Bilderserie
Montag, 25. Juli 2011

Ein Land im Schock, ein wirrer Täter: Das Blutbad in Norwegen

Bild 1 von 50
Ein Meer von Blumen in der Osloer Innenstadt. (Foto: REUTERS)

Ein Meer von Blumen in der Osloer Innenstadt.

Ein Meer von Blumen in der Osloer Innenstadt.

Tränen und Verzweiflung.

Viele suchen Trost und Antworten.

Norwegen steht unter Schock.

Das Entsetzen ist den Menschen ins Gesicht geschrieben.

Bei den Terroranschlägen hat es mindestens 76 Tote gegeben.

Einige Menschen werden noch vermisst.

Allein 68 Todesopfer wurden bisher nach dem Massaker in einem sozialdemokratischen Ferienlager auf der Insel Utøya unweit der Hauptstadt Oslo geborgen.

Dieses von einem Hubschrauber aus aufgenommene Bild zeigt den Täter auf der Insel.

Seine Brutalität auf der Insel ist unfassbar.

Bei der vorangegangenen Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel starben 8 Menschen.

Viele wurden verletzt.

Die Zerstörungen erinnern an ein Erdbeben.

Ministerpräsident Jens Stoltenberg sprach von der schlimmsten Katastrophe Norwegens seit dem Zweiten Weltkrieg.

Der Doppelanschlag wurde von einem 32-jährigen Norweger namens Anders Behring Breivik verübt. Er soll als Einzeltäter gehandelt haben.

Der Sportschütze bezeichnete in einem Geständnis seine Taten als "grausam, aber notwendig".

Keine drei Stunden vor dem ersten Anschlag hatte er ein wirres, über 1500 Seiten starkes "Manifest" abgeschlossen: "Ich glaube, dies wird mein letzter Eintrag sein." Er wolle Europa vor "Marxismus und Islamisierung" retten.

Er beschrieb den Bau einer Bombe, erwähnte auch die Jugendorganisation, die das Inselcamp organisiert hat. Niemandem habe er von seinen Plänen erzählt. Der Mann hat weder Frau noch Kinder.

Seit dem Frühjahr hatte Breivik sechs Tonnen Kunstdünger zusammengekauft, der zur Herstellung von Bomben geeignet war.

Er hatte über Netzwerke im Internet Kontakte in die rechte Szene. Neun Jahre bereitete er die Tat angeblich vor. Er soll nun auf seinen Geisteszustand untersucht werden. "Es ist ausgesprochen schwer für mich, eine vernünftige Zusammenfassung von dem zu geben, was er in dem Verhör gesagt hat", so Verteidiger Geir Lippestad.

"Er wollte die Gesellschaft treffen. In seinem Kopf erlebt er es so, dass das, was er getan hat, nicht strafbar ist."

Zwei Schusswaffen, darunter eine Maschinenpistole, wurden sichergestellt.

Über den Ablauf des schrecklichen Geschehens im Jugendlager auf Utøya, die möglichen Hintergründe und die bisherigen Aussagen des mutmaßlichen Täters, wollte die Polizei bisher keine Einzelheiten nennen.

Der 32-Jährige habe bisher nicht im Blickfeld der Polizei gestanden. Zwar sei er bereit auszusagen, man stehe aber vor "äußerst umfassenden und langfristigen Ermittlungen".

Dabei will die Polizei verhindern, dass dem Täter zuviel Öffentlichkeit eingeräumt wird. (Im Bild: Breiviks Haus)

Die Osloer Innenstadt, wo die Explosion große Zerstörungen angerichtet hat, ist inzwischen stark gesichert. Die Einheiten sollen vor allem die Ermittlungsarbeit der Polizei unterstützen.

Passanten an den Absperrungen des Militärs: In vielen Gesichtern steht das Entsetzen über das Ausmaß der Zerstörung.

Die Aufforderung an alle Bürger, sich aus der Innenstadt fernzuhalten, wurde wieder aufgehoben. Die norwegische Flagge weht an allen öffentlichen Gebäuden auf Halbmast.

Oslos Polizeichef Øystein Mæland sagte: "Natürlich wirkt das sehr massiv mit dem Militär. Aber es ist eine normale Hilfeleistung für uns." Über die Gefahr weiterer Anschläge sagte er: "Oslo ist wieder eine sichere Stadt."

Überlebende und Angehörige der toten Jugendlichen versammelten sich in einem Hotel in Sundvold auf dem Festland nahe der Insel Utøya.

König Harald, Kronprinz Hakoon und Ministerpräsident Stoltenberg kamen ebenfalls und sprachen den Familien ihr Beileid aus.

