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Dienstag, 07. Dezember 2010

Willy Brandts großes Symbol: Kniefall verändert die Welt

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Er war einer der großen Sozialdemokraten.

Er war einer der großen Sozialdemokraten.

Er war einer der großen Sozialdemokraten.

Ein Charmeur, der den weiblichen Reizen durchaus nicht abgeneigt war. (Im Bild mit Sophia Loren). Aber auch ein Instinkt-Politiker.

Eine rundum schillernde Gestalt: Willy Brandt.

Am 8. Oktober 1992 starb Willy Brandt und hinterließ eine Lücke in der Sozialdemokratie, die bisher keiner so richtig zu füllen vermochte.

Denn an Brandts Meisterstück, dem Friedensnobelpreis, würden alle scheitern.

Am 20. Oktober 1971 unterbrach Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel die Sitzung: "Ich erhalte soeben die Nachricht, dass die Nobelpreiskommission des norwegischen Parlaments dem Herrn Bundeskanzler den Friedensnobelpreis verliehen hat."

Willy Brandt erhielt als vierter Deutscher - nach Gustav Stresemann, Ludwig Quidde und Carl von Ossietzky - den Friedensnobelpreis. Die damalige Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, Aase Lionaes (r.), überreichte Brandt in Oslo die Medaille und ...

... die Urkunde am 10. Dezember 1971.

Damit wurde seine Ostpolitik des "Wandels durch Annäherung" gewürdigt.

Es war Brandts Kniefall von Warschau am 7. Dezember 1970 am Mahnmal des Ghetto-Aufstandes von 1943, ...

... der symbolisch die Entspannungspolitik einleitete, ...

... die in den Ostverträgen mit Polen und der Sowjetunion mündete. (Im Bild: Außenminister Walter Scheel, Brandt und der sowjetische Ministerpräsident Alexej Kossygin (v.l.) bei der Unterzeichnung des Moskauer Vertrags. Hinter Brandt KP-Chef Leonid Breschnew.)

Bei einem weiteren Treffen mit dem KPdSU-Generalsekretär auf der Krim im September 1971 versuchten Brandt und sein Berater Egon Bahr, die militärische Entspannung in Europa auf den Weg zu bringen.

Mit seiner "Politik der kleinen Schritte" wollte Brandt auch die Probleme deutscher Familien nach deren Trennung durch den Bau der Berliner Mauer abmildern und die Grenze zur DDR durchlässiger machen.

In Erfurt (Bild) und Kassel traf er sich 1970 mit dem Vorsitzenden des DDR-Ministerrates, Willi Stoph, ...

... zu ersten innerdeutschen Gesprächen.

Die Menge ruft vor dem Hotel Erfurter Hof ...

... begeistert "Willy, Willy" (oben links am Balkon). Und um klarzustellen, welcher Willy gemeint ist: "Willy Brandt ans Fenster!" Die Begeisterung für Brandt schockt die SED-Spitze.

1973, 18 Monate nach der Verleihung des Friedensnobelpreises, trat der Gundlagenvertrag in Kraft.

Brandts Erfolg war ihm nicht in die Wiege gelegt. Im Dezember 1913 wurde er als Herbert Ernst Karl Frahm ins Geburtsregister von Lübeck eingetragen. Seinen Vater lernte er nie kennen.

Da seine Mutter viel arbeiten musste, gab sie den kleinen Willy zur Nachbarin, wo er von Sonntagabend bis zum folgenden Samstag blieb. (Im Bild mit Sohn Matthias)

Später bemerkte Willy Brandt, dass er nicht jene "normale Bindung" haben konnte, die jemand empfindet, "wenn er bei der Mutter aufwächst". (Im Bild mit seiner zweiten Frau Rut und den drei gemeinsamen Söhnen)

Seine nichteheliche Herkunft benutzten politische Gegner bis in sein Erwachsenenleben, um ihn zu diffamieren.

Später gab er zu: Herkunft und üble Nachrede hätten ihm einen Stachel eingepflanzt.

Als Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei verbrachte er die Nazizeit in Norwegen und Schweden. Hier legte er sich 1934 den Decknamen Willy Brandt zu, den er ab 1947 offiziell übernahm.

Brandts bundespolitische Karriere begann in der SPD im Jahr 1949 als Abgeordneter aus Berlin. 1957 wählten ihn die Berliner zum Regierenden Bürgermeister.

In diesem Amt erlangte Brandt enorme Popularität. Auch weil viele hochrangige Staatsgäste und Politiker (im Bild Italiens Ministerpräsident Aldo Moro) die geteilte Stadt besuchten, wurde Brandt national und international bekannt ...

... wie vor und wohl auch nach ihm kein anderer Regierender Bürgermeister Berlins.

Unvergessen ist der Besuch des US-Präsidenten John F. Kennedy ....

... in der geteilten Stadt ...

... am 26. Juni 1963.

Willy Brandt, bis 1966 Regierender Bürgermeister, mit dem US-amerikanischen ...

... Präsidenten und Bundeskanzler Konrad Adenauer im offenen Wagen auf der Fahrt durch die Stadt.

