild 40 von 69 Und auch Männer geben vermehrt zu, von der Sucht nicht frei zu sein.Bild 41 von 69 Jüngstes Beispiel war Formel1-Fahrer David Coulthardt, der zugab, früher gehungert zu haben, um bei den Rennen leichter zu sein.Bild 42 von 69 Erst als er in die schweren Formel-1-Wagen gestiegen sei, habe er auch wieder normal gegessen.Bild 43 von 69 Das Fatale an seiner Beichte jedoch war nicht die Sache an sich, sondern die Aussage, dass er "jederzeit wieder so handeln" würde und Verständnis für Gleichgesinnte hege.Bild 44 von 69 Wenn das die Vorbilder unserer Kinder sind - Models, Schauspielerinnen und Rennfahrer am Limit ihres Gewichts - dann wortwörtlich "Prost Mahlzeit".Bild 45 von 69 Viele haben ihren Magerwahn bereits mit dem Leben bezahlt: So auch die Sängerin Karen Carpenter ("The Carpenters"), die mit ihrem Song "You're so vain" (Du bist so eitel) den Nagel auf den Kopf traf.Bild 46 von 69 Aber - es wird endlich gehandelt! Drei Bundesministerinnen rufen mit prominenter Unterstützung zum Kampf gegen die bei Mädchen grassierenden Essstörungen.Bild 47 von 69 Endlich wird ein Tabuthema ins Licht geholt, ist beim Start der Kampagne im Bundesgesundheitsministerium immer wieder zu hören.Bild 48 von 69 Das konkreteste Ziel nennt Hausherrin Ulla Schmidt (SPD): eine Selbstverpflichtung der Werbe- und Modebranche gegen den Einsatz extrem dünner Models. Ob es dazu kommt, ist aber noch fraglich.Bild 49 von 69 Spindeldürre Stars als Vorbilder, Leistungs- und Erwartungsdruck von Eltern und Schule, mangelndes Selbstbewusstsein - ein ganzer Ursachenmix ist verantwortlich, wenn Mädchen oder junge Frauen in den Teufelskreis von Magersucht oder Bulimie geraten.Bild 50 von 69 "Magersucht ist ein verzweifelter Schrei eines Menschen in Not", sagt Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU).Bild 51 von 69 Die erste umfassende deutsche Studie über Essstörungen zeigt das Ausmaß des Sucht. Symptome haben demnach rund 22 Prozent der 11- bis 17- Jährigen.Bild 52 von 69 Der Anteil bei Jungen nimmt nach der vom Robert-Koch-Institut durchgeführten Untersuchung mit dem Alter ab - aber 30 Prozent der Mädchen mit 17 sind betroffen. Jede zehnte Kranke stirbt.Bild 53 von 69 Kampagnen-Initiatorin Alice Schwarzer, Herausgeberin von "Emma", nennt den Vorstoß zwar "ein bisschen spät". Andere Länder seien weiter. Nun aber sei es auch in Deutschland an der Zeit, die zentrale "Massenpsychose in der westlichen Welt" zurückzudrängen.Bild 54 von 69 "In Ländern des Überflusses hungern Frauen sich zu Tode", klagt Schwarzer. "Während Männer Karriere machen, zählen Frauen Kalorien, manchmal machen sie beides gleichzeitig, und das überlebt man nicht lange."Bild 55 von 69 Die britische Psychoanalytikerin Susie Orbach, die Lady Di aus der Bulimie half, zitiert eine Untersuchung der Fidschi-Inseln: Drei Jahre nach dem Start westlichen TVs 1995 auf der Inselgruppe stieg der Anteil der Frauen mit Essstörungen von null auf zwölf Prozent.Bild 56 von 69 "Der größte Export des Westens ist der Körperhass", sagt Orbach.Bild 57 von 69 "Essstörungen sind eine anonyme Krankheit", erläutert die Aktivistin Daniela Kühne. Als sie 2001 als Betroffene erstmals mit Fotos von sich für Aufsehen sorgte, wäre eine Kampagne der Regierung noch kaum denkbar gewesen, meint sie.Bild 58 von 69 Nun hofft Kühne auf eine wirksame Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Sängerin Jeanette Biedermann oder Fußballnationalspielerinnen wie Nadine Angerer (Foto) unterstützen die Kampagne.Bild 59 von 69 Im Regierungskatalog gegen Essstörungen finden sich Aktionspläne und Expertenberichte, die das Problem in den Fokus rücken sollen. Aufklärung soll es in der Schule, bei der Jugendarbeit und in Vereinen geben.Bild 60 von 69 Beispiele für geförderte Forschungsprojekte sind bessere Verhaltenstherapien oder Rollenspiele etwa in Jena, wo Mädchen ab Klasse sechs mit Barbie-Puppen typische Situationen einer Magersucht durchspielen.Bild 61 von 69 Hinweise gegen Internetforen, die den Schlankheitswahn befördern, können Surfer bei bestimmten Homepages des Jugendschutzes liefern.Bild 62 von 69 Die Selbstverpflichtung gegen dürre Models sei die "erste Zielmarke", sagt Schmidt. "Magermodels gehören weder auf den Laufsteg noch in die Werbung."Bild 63 von 69 Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) will gegen die vielen Bilder angehen, die immer mehr Kinder in die Selbstzerstörung trieben. Designerin Jette Joop nennt das "eine gute Idee".Bild 64 von 69 Viele - vor allem männliche - Modemacher ließen sich bei ihren Entwürfen so wenig einfallen, dass sie die Mode durch den Einsatz extremer Körper spannender erscheinen lassen wollten.Bild 65 von 69 Die erste Reaktion des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft und des Deutschen Werberates gibt allerdings Anlass zu Zweifeln über die Aussichten des Vorstoßes.Bild 66 von 69 "Der Werbung wird mal wieder alles in die Schuhe geschoben", sagt Sprecher Volker Nickel in einem Interview. Populistisch sei das und verlogen.Bild 67 von 69 Trotzdem - diese Aktion ist ein Anfang!Bild 68 von 69 Und rettet vielleicht Leben! (Fotos: ap/ dpa)Bild 69 von 69