Protest gegen Sowjet-Panzer: Die Selbstverbrennung Jan Palachs
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Er wurde zu einem Symbol für die Demokratiebewegung in der ehemaligen Tschechoslowakei:Bild 1 von 47 Der Student Jan Palach, der sich am 16. Januar 1969 auf dem Prager Wenzelsplatz selbst verbrannte.Bild 2 von 47 Mit seiner Tat wollte er seine Landsleute dazu aufrufen, die blutige Niederschlagung des "Prager Frühlings" nicht hinzunehmen.Bild 3 von 47 "Da unser Land davor steht, der Hoffnungslosigkeit zu erliegen", begründete der 20-Jährige seinen Selbstmord in einem Abschiedsbrief.Bild 4 von 47 Nach Palachs Selbstverbrennung versammelten sich hunderttausende Anhänger des "Prager Frühlings" im Zentrum Prags zu einer Trauerkundgebung vor den Augen sowjetischer Soldaten.Bild 5 von 47 "Palachs Tod wurde von der Gesellschaft sofort verstanden", meint Vaclav Havel, einst Dissident und späterer Präsident des Landes.Bild 6 von 47 "Jeder hatte das Bedürfnis, etwas verzweifelt Äußerstes zu tun, wenn alles Übrige so erfolglos blieb", so Havel.Bild 7 von 47 "In seiner Hilflosigkeit bot er das einzige an, was er hatte - sein Leben", sagte der evangelische Pfarrer Jakub Trojan, der an Palachs Beerdigung beteiligt war.Bild 8 von 47 Die Hilflosigkeit Palachs teilten viele, die noch eine Jahr zuvor voller Enthusiasmus den "Prager Frühling" miterlebt hatten.Bild 9 von 47 Staunend waren sie 1968 Zeuge geworden, wie ein sozialistisches System mit der Einführung eines Mehrparteiensystems, der Aufhebung der Zensur und marktwirtschaftlichen Reformen demokratische Züge annahm.Bild 10 von 47 Begonnen hatte das Tauwetter im Januar 1968, als der Slowake Alexander Dubcek zum Nachfolger des unbeliebten Stalinisten Antonin Nowotny an die Spitze der Kommunistischen Partei gewählt wurde (im Bild mit Walter Ulbricht).Bild 11 von 47 Auf vorsichtige Wirtschaftsreformen folgten bald weitgehende Lockerungen für Medien und Kultur.Bild 12 von 47 Ehemalige politische Häftlinge, Intellektuelle und Regimekritiker trauten sich erstmals, offiziell nicht-kommunistische Organisationen zu gründen - ein Schritt auf dem Weg zur Gründung einer Opposition.Bild 13 von 47 Doch die Hoffnung von Millionen auf eine bessere Zukunft währte nicht lange.Bild 14 von 47 Der "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" ließ in Moskau die Alarmglocken schrillen.Bild 15 von 47 Anfang August 1968 erläuterte der sowjetische Parteichef Leonid Breschnew vor den Führern der sozialistischen "Bruderstaaten" in Bratislava seine Doktrin von der "begrenzten Souveränität".Bild 16 von 47 Für die orthodoxen Kommunisten in Prag war das die Gelegenheit, den Kreml um Hilfe zu bitten.Bild 17 von 47 In der Nacht zum 21. August 1968 rückten Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR ein und beendeten den "Prager Frühling" gewaltsam.Bild 18 von 47 Weniger als drei Wochen später rückten 30 sowjetische Divisionen, unterstützt von Einheiten aus Bulgarien, Ungarn und Polen, in der Tschechoslowakei ein.Bild 19 von 47 Die Militärflugzeuge, Panzer und Soldaten der eigentlich verbündeten Warschauer-Pakt-Staaten erteilten der Vision eines menschlichen Sozialismus in Prag eine brutale Absage.Bild 20 von 47 Die Moldau-Metropole wurde besetzt, die Zentrale des staatlichen Rundfunks gestürmt, ?Bild 21 von 47 ? der Flughafen für Zivilmaschinen geschlossen, auf dem zentralen Wenzelsplatz fielen Schüsse.Bild 22 von 47 Allein bis Ende Dezember 1968 wurden nach Angaben tschechischer Historiker 108 Menschen getötet und rund 500 weitere schwer verletzt.Bild 23 von 47 Aus dem Westen kamen nur symbolische Protestnoten gegen die gewaltsame Niederschlagung der Reformbestrebungen, zu sehr waren die USA und ihre Verbündeten mit dem Vietnamkrieg und den eigenen Protestbewegungen beschäftigt (im