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Freitag, 21. September 2012

Proteste und Gewalt in der islamischen Welt: Der Zorn der Muslime

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Rund um den Erdball kocht seit mehr als einer Woche Wut und Entrüstung über das Mohammed-Schmähvideo "Die Unschuld der Muslime" hoch. (Foto: dpa)

Rund um den Erdball kocht seit mehr als einer Woche Wut und Entrüstung über das Mohammed-Schmähvideo "Die Unschuld der Muslime" hoch.

Rund um den Erdball kocht seit mehr als einer Woche Wut und Entrüstung über das Mohammed-Schmähvideo "Die Unschuld der Muslime" hoch.

Von Ägypten bis Indonesien - die Welle des Protests hat bislang mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte gefordert.

Im Film "Unschuld der Muslime" wird der islamische Prophet Mohammed als dummer, lüsterner, vertrottelter, sexbessener Bösewicht dargestellt.

Er lebt in einem Zelt, stellt Frauen nach, isst wie ein Barbar und stachelt seine Anhänger zu Bluttaten gegen Andersgläubige auf.

Der Film ist offensichtlich als Provokation gemeint. Er ist albern, ohne lustig zu sein. So sagt der Prophet beispielsweise über einen Esel: "Dies soll das erste muslimische Tier sein."

Produziert wurde der umstrittene Film von einem in den USA lebenden koptischen Christen, der aus Ägypten stammt. Sein Name: Nakoula Basseley Nakoula.

Der Mann, hier mit Mütze und Schal um den Kopf, ist kriminell, und er ist wohl auch ein Fanatiker.

Mit "Die Unschuld der Muslime" hat er für wütende Reaktionen in der muslimischen Welt gesorgt - auch wenn sich nicht klar unterscheiden lässt, welche der Gewaltausbrüche der letzten Tage tatsächlich ursächlich auf den Film zurückzuführen sind.

Die Proteste begannen in der vergangenen Woche in Kairo und weiteten sich seither auf viele weitere muslimische Länder aus. n-tv.de gibt einen chronologischen Überblick:

Dienstag, 11. September: Hunderte aufgebrachte Islamisten demonstrieren in Kairo vor der US-Botschaft gegen das Video ...

... und reißen die US-Flagge herunter.

Militante Islamisten greifen auch das US-Konsulat im libyschen Bengasi an.

In der Nacht werden dort US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Diplomaten getötet.

Mittwoch, 12. September: Libyen entschuldigt sich bei den USA für den Angriff vom Vortag ...

... und macht Anhänger des libyschen Ex-Machthabers Muammar al-Gaddafi sowie das Terrornetzwerk Al-Kaida verantwortlich.

US-Präsident Barack Obama spricht von einem "skandalösen" Angriff und lässt die Sicherheitsvorkehrungen an den diplomatischen US-Vertretungen weltweit verstärken.

Donnerstag, 13. September: Im Jemen sterben mindestens drei Menschen bei dem Versuch, die US-Botschaft in Sanaa zu stürmen.

Ägyptische Demonstranten versuchen erneut, die US-Botschaft in Kairo anzugreifen.

200 Menschen werden verletzt.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi verurteilt die Gewalt.

In Tunesien und ...

... im Iran gehen erboste Muslime auf die Straße.

Protestveranstaltungen gibt es auch im Irak und ...

... im Gazastreifen.

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilt den Film als "abscheulich und verwerflich" und erklärt, dass die US-Regierung damit nichts zu tun habe.

Die rechtspopulistische Organisation Pro Deutschland kündigt an, den umstrittenen Film in Berlin zeigen zu wollen.

Freitag, 14. September: Im Sudan attackieren wütende Demonstranten ...

... die deutsche Botschaft und ...

... zünden das Gebäude an.

Auch die Botschaften Großbritanniens und der USA werden angegriffen.

Die Polizei geht mit Tränengas gegen 10.000 Demonstranten vor, die sich der US-Botschaft nähern.

Zwei Demonstranten werden bei den Protesten getötet.

Im libanesischen Tripoli stirbt ein Mensch bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften.

In Tunis wird die US-Botschaft gestürmt.

Demonstranten dringen trotz eines Polizeieinsatzes in den Hof der US-Botschaft ein und zünden ...

... später die US-Schule an. Mindestens drei Menschen sterben, 49 werden verletzt.

In Kairo werfen Demonstranten Steine auf Polizisten, die sie mit Tränengas daran hindern, bis zum US-Botschaftsgebäude vorzudringen.

Samstag, 15. September: Die Taliban attackieren aus Protest gegen den Film die Militärbasis Bastion in Afghanistan, ...

... wo der britische Prinz Harry stationiert ist. Zwei US-Soldaten werden getötet.

Jemens Parlament verbietet den Einsatz von Spezialkräften zum Schutz der US-Botschaft.

Der jemenitische Al-Kaida-Zweig erklärt, dass der Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi eine "Racheaktion" für die Tötung von Al-Kaida-Vize Abu Jahja al-Libi (hier im Bild) gewesen sei.

