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Mittwoch, 07. Januar 2015

"Wir haben den Propheten gerächt": Vermummte verüben Massaker in Pariser Redaktion

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Es ist der blutigste Anschlag in Frankreich seit vier Jahrzehnten. (Foto: dpa)

Es ist der blutigste Anschlag in Frankreich seit vier Jahrzehnten.

Es ist der blutigste Anschlag in Frankreich seit vier Jahrzehnten.

Bei einem Angriff auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" wurden mindestens zwölf Menschen getötet.

Außerdem gibt es viele Verletzte.

Der Anschlag im elften Arrondissement im Zentrum von Paris ereignete sich gegen 11.30 Uhr.

Nach Angaben der Polizei drangen drei vermummte Männer mit Kalaschnikows bewaffnet in die Räume der Zeitung ein. Entgegen früheren Meldungen hatten sie doch keinen Raketenwerfer bei sich.

Dabei skandierten sie mehrfach "Allah ist groß".

Nach Augenzeugenberichten sollen sie außerdem "Wir haben den Propheten gerächt" gerufen haben.

Danach gab es einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften.

Mit welcher Kaltblütigkeit die Angreifer vorgingen, zeigt ihre Flucht: Während ihrer Fahrt vom 11. Arrondissement zwischen dem Platz der Bastille und dem Platz der Republik stiegen sie aus ihrem Auto noch einmal aus und töteten einen Polizisten per Kopfschuss, wie auf einem Video zu sehen ist.

In der Nähe der Porte de Pantin in Richtung nordöstlichem Stadtrand überfielen sie einen Autofahrer und überfuhren einen Passanten. Seither verliert sich die Spur.

Unter den Opfern sollen auch zwei Polizisten sein, einer von ihnen war nach Angaben der Ermittler zum Schutz eines Zeichners abgestellt.

Auch vier Zeichner wurden umgebracht. Im Bild der ermordete Cartoonist Wolinski.

Der Cartoonist Cabu ist ebenfalls unter den Toten.

Auch der Zeichner Tignous wurde getötet, ...

... ebenso wie der Chefredakteur des Blattes, Stéphane Charbonnier, genannt Charb. Ein Journalist, der in Räumen gegenüber von "Charlie Hebdo" arbeitet, berichtet von fürchterlichen Szenen: "Leichen am Boden, Blutlachen, sehr schwer Verletzte".

Einige der Verletzten befinden sich in einem kritischen Zustand.

"Es ist ein Schock für Frankreich" sagt Präsident François Hollande. Und stellt schon kurz nach der Tat klar: Es handelt sich um einen Terroranschlag.

"Daran gibt es keinen Zweifel", sagt er, als er den Ort der Bluttat besucht. Es seien in den vergangenen Wochen bereits mehrere Anschläge vereitelt worden.

Schon seit Monaten sorgen Terrordrohungen insbesondere der in Syrien und im Irak kämpfenden Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Frankreich für Unruhe. Die Sicherheitsdienste hatten gewarnt, dass es nicht mehr eine Frage sei, ob ein Anschlag stattfinde, sondern nur noch wann und wo.

Dass die - mutmaßlich islamistischen - Täter nun aber im Stadtzentrum der Hauptstadt zuschlagen konnten, schockierte die Franzosen. Eine Frau in der Nähe des Anschlagsortes drückte das aus, was viele denken: "Das ist Irrsinn - mitten im Herzen von Paris."

Im Großraum Paris ruft die französische Regierung die höchste Terrorwarnstufe aus und berät sich in einer Krisensitzung.

Gefährdete Einrichtungen werden nun verstärkt geschützt. So wird nicht nur der Schutz von Medienhäusern, großen Kaufhäusern, Kirchen und im öffentlichen Nahverkehr erhöht.

Für Schulen werden alle Ausflüge untersagt, Parken vor Schulen wurde verboten.

Das Magazin "Charlie Hebdo" war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in der Kritik gewesen.

"Charlie Hebdo" war eine der wenigen Zeitungen, die die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus der dänischen "Jyllands-Posten" im Jahr 2006 zeigten.

Nach der Veröffentlichung einer "Scharia"-Sonderausgabe mit einem "Chefredakteur Mohammed" ...

... waren bereits im November 2011 die Redaktionsräume in Flammen aufgegangen.

Die Internetseite der Zeitung war zudem mehrfach von Hackern angegriffen worden.

Ihre neueste Ausgabe von diesem Mittwoch widmete die Zeitung dem jüngsten Roman des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq.

Dieser beschreibt in seinem Roman "Soumission" (Unterwerfung) die Machtübernahme durch einen muslimischen Präsidenten in Frankreich im Jahr 2022.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich in einem Telegramm an Hollande erschüttert. Die abscheuliche Tat sei nicht nur ein Angriff auf die Franzosen und die innere Sicherheit Frankreichs.

"Sie stellt auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, der durch nichts zu rechtfertigen ist."

Das Bundesinnenministerium erklärt, es bleibe bei der abstrakt hohen Gefährdungslage durch islamistischen Terror. Hinweise über eine konkrete Gefahr in der Bundesrepublik lägen nicht vor. Für eine Entscheidung über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland sei es noch zu früh.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bezeichnet den Angriff auf die Redaktion als Barbarei, die alle Menschen und Europäer treffe. Er sichert Frankreich die Solidarität der EU-Kommission zu.

Der britische Premierminister David Cameron sagt, sein Land stehe beim Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs. Die USA und Russland verurteilen die Tat ebenfalls scharf.

Auch die französischen Muslimvereinigungen zeigen sich erschüttert. Der französische Rat des muslimischen Glaubens (CFCM) kritisiert im Namen der "Muslime Frankreichs" entschieden den "barbarischen" Akt "gegen Demokratie und Pressefreiheit". Auch die den Muslimbrüdern nahestehende Union der islamischen Organisationen Frankreichs (UOIF) verurteilt den "kriminellen Angriff und diese schrecklichen Morde".

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