Bild US-Präsident Johnson).Bild 24 von 47 Das Protokoll, das Dubcek eine Woche nach dem sowjetischen Einmarsch als Gefangener in Moskau unterzeichnete, besiegelte das Ende aller Hoffnungen in der Tschechoslowakei (im Bild: Prager hören die offizielle Stellungnahme).Bild 25 von 47 "Als Dubcek aus Moskau zurückkam, ging unser Widerstand zu Ende", erinnert sich Havel.Bild 26 von 47 "Die Gesellschaft verlor jede Zuversicht."Bild 27 von 47 Manche gingen ins Exil, andere blieben Dissidenten - so wie Havel, der seine Entscheidung mit fünf Jahren Gefängnis bezahlte.Bild 28 von 47 Mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei reagierten auch in der DDR viele Menschen schockiert. (Sowjetsoldaten entfernen Pro-Dubcek-Plakate in Prag)Bild 29 von 47 Das SED-Regime erstickte allerdings alle Demonstrationen gegen den Einmarsch schon im Keim.Bild 30 von 47 Die Liberalisierungen in der CSSR seit dem Frühjahr 1968 waren dem SED-Regime von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen.Bild 31 von 47 Mit Argwohn registrierte die DDR-Staatssicherheit, dass sich die eigene Bevölkerung in zunehmendem Maße für die Vorgänge in der benachbarten CSSR interessierte.Bild 32 von 47 Als im August 1968 im Grenzgebiet der DDR die zumeist sowjetischen Panzer auffuhren, überquerten dabei zwar keine Fahrzeuge der Nationalen Volksarmee die Grenze zur Tschechoslowakei.Bild 33 von 47 Doch eine mögliche Beteiligung der DDR-Streitkräfte war nach Überzeugung von Historikern fest in die Planung der sowjetischen Militärs verankert.Bild 34 von 47 DDR-Staatschef Walter Ulbricht zeigte sich erleichtert, als die "drohende Konterrevolution" abgewendet war.Bild 35 von 47 Für fortschrittlichere SED-Mitglieder wie auch Regimegegner zerplatzten dagegen die Hoffnungen auf Lockerungen innerhalb des bestehenden Systems.Bild 36 von 47 "Man kann sagen, dass damit endgültig das Nachkriegs-Märchen einer strahlenden sozialistischen Zukunft und eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz begraben wurde", meint etwa der tschechische Senatspräsident Premysl Sobotka, Jahrgang 1944.Bild 37 von 47 Für die kommenden zwei Jahrzehnte herrschte in Mittelosteuropa wieder durchgehend ein System Moskauer Prägung, das Tauwetter war beendet.Bild 38 von 47 Doch so sehr sich die Besatzung und Geheimpolizei in der CSSR auch um eine Befriedung bemühten, ...Bild 39 von 47 ... die Selbstverbrennung Palachs hatten sie nicht verhindern können, ebensowenig wie weitere Selbstverbrennungen in den folgenden Monaten.Bild 40 von 47 In den folgenden Jahren waren die Sicherheitskräfte rund um den Todestag Palachs regelmäßig in Alarmbereitschaft. Polizisten überwachten zeitweise das Grab Palachs in Prag, um zu verhindern, dass dort Menschen Blumen niederlegten und Kerzen anzündeten.Bild 41 von 47 Als das sozialistische Regime beobachten musste, wie täglich mehr Besucher ans Grab kamen, bettete man den Sarg in Palachs Heimatstadt Vsetaty um - doch auch dorthin pilgerten dutzende Menschen.Bild 42 von 47 Nicht zuletzt läutete der 20. Jahrestag von Palachs Selbstverbrennung im Januar 1989 eine Welle von Protestkundgebungen ein.Bild 43 von 47 Auch wenn die Polizei diese brutal niederschlug und unter anderem auch Vaclav Havel verhaftete und zu neun Monaten verschärfter Haft verurteilte, war doch der Anfang vom Ende des Regimes eingeläutet.Bild 44 von 47 Die "Samtene Revolution" war erfolgreich, nach der Wende von 1989 wurden landesweit dutzende Plätze und Straßen nach Palach benannt. Gleich zwei Denkmäler mahnen allein am Wenzelsplatz.Bild 45 von 47 Palach gilt noch immer als Symbol des Widerstands und "verzweifelter Held".Bild 46 von 47 Zum 40. Jahrestag seines Selbstopfers erinnern viele Gedenkveranstaltungen an seine Tat.Bild 47 von 47
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