Sonntag, 16. September: In Kabul demonstrieren rund 1500 Studenten gegen den Film. Laut "Los Angeles Times" sind drei Männer, die an dem Film mitgewirkt haben, Anhänger des aus Ägypten stammenden koptischen Predigers Zakaria Botros Henein, der für seine anti-islamische Haltung bekannt ist.

Die USA ziehen nicht zwingend erforderliches Botschaftspersonal aus Tunesien und dem Sudan ab.

Nach dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi werden rund 50 Menschen festgenommen.

Die US-Bundespolizei FBI vernimmt den mutmaßlichen Drahtzieher des islamfeindlichen Schmähvideos.

Montag, 17. September: In Kabul greifen Demonstranten Polizisten an und ...

... zünden Autos an.

In Indonesien werfen Demonstranten vor der US-Botschaft in Jakarta Molotowcocktails, ...

... die Polizei setzt Wasserwerfer und Tränengas ein und gibt Warnschüsse ab.

In Pakistan werden zwei Menschen bei Protesten getötet.

Im Libanon protestieren Hunderttausende Anhänger der Schiiten-Bewegung Hisbollah gegen das Mohammed-Schmähvideo.

Auch aus den Philippinen sowie aus dem ...

... Jemen werden Proteste tausender Muslime gegen die USA und zum Teil auch gegen Israel gemeldet.

Dienstag, 18. September: In Kabul reißt eine Selbstmordattentäterin zwölf Menschen mit in den Tod, unter ihnen acht Südafrikaner.

Die Angreiferin sprengt sich aus Protest gegen das Mohammed-Video neben einem Minibus in die Luft.

Inmitten der Protestwelle kündigt ein französisches Satiremagazin neue Mohammed-Karikaturen an.

Mittwoch, 19. September: Der explosiven Lage zum Trotz veröffentlicht "Charlie Hebdo" seitenweise Karikaturen, die mindestens an die Grenze der Geschmacklosigkeit gehen. Einige Zeichnungen zeigen den Propheten nackt in unsittlichen Posen oder unterstellen ihm abartige sexuelle Praktiken.

Die Regierung in Paris kündigt an, zahlreiche französische Einrichtungen vor den Freitagsgebeten sicherheitshalber zu schließen. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault ruft die Medien seines Landes auf, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen.

Außenminister Westerwelle kündigt an, die deutsche Botschaft im Sudan vorerst nicht wieder zu öffnen. Auch für andere Auslandsvertretungen seien die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden.

Der Schutz der Pariser Botschaft in Berlin befindet sich nach Polizeiangaben "auf einem hohen Niveau" und wird ständig der Lage angepasst.

In Teheran ziehen Studenten vor die französische Botschaft, um gegen Mohammed-Karikaturen zu protestieren.

In Sprechchören wünschen die Demonstranten Frankreich und den USA den Tod. Auf Plakaten fordern sie die französische Bevölkerung zudem auf, von ihrer Regierung mehr Respekt gegenüber anderen Religionen einzufordern.

Die USA rechnen im muslimischen Indonesien nach den Freitagsgebeten mit weiteren Prosten. Sie schließen deshalb vorsichtshalber ihre diplomatischen Vertretungen und Büros in der Hauptstadt Jakarta, auf Bali, in Medan und Surabaya.

US-Präsident Obama und der afghanische Präsident Karsai rufen zur Besonnenheit auf. Es sei in der gegenwärtigen Situation notwendig, "Zurückhaltung und Gewaltlosigkeit" zu ermutigen.

Das Frankfurter Satiremagazin "Titanic" unterstützt die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen und will ihrerseits mit einer Islam-Ausgabe nachlegen. Es produziert eine Islam-Ausgabe mit dem Titelbild: "Der Westen in Aufruhr: Bettina Wulff dreht Mohammed-Film".

Freitag, 21. September: Nach den Freitagsgebeten kommt es in islamischen Ländern zu weiteren Protesten.

Erst brennen US-Fahnen, ...

... später gehen in Pakistan mehrere Kinos, eine christliche Kirche und etliche Fahrzeuge in Flammen auf.

Zahlreiche Menschen sterben, Dutzende werden verletzt.

Auch in anderen Ländern (hier in Beirut) gehen Muslime auf die Barrikaden ...

... und protestieren gegen die Verunglimpfungen ihres Propheten.

In Deutschland demonstrieren ebenfalls Hunderte - doch hier bleiben die Proteste friedlich.

Samstag, 22. September: Die Proteste in Pakistan gehen weiter. Etwa 5000 Menschen marschieren zum Parlament. Zunächst bleibt es friedlich.

Der pakistanische Eisenbahnminister setzt zudem ein Kopfgeld von 100.000 Dollar auf den Produzenten des anti-islamischen Films aus. Er bittet auch Taliban und Al-Kaida, sich der "noblen Sache" anzuschließen.

In Dortmund protestieren 1500 Menschen friedlich. Sie fordern ein Ende der Gewalt und mehr Toleranz.

In Frankreich sind dagegen alle Proteste verboten. Starke Sicherheitskräfte schützen zum Beispiel die US-Botschaft.

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