Bilderserie
Donnerstag, 13. August 2015

Wo Europa Urlaub macht: Das Flüchtlingselend von Kos

Bild 1 von 41
Sie brechen auf im Schutz der Dunkelheit. Jeden Tag machen sich Dutzende Flüchtlinge vom türkischen Festland aus auf den Weg in die Europäische Union. (Foto: AP)

Sie brechen auf im Schutz der Dunkelheit. Jeden Tag machen sich Dutzende Flüchtlinge vom türkischen Festland aus auf den Weg in die Europäische Union.

Sie brechen auf im Schutz der Dunkelheit. Jeden Tag machen sich Dutzende Flüchtlinge vom türkischen Festland aus auf den Weg in die Europäische Union.

Ihr Ziel, das viele von ihnen nachts oder am frühen Morgen erreichen, sind die griechischen Inseln in der Ägäis - Samos, Lesbos, Chios und Kos.

Das gelobte Europa, es ist hier nur wenige Kilometer vom türkischen Bodrum entfernt.

Der bekannte Badeort, beliebt sowohl bei türkischen als auch europäischen Touristen, liegt gerade mal 20 Kilometer von der Küste von Kos entfernt. Eine Distanz, die schwieriger zu bewältigen ist, als sich viele vorstellen können.

Schließlich setzen die Schleuser hier zumeist nur kleine Schiffe ein, oft Schlauchboote, die zudem heillos überladen sind. Immer wieder müssen die Küstenwachen von Türkei und Griechenland Menschen in Seenot retten.

Das Risiko gehen die Menschen dennoch ein. Die Alternative ist unsicher. Die Türkei hat in den vergangenen vier Jahren rund 1,8 Millionen Schutzsuchende aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und dem Iran aufgenommen.

Viele von ihnen träumen von einer Rückkehr in ihre Heimat. Doch immer weniger glauben noch daran.

Zwischen Januar und Juli 2015 haben laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR 124.000 Migranten Griechenland mit dem Schiff erreicht. Das entspricht 750 Prozent der Zahl, die dies in dergleichen Periode im Vorjahr geschafft hat. Alleine im Juli waren es 50.000.

Diejenigen, die Kos oder eine der anderen Ägäisinsel erreichen, spüren Erleichterung: Sie sind Not, Krieg, Hunger und einer unsicheren Zukunft entkommen. Doch ...

... für Migranten, die in Kos landen, beginnt eine neue Zeit der quälenden Ungewissheit.

Denn die Behörden vor Ort sind vollkommen überfordert. Flüchtlinge brauchen ...

... eine Registrierung und eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung auf der Insel.

Sonst kommen sie von hier nicht weg. Die meisten von ihnen wollen in den Norden Europas.

Doch die Erteilung dieser Papiere - andernorts selbst in Griechenland eine Frage von wenigen Tagen - nimmt hier mitunter drei Wochen in Anspruch.

Solange heißt es: warten. Und das unter katastrophalen Bedingungen.

Die Menschen bauen sich behelfsmäßige Unterkünfte.

Es fehlt auf der 30.000-Einwohnerinsel Kos an einer Infrastruktur für die Aufnahme der rund 7000 zusätzlichen Menschen.

Bei konstant deutlich über 30 Grad verbringen die Flüchtlinge ...

... Tag und Nacht im Freien.

Die hygienischen Bedingungen sind schlecht. Möglichkeiten, sich zu waschen, wie hier in diesem verlassenen und von Flüchtlingen in Beschlag genommenen Hotel, sind rar.

Die hungrigen und durstigen Menschen sind sich weitgehend selbst überlassen.

Es organisiert sich eine eigene Gesellschaft mit kleinen Dienstleistungen. Hier bietet ein Mann Haarschnitte für Leidensgenossen an.

Schließlich beschließen die Behörden, das örtliche Fußballstadion zur Unterbringung zu nutzen. So hoffen sie, die Flüchtlinge aus dem Blickfeld der Touristen auf der Insel zu schaffen. Doch schon die Registrierung in der Einrichtung, in der sich die Menschen mehr Hilfe erhoffen, bedeutet eine neue Tortur.

Stundenlanges Anstehen bei brütender Hitze: Nicht jeder der Menschen, ohnehin geschwächt von er bisherigen Flucht, hält dem stand.

Unter den Wartenden sind viele Frauen, kleine Kinder, Babys.

Manch einer beschließt, eine Abkürzung über die Mauer zu nehmen, die das Stadion umgibt.

Doch wer glaubt, innerhalb der Mauern warte das Paradies, liegt falsch. Auch hier fehlt es an allem. Die wenigen Schattenplätze sind rasch belegt. Sonst auch hier: sengende Hitze, kaum Infrastruktur. Reihenweise kollabieren Menschen. Die meisten wollen hier einfach nur noch weg.

Und dazu ist die Lage angespannt. Die Polizei rückt mit Einsatzkräften an, die für Aufstände ausgerüstet sind. Am Einlass gibt es Gedränge, die Menschen verlieren die Geduld.

Immer wieder kommt es zu Handgreiflichkeiten. Die Polizei versucht gewaltsam, Ordnung herzustellen.

Als viel zu hart bezeichnen viele Kritiker dieses Vorgehen. Schließlich geht es um Menschen, die gehofft haben, das Schlimmste schon hinter sich zu haben.

Anfang der Woche setzt die Polizei Tränengas und Feuerlöscher ein, um die aufgebrachte Menge auseinanderzutreiben.

Der Bürgermeister von Kos gibt einen Notruf nach Athen ab: Wenn nicht sofort Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung ergriffen würden, drohe "Blut zu fließen", schreibt Giorgos Kyritsis in einem Brief, der in griechischen Medien veröffentlicht wird.

Sicher ist: Hier muss schnell Abhilfe geschaffen werden. Die Menschen in Kos stört die Situation dabei nicht nur aus humanitären Gründen.

Die Flüchtlingsproblematik wird auch zur wirtschaftlichen Belastung. Denn Kos lebt vom Tourismus. Die Bilder, die entstehen, wenn die Ärmsten der Welt dort ankommen, ...

... wo es sich die Reichsten der Welt gut gehen lassen, ...

... sind mitunter bizarr. Und sie führen auf mittlere Sicht ....

... dazu, dass Urlauber ausbleiben - sicher eines der kleinsten Probleme an der ganzen Misere.

In Athen gibt sich die Regierung nun Mühe, das Problem zu lösen.

Ein Hotelschiff, das 2500 Menschen fassen soll, ist unterwegs nach Kos. Mit Fähren werden die Menschen jetzt nach und nach von der Insel nach Athen gebracht. Das könnte die Situation vor Ort etwas entspannen.

Not, Elend und Vertreibung wird es in Syrien, Afghanistan und Pakistan aber weiterhin geben.

Und so lange werden sich die Menschen von ihrer Heimat aus weiter auf den Weg über die Türkei und Griechenland nach Europa machen.

weitere Bilderserien