Bilderserie
Mittwoch, 22. November 2017

Tennis-Legende feiert Geburtstag: Boris Becker - auf ewig der "17-jährige Leimener"

Bild 1 von 38
Alles beginnt in Wimbledon: Seit dem 7. Juli 1985 ist Boris Becker weltberühmt. (Foto: dpa)

Alles beginnt in Wimbledon: Seit dem 7. Juli 1985 ist Boris Becker weltberühmt.

Alles beginnt in Wimbledon: Seit dem 7. Juli 1985 ist Boris Becker weltberühmt.

Im Südwesten Londons besiegt der erst 17-Jährige den Südafrikaner Kevin Curren im Endspiel des legendärsten Tennisturniers der Welt. Am Ende steht es 6:3, 6:7, 7:6, 6:4.

Nun feiert die Tennis-Legende aus Leimen ihren 50. Geburtstag.

Der Vater von vier Kindern zieht zum 50. - also "der ersten Hälfte des Lebens" - Bilanz: "Wenn ich zurückblicke auf mein Leben - das macht man, glaube ich, zuerst einmal mit 50 als Mann - dann habe ich also mehr richtig als falsch gemacht, dann habe ich Dinge erreicht, die ich nie geträumt habe zu erreichen."

Dabei wird er, wenn es nach Jahren im Rampenlicht ginge, erst 33. Denn Becker selbst bezeichnet den Wimbledon-Triumph von 1985 als seinen zweiten Geburtstag.

Sein einstiger Mentor Ion Tiriac sagt im ARD-Porträt ("Boris Becker - der Spieler") sogar: "Boris Becker wurde nicht in Leimen geboren. Er wurde in London geboren, an diesem Tag. Und ganz Deutschland hat ihn adoptiert."

Tatsächlich aber zählen Lebensjahre. Doch wie er seinen Geburtstag feiern wird, möchte Becker nicht verraten: "Jetzt erinnern Sie mich daran, dass ich älter werde. Das ist ein privates Thema, das ich nicht öffentlich besprechen möchte."

Also zurück zu seinem Leben - und seinem Wirken.

1986 gelingt ihm in Wimbledon die Titelverteidigung - diesmal siegt er im Endspiel gegen den Tschechoslowaken Ivan Lendl.

Gemeinsam mit Steffi Graf prägt Boris Becker in den 80er- und 90er-Jahren eine Tennis-Ära. Die beiden sorgen 1989 gar für einen deutschen Doppelerfolg in Wimbledon.

Ambivalent ist Beckers Verhältnis zu Michael Stich.

Gemeinsam mit ihm gewinnt er 1992 in Barcelona olympisches Gold im Doppel.

Nur ein Jahr zuvor verliert er allerdings sein sechstes Wimbledonfinale gegen den deutschen Konkurrenten.

"Wir sind nicht die besten Freunde, aber auch keine Feinde. Die Rivalität ist da, das ist normal, das ist gesund", resümiert Michael Stich.

Daran hat sich wohl bis heute nichts geändert. Doch beide lieben ihren Sport - und engagieren sich auch nach ihren Karrieren.

1999 endet Beckers herausragende Karriere. Die Bilanz: 49 Turniersiege, sechs Grand-Slam-Titel, Olympiasieger, zwei Davis-Cup-Siege, insgesamt 12 Wochen steht er auf Platz eins der Weltrangliste. Zudem wird er viermal zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt.

Ohne Verletzungen kommt auch Becker nicht durch seine Profizeit. Bänderrisse, Sprunggelenksverletzungen, ...

... ein lädiertes Handgelenk. "Er muss jetzt für seinen Einsatz als Profi bezahlen", sagt sein früherer Trainer und Mentor Günther Bosch. "Seine Spielweise hat seinen Körper sehr in Anspruch genommen."

Seit einigen Jahren hat er eine künstliche Hüfte. In diesem Sommer ließ er sich zudem nochmal am Sprunggelenk operieren: "Das gibt mir definitiv Lebensqualität zurück. Der Eingriff am Sprunggelenk war wichtig, den hätte ich schon vor Jahren machen lassen müssen. Aber die Medizin war noch nicht so weit."

Dem Tennis ist Becker - natürlich - bis heute verbunden. Seit dem Sommer sogar noch enger als zuvor: Er ist "Head of Men's Tennis" im Deutschen Tennis Bund.

Zum Einstand verhindert er mit seinem Team den Abstieg im Davis Cup.

Zudem arbeitet er als TV-Experte für Eurosport und die BBC.

Klingt gradlinig, doch Boris Becker polarisiert - und irritiert.

Einerseits fasziniert "Bobbele" mit seinem mitreißenden Spiel, seinen Hechtrollen am Netz, seinen blutigen Knien ...

... und seiner Rivalität zu seinem US-amerikanischen Gegner John McEnroe.

Er irritiert aber auch mit der Besenkammer-Affäre mit Angela Ermakova, ...

... aus der die uneheliche Tochter Anna hervorgeht, ...

... oder peinlichen TV-Auftritten mit Fliegenklatschen am Kopf.

Seinen Ruf als Tennisfachmann erlangt er als Erfolgscoach des Serben Novak Djokovic zurück. Mit ihm gewinnt er sechs Grand-Slam-Titel, bis ihre Zusammenarbeit im Dezember 2016 endet.

Gerade als es scheint, dass sich die Skandale um die Legende beruhigen, folgt in diesem Sommer der nächste Knall: Ein Londoner Gericht erklärt Becker für pleite.

Darüber hinaus läuft ein Gerichtsverfahren gegen Hans Dieter Cleven. Sein Geschäftspartner behauptet, Becker schulde ihm rund 34,4 Millionen Euro. Das bestreitet der jedoch. "Fakt ist: Momentan schuldet mir Herr Cleven 90.000 Franken Verfahrenskosten vom ersten Prozess. Alles andere ist Humbug", sagt Becker der "Neuen Züricher Zeitung".

Günther Bosch ist im Jahr 1985 Beckers engster Vertrauter. Doch 1987 endet ihr gemeinsamer Weg. Bosch sagt heute: "Kontakt? Das wäre was." Aber auch: "Das Rätsel Boris Becker kann ich nicht lösen. Es ist mir ein Rätsel, was sich alles um ihn herum abspielt."

Seine Skandale belasten zwar seinen Nimbus, doch die Fans kennen ihn noch immer - und lieben "ihren Boris" auch noch immer.

Während er für die Jüngeren eine Legende aus Erzählungen ist, bleibt Becker für viele Ältere "der 17-jährige Leimener". Eine grenzenlose Vereinnahmung, die ausufert.

So sehr ausufert, dass Becker nun im ARD-Film sagt: "Ich war nie euer Boris, noch nie."

Die vielen Jahre im Rampenlicht prägen. Seine Eskapaden - und vor allem seine Privatinsolvenz - sieht Becker aber auch als Chance. Mit 50 Jahren, sagt er, sei er "zum ersten Mal zum Mann geworden".

Was wünscht sich "Bobbele" eigentlich selbst? "Ich habe die unglaubliche Chance, die restlichen Jahrzehnte so zu gestalten, wie ich es gerne hätte."

Na dann herzlichen Glückwunsch, Boris Becker! (ara)

weitere Bilderserien