Ein Jahr später ist Brandt erneut Gastgeber, als der Bruder ...

.... des inzwischen ermordeten JFK, Robert F. Kennedy, in Berlin ist. Brandt zeigt RFK von einer ...

... Plattform die Mauer vor dem Brandenburger Tor. Zu diesem Zeitpunkt weiß er längst, dass er West-Berlin Richtung Bonn verlassen muss, wenn er die Verhältnisse für die Einwohner der Stadt verbessern will.

Er musste seine Popularität für seine Ziele und die der Bundes-SPD nutzen. Bei der Bundestagswahl 1961 trat er erstmals - erfolglos - als Kanzlerkandidat gegen Konrad Adenauer (CDU) an. 1964 folgt Brandts nächster bundespolitischer Coup.

Er wird Nachfolger von Erich Ollenhauer und übernimmt den Bundesvorsitz der Sozialdemokraten.

Er bleibt mehr als 23 Jahre SPD-Chef, bis 1987, länger als alle anderen Vorsitzenden vor ihm und bisher auch nach ihm.

Bei der Bundestagswahl 1965 unterlag er Bundeskanzler Ludwig Erhard. Während des Wahlkampfes wurde er von den Konservativen wegen seiner antifaschistischen Vergangenheit (auch unterhalb der Gürtellinie) kritisiert. Er fühlte sich ungerecht behandelt, ...

... weil ehemaligen Nazis deren Vergangenheit verziehen wurde. "Dieser Wahlkampf hat Wunden hinterlassen", sagte er 1965.

Nach Erhards Rücktritt 1966 wurde das frühere NSDAP-Mitglied ...

... Kurt Georg Kiesinger (CDU) zum Bundeskanzler gewählt.

Er bildete eine Große Koalition mit der SPD. Brandt wurde Außenminister ...

... und Vizekanzler.

Die Große Koalition galt als All-Star-Team der fähigsten Politiker des Landes. Die enorme Machtfülle machte den außerparteilichen Demokraten in Deutschland jedoch Sorgen.

Nach der Bundestagswahl 1969 bildete Brandt gegen den Willen von Herbert Wehner (Bild) ...

... und Helmut Schmidt, die eine Fortsetzung der großen Koalition wollten, ...

... eine Koalition mit der FDP Walter Scheels. Willy Brandt legte ...

... am 21. Oktober 1969 vor dem Deutschen Bundestag seinen Amtseid als Bundeskanzler ab. Vorne Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel. Damit begann die Ära, in der Brandt ...

... die Ideen seines Ratgebers Egon Bahr für eine neue Ostpolitik in die Tat umsetzte. Heute werden die Verträge als Anfang vom Zusammenbruch des Kommunismus in Europa und als Beginn der deutschen Wiedervereinigung gefeiert.

Damals warf ihm die Opposition, meist in Person von Rainer Barzel, vor, die Anerkennung totalitärer Regierungen zu betreiben und die deutschen Ostgebiete für immer verloren zu geben.

Die Union bekämpfte Brandt und seine neue Ostpolitik mit allen Mitteln. Auch in der SPD wurde seine Strategie kontrovers diskutiert. Bis zum Jahr 1972 hatten schließlich so viele Abgeordnete der SPD und der FDP ins Lager der Union ...

... gewechselt, dass die CDU/CSU rechnerisch über eine knappe absolute Mehrheit im Parlament verfügte. Viele Menschen auf der Straße wollten Brandt allerdings trotz allem als Kanzler behalten.

Der Fraktionsvorsitzende Barzel glaubte im April 1972, Willy Brandt mit einem konstruktiven Misstrauensvotum ablösen zu können und scheiterte dabei überraschend.

Für die Wahl zum Bundeskanzler fehlten ihm schlussendlich zwei Stimmen. Barzel gratulierte dem Gewinner der Wahl.

Ironie des Schicksals: Der entscheidende Impuls kam aus dem Osten. Brandt hielt sich nur deshalb, weil zwei Unionsabgeordnete für den Kanzler votierten. Die DDR hatte sie dafür bezahlt. (Im Bild der Schreibtisch von Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit der DDR)

Weil die DDR aber nicht alle Abstimmungen kaufte, hatte auch die Koalition keine ...

... handlungsfähige Mehrheit mehr. Folglich stellte Brandt im September 1972 die Vertrauensfrage.

Brandts Minister enthielten sich, Bundespräsident Gustav Heinemann löste auf Brandts Antrag hin den Bundestag auf ...

... und es gab Neuwahlen. (Im Bild: Brigitte Seebacher-Brandt, die dritte Frau Brandts, vor einem Wahlplakat von 1972.)

Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen am 19. November 1972 wurde die SPD die stärkste Fraktion. Willy Brandt blieb Kanzler einer sozial-liberalen Koalition.

Es schien, als sei Brandt nicht vom Thron zu stoßen (Illustrationsausschnitt von Udo Lindenberg).

Wenn es nicht die gewonnene Vertrauensabstimmung war, dann war es dieser Wahlsieg, der ihn endgültig zum Vorbild für alle etwaigen Nachfolger in der SPD machte.

