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Sonntag, 29. Juli 2018

Tops und Flops der Tour 2018: Thomas wird zum Giganten, der Letzte zum Helden

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Die Tops (Foto: AP)

Die Tops

Die Tops

GERAINT THOMAS: Vom Edelhelfer zum Toursieger in drei Wochen.

Bescheiden, beständig und mit beeindruckender Stärke in den Bergen ...

... kürt sich der Waliser erstmals zum Gewinner des Gelben Trikots.

Der 32-Jährige bleibt anders als sein als Titelverteidiger entthronter Teamkapitän Chris Froome fehlerfrei und stellt damit auch die Hierarchie im Team Sky auf den Kopf.

PETER SAGAN: Der Sprintstar ist von der Konkurrenz nicht zu stoppen ...

... und auch nicht von den Schmerzen.

Schwer gezeichnet von einem schweren Sturz in den Pyrenäen leidet der Weltmeister auf dem Weg nach Paris Qualen.

Aber Sagan kämpft sich durch. Der Lohn: Schon zum sechsten Mal gewinnt der Allround-Sprinter das Maillot vert, das Grüne Trikot für den besten Sprinter.

Sechs Mal stand vor ihm nur Erik Zabel in Grün auf dem Podest in Paris. Bis zur alleinigen Bestmarke ist es wohl nur eine Frage der Zeit - Sagan ist schließlich erst 28 Jahre jung.

QUICK-STEP FLOORS: Die Traumtour der Blauen beginnt mit dem Gelben Trikot.

Sprint-Shootingstar Fernando Gaviria, im belgischen Team der legitime Nachfolger Marcel Kittels und der Top-Sprinter der Zukunft, gewinnt den Auftakt in der Vendee und schlüpft für einen Tag ins Maillot jaune.

Zwei Tage später siegt er erneut.

Auch für Quick-Step Floors aktiv: Julian Alaphilippe, zweimaliger Etappensieger und Gewinner des Bergtrikots.

Und da wäre natürlich noch Philippe Gilbert, der harte Hund, der spektakulär stürzt, um dann mit gebrochener Kniescheibe 60 Kilometer ins Ziel zu fahren.

ROUBAIX: Die einen fürchten es, die anderen lieben es - das Kopfsteinpflaster im Norden Frankreichs.

Ob es ins Tour-Programm gehört, wird kontrovers diskutiert.

Für die Zuschauer jedenfalls ist die 9. Etappe nach Roubaix ein Segen.

Mehr Action geht kaum.

Gegen weitere Roubaix-Etappen bei der Tour hätte auch John Degenkolb keine Einwände.

Der Sieger bei der "Königin der Klassiker" feiert seinen ersten Tour-Etappenerfolg.

LAWSON CRADDOCK: Der Toursieger der Herzen. Trotz des letzten Platzes in der Gesamtwertung avanciert der Amerikaner mit dem großen Kämpferherzen zum heimlichen Star der Rundfahrt.

Craddock fährt seit der ersten Etappe mit gebrochener Schulter, ...

... spendet für jede beendete Etappe 100 Dollar - und sammelt über einen Aufruf im Internet weit über 100.000 Dollar für wohltätige Zwecke.

So gar nicht heroisch - die Tour-Flops 2018.

KATUSHA-ALPECIN: Gäbe es das Gelbe Trikot für schlechte Außendarstellung, das Team Katusha-Alpecin hätte es um Längen gewonnen.

Ein Sportlicher Leiter, der seinen Top-Fahrer Marcel Kittel in einem Interview öffentlich bloßstellt.

Ein Team, das in zwei Lager gespalten scheint. Das Bild, das die ambitionierte Equipe mit der stärksten deutschen Fahrerfraktion abgibt, ist schlichtweg desaströs. Ein Umbruch - auch in der Führungsebene - ist alternativlos.

FORMEL-1-START: Gut gemeint, schlecht gemacht: Das vermeintliche Spektakel verkommt zur großen Lachnummer.

Für den "Bergsprint" auf Etappe 18 über 65 Kilometer in den Pyrenäen haben sich die Streckenplaner etwas Besonderes ausgedacht. Die Idee: Die besten 20 der Gesamtwertung reihen sich zu Beginn im Formel-1-Stil in einer Startaufstellung auf.

Das Problem: Das Konzept ist für den Radsport unbrauchbar. Nach wenigen Metern hat das Peloton die gemächlich losradelnden Favoriten eingeholt und die gewohnte Formation angenommen.

RICHIE PORTE: Der Australier muss einem leidtun. Die Tour und Richie Porte - es scheint einfach nicht zu passen. Als Gewinner der Tour de Suisse ist er als größter Herausforderer von Chris Froome ins Rennen gegangen. Im Vorjahr ist er in ähnlich aussichtsreicher Situation auf der 9. Etappe schwer gestürzt.

Und bei der Tour 2018? Sturz auf der 9. Etappe, Schlüsselbeinbruch, Tour-Aus.

Ob Pechvogel Porte im kommenden Jahr mit dann 34 Jahren nochmals ganz vorne mitmischen kann, darf bezweifelt werden.

L'ALPE D'HUEZ: Der Mythos lebt.

L'Alpe d'Huez ist einmal mehr DIE große Radsport-Party der Tour.

Doch nicht jede Feier ist ein wuseliger Spaß. Leider können sich die Gäste zunehmend nicht mehr benehmen, die Grenzen des Tolerierbaren werden überschritten.

Die legendären 21 Kehren ziehen Selbstdarsteller schon immer magisch an.

Wenn Fahrer, seien sie noch so kontrovers, aber beschimpft, bespuckt oder sogar physisch attackiert werden, wenn gewalttätige Zuschauer von Polizisten in Handschellen abeführt werden müssen, verliert L'Alpe d'Huez viel von seinem Charme.

GIANNI MOSCON: Einer fehlt, als Geraint Thomas an der Seite seiner Teamkollegen dem Zielstrich in Paris entgegenfährt. Vermisst wird er nicht: Gianni Moscon.

Für einen Schlag gegen den Franzosen Elie Gesbert (Fortuneo-Samsic) während der 15. Etappe wird der als Hitzkopf berüchtigte Moscon disqualifiziert.

Dass er dadurch den fest eingeplanten Gesamtsieg gefährdet, wird der mächtige Sky-Teamchef David Brailsford nicht verzeihen. (Text: sid)

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