Zu den Opfern des Massakers gehört auch ein Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit. Wie die Zeitung "Dagbladet" berichtete, wurde der 51-jährige Polizist Trond Berntsen erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte. Berntsens Vater war mit der Mutter Mette-Marits, Marit Tjessem, verheiratet.

Der Ablauf der Anschläge ist noch nicht endgültig geklärt. Nach Überzeugung der Polizei fuhr der Attentäter nach der Bombenexplosion im Regierungsviertel am Freitagnachmittag mit dem Auto zur Küste ...

... und nahm die letzte Fähre des Tages zur Insel Utøya.

Dort eröffnete der als Polizist verkleidete Attentäter das Feuer auf die etwa 600 Jugendlichen in dem Ferienlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF. Überlebende berichteten von Panik und Chaos.

Seinen Hass gerade auf die Sozialdemokraten hatte der mutmaßliche Täter auch in Internet-Beiträgen mehrfach nach außen getragen: Die AUF nannte er in Anlehnung an die Hitlerjugend höhnisch "Stoltenberg-Jugend".

Teilnehmer des Sommercamps berichteten, der Angreifer habe sie als Polizist verkleidet angelockt. Er habe gesagt: "Kommt zu mir, ich habe wichtige Informationen, kommt zu mir, es besteht keine Gefahr", sagte die 15-jährige Elise laut Nachrichtenagentur NTB.

Viele der Teenager im Alter von 14 bis 17 Jahren sprangen aus Todesangst ins Wasser, um schwimmend von der Insel zu entkommen. Der Attentäter soll auch auf sie geschossen haben.

Unklar ist noch, wie der Mann in dem Feriencamp bis zur seiner Festnahme so viele Menschen umbringen konnte. Dieses Bild entstand am Tag vor den Anschlägen.

"Die Schüsse kamen mit etwa zehn Sekunden Zwischenraum und über etwa eine Dreiviertelstunde", sagte die 22-jährige Nicoline Bjerge Schie der Zeitung "Dagbladet". Die Polizei sagte später, es seien 60 Minuten gewesen.

Die junge Frau hatte sich selbst mit Freunden hinter einem Felsen am Wasser versteckt. Über ihre Eindrücke berichtete sie: "Ich hab ihn nicht gesehen, aber gehört. Er schrie und jubelte und gab mehrere Siegesrufe von sich."

In der Zeitung "Verdens Gang" sagte der sozialdemokratische Jugendfunktionär Adrian Pracon, dass der Täter mehrfach schrie: "Ich bringe euch alle um. Alle müssen sterben."

Er selbst habe nur überlebt, weil er sich tot gestellt hatte, berichtete Pracon. "Er zielte mit der Pistole auf mich, aber er hat nicht abgedrückt."

"Hier zeigte sich das Schlechteste im Menschen, aber auch das Beste", sagte ein weiterer Augenzeuge im Rundfunksender NRK: Als die ersten Schüsse vom Festland aus zu hören waren, machten sich sofort alle möglichen Anwohner und Touristen mit ihren Booten auf den Weg, um möglichst viele der Jugendlichen trotz Kugelhagel aus dem Wasser zu holen.

"Ich sah, wie Leute erschossen wurden", sagte der Überlebende Jorgen Benone. "Ich versuchte, so still zu kauern wie möglich. Ich hatte mich hinter ein paar Steinen versteckt. Ich sah ihn einmal, 20 bis 30 Meter von mir entfernt."

Er fürchte, dieses Grauen werde ihn nie mehr loslassen, sagte Benone. Später habe er einige Boote gesehen, aber nicht gewusst, ob er den Insassen trauen könne. "Ich wusste nicht, wem ich überhaupt noch trauen konnte."

Erst nach einer Stunde stürmten Mitglieder der Anti-Terror-Einheit der norwegischen Polizei die Insel. Der Massenmörder ergab sich sofort.

Nach Angaben des TV-Senders NRK betrieb der Festgenommene eine kleine Firma für Agrarprodukte. "Wir haben ihm Anfang Mai sechs Tonnen Dünger verkauft, was eine ziemliche Standard-Bestellung darstellt", sagte die Sprecherin einer landwirtschaftlichen Kooperative, Oddny Estenstad. Aus Kunstdünger können Sprengsätze hergestellt werden.

Norwegens König Harald (r.) forderte seine Landsleute auf, "in dieser schweren Situation zusammenzustehen und einander zu stützen".

Über seine persönlichen Erinnerungen an Sommerlager auf der Insel Utøya sagte der Ministerpräsident, der zugleich Chef der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ist: "Utøya war das Paradies meiner Jugend. Gestern wurde es in eine Hölle verwandelt."

weitere Bilderserien