Brandt war auf dem Höhepunkt seiner politischen Macht, er nutzte seine letzten Regierungsjahre, um als erster deutscher Kanzler Israel zu besuchen (am Flughafen in Tel Aviv mit Golda Meir ) ...

... und er begann sich in der Innenpolitik für die Interessen der SPD-Klientel stark zu machen.

Der entscheidende Impuls zum Rücktritt Brandts kam aus der DDR. Der größte deutsche Spionagefall wurde aufgedeckt. Hauptmann Günter Guillaume, Offizier im besonderen Einsatz der Hauptverwaltung Aufklärung der Stasi, war persönlicher Referent von ...

... Bundeskanzler Willy Brandt, also sein Schatten. 1956 war Guillaume in die Bundesrepublik eingeschleust worden. Er machte in der SPD Karriere, kam 1970 ins Kanzleramt - und erschlich sich Brandts Vertrauen.

Finanzminister Helmut Schmidt, Brandt-Referent Guillaume und Willy Brandt bei einer SPD-Sitzung am 23. Juni 1973.

Am frühen Morgen des 24. April 1974 klingelte es an der Haustür in Bad Godesberg: "Sind Sie Herr Günter Guillaume? Wir haben einen Haftbefehl gegen Sie."

Bei seiner Vernehmung antwortet der Mann: "Ich bin Bürger der DDR und ihr Offizier - respektieren Sie das!"

Spion Guillaume wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt, seine Frau Christel zu acht. 1981 wurden beide gegen acht Agenten ausgetauscht.

Willy Brandt trat am 6. Mai 1974 als Kanzler zurück. Die "Guillaume-Affäre" löste eine Regierungskrise aus. Denn der Kanzler-Spion hatte neben Staatsgeheimnissen auch über Brandts Sexualleben und Frauenbekanntschaften nach Ost-Berlin berichtet.

Die Affäre erschütterte beide Teile Deutschlands. Sie zerstörte auch die Hoffnung vieler DDR-Bürger, die Brandts "Wandel durch Annäherung" in den Osten brachte.

Es gilt als wahrscheinlich, dass Brandt vom Rücktritt hätte abgehalten werden können, aber die SPD-Kontrahenten Wehner und Schmidt hatten Gründe, den Wechsel des Kanzlers schnell und unsentimental zu vollziehen.

Angeblich gab es Befürchtungen, dass der SPD-Chef (im Bild mit seiner zweiten Frau Rut) auch wegen Frauengeschichten und ...

.... Alkoholproblemen erpressbar werden könnte. Außerdem wurde ihm (im Bild mit Willi Stoph) Amtsmüdigkeit unterstellt. "In Wahrheit war ich kaputt" sagte Brandt später über die Endphase seiner Kanzlerschaft.

Brandt galt als gesundheitlich angeschlagen, litt offenbar unter Depressionen und sah sich erneut Diffamierungskampagnen von politischen Gegnern ausgesetzt, denen er bis zum Wahlkampf 1976 wohl nicht standgehalten hätte.

Willy Brandt blieb SPD-Chef ...

... und wurde von 1976 bis 1992 Präsident der Sozialistischen Internationale.

Willy Brandt trat als großer Diplomat von der Bühne der internationalen Politik ab.

Zum Familienmenschen wurde der vierfache Vater ...

... auch nach der Aufgabe seiner Ämter nicht.

Nach 32 Jahren Ehe trennte er sich von seiner Frau Rut, einer gebürtigen Norwegerin. Zahlreiche Affären hatten zuvor die Ehe erschüttert. Willy schien seiner Gattin schon früh "für eheliche Verhältnisse nicht geschaffen".

Zuletzt lebte er mit seiner dritten Frau, Brigitte Seebacher-Brandt, zusammen. Ihr Einfluss auf Willy Brandt war groß. Als Brandt später erkrankte, schottete sie ihn von jedem ab, der vor ihr keine Gnade fand.

Selbst Michail Gorbatschow wurde nicht eingelassen, als er unangemeldet an der Haustür klingelte. Später sagte Seebacher-Brandt, sie habe den Ex-Präsidenten der Sowjetunion nicht erkannt.

Beim Begräbnis sorgte sie dafür, dass die Exfrau Rut Brandt das Bild nicht störte.

Spätestens seit seinem Tod ist Brandt zum Denkmal geworden.

Alle seine Nachfolger in der SPD ...

... müssen sich an ihm messen lassen.

Er ist als einziger der ehemaligen Parteichefs zur Symbolfigur aufgestiegen:

Bis heute werden Straßen und Plätze nach dem Friedensnobelpreisträger von 1971 benannt.

Und seine Partei setzt ihm ein ganz besonderes Denkmal: das Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg, die SPD-Zentrale. Der Grundstein wurde am 9. November 1993 gelegt. Seit 1996 trägt es seinen Namen.

Brandt erklärt seinen politischen Verdienst relativ bescheiden: "Mein eigentlicher Erfolg war, mit dazu beigetragen zu haben, dass in der Welt, in der wir leben, der Name unseres Landes und der Begriff des Friedens wieder in einem Atemzug genannt werden können."

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