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Montag, 29. August 2011

Vom "Schund" zum Dauerbrenner: Das Micky-Maus-Magazin

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Die Empörung war groß. Als vor über 60 Jahren das erste Micky-Maus-Heft in Deutschland erschien, prophezeite mancher Pädagoge eine sprachliche Verrohung und Verdummung der Jugend. Von der "völligen Verflachung des Verstandes" war die Rede. (Foto: dapd)

Die Empörung war groß. Als vor über 60 Jahren das erste Micky-Maus-Heft in Deutschland erschien, prophezeite mancher Pädagoge eine sprachliche Verrohung und Verdummung der Jugend. Von der "völligen Verflachung des Verstandes" war die Rede.

Die Empörung war groß. Als vor über 60 Jahren das erste Micky-Maus-Heft in Deutschland erschien, prophezeite mancher Pädagoge eine sprachliche Verrohung und Verdummung der Jugend. Von der "völligen Verflachung des Verstandes" war die Rede.

Der Erfolgsstory von Micky Maus, Donald und Co. tat das keinen Abbruch. 1,2 Milliarden Hefte mit ihren Abenteuern wurden inzwischen im deutschsprachigen Raum verkauft. Längst gelten die Comics als Kulturgut, das Literaturwissenschaftler genauso wie Hobby-Donaldisten erforschen.

Und Sammler blättern für eine gut erhaltene Erstausgabe ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Vermögen hin.

Doch am 29. August 1951 war zunächst nicht klar, ob Walt Disneys kleiner Mäuserich - weltweit bereits ein Kinostar - auch bei jungen deutschen Lesern ankommen würde.

Nur knapp die Hälfte der rund 300.000 gedruckten und jeweils 75 Pfennig (rund 38 Cent) teuren Disney-Hefte des Ehapa-Verlages fand zunächst einen Käufer, der Rest wurde teils auf Pausenhöfen verschenkt.

Doch schon bald fieberte mancher Schüler der nächsten Ausgabe des Monatsheftes entgegen. Ein neuer Zeitschriftenrenner war geboren, der ab 1957 wöchentlich erschien.

Zum Jubiläum gab es nun sogar einen Rekord: Im schwäbischen Günzburg wurde das größte Lego-Mosaik der Welt fertiggestellt. Es umfasst eine halbe Million Steine auf knapp 138 Quadratmetern. Rund 35.000 Besucher des Freizeitparks hatten mitgeholfen. Das bisher größte Mosaik maß laut Guinness-Buch der Rekorde 112 Quadratmeter.

Auch wenn das Magazin in der ganzen Welt gezeichnet wird - übersetzt wird in Deutschland (im Bild Chefredakteur Peter Hoepfner). In Berlin entsteht auch der redaktionelle Teil des 52-seitigen Heftes mit Rätseln, Witzen und Beiträgen von Umweltschutz, Kino, Fußball bis Bundestagswahl. Sex, Gewalt, Religion und politische Meinungen sind aber tabu.

Entenhausen-Geschichten erscheinen in 27 Sprachen und 29 Ländern - darunter in China, Russland, Polen, Island und Brasilien. In den USA selbst gibt es allerdings kein Micky-Maus-Heft.

Mit Micky hielten auch Figuren wie Minnie, Pluto, der gutmütige Tollpatsch Goofy oder Schurke Kater Karlo Einzug in die Kinderzimmer. Hinzu kam die Entensippe um Onkel Dagobert, Daniel Düsentrieb und die Panzerknacker.

Und einer lief der pfiffigen und erfolgsverwöhnten Maus schnell den Rang ab: Donald Duck, der cholerische Enterich im Matrosenanzug, der ständig auf den Schnabel fällt und sich doch immer wieder aufrappelt.

Dass schließlich auch Eltern und Pädagogen die Bewohner Entenhausens ins Herz schlossen, ist vor allem Erika Fuchs zu verdanken. Die 2005 gestorbene Übersetzerin und langjährige Chefredakteurin der Zeitschrift verlieh beispielsweise den Storys von Carl Barks (im Bild) einen genialen Wortwitz.

Sie ersann Ausrufe im "Erikativ" wie "ächz", "seufz", "grummel" oder kultverdächtige Sprüche wie "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör".

Gerne versteckte sie in den Sprechblasen auch die eine oder andere literarische Anspielung. "Man kann nicht gebildet genug sein, um Comics zu übersetzen", sagte die Kunsthistorikerin einmal.

Ihre pfiffigen Texte kamen auch bei Kindern an. Martin Söllig weiß noch, wie er die neueste Micky-Maus-Ausgabe verschlang, oft mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Donald Duck lässt ihn bis heute nicht los.

Der 47-Jährige ist gewählter "PräsidEnte" von rund 750 Donaldisten, die der Welt von Entenhausen mit wissenschaftlichen Methoden auf den Grund gehen. Regelmäßig gibt es Kongresse und Vorträge zum Thema.

"Es ist ein bisschen Kindheitserinnerung, ein bisschen Liebe zur Sprache, ein bisschen intellektuelle Spielerei. Und natürlich Freude am Quatschmachen", sagt Söllig (nicht im Bild).

Für Sammler sind die Micky-Maus-Zeitschriften mehr als Forschungsobjekte. "Vor allem die ersten Serien bis etwa Ende der sechziger Jahre sind recht begehrte Sammlerobjekte", sagt Lothar Schneider, Mitbetreiber der Internetplattform Comic-Marktplatz und des deutschen Comicguides im Netz.

Schneider schätzt, dass es von der allerersten Nummer noch rund 1000 Exemplare gibt, wovon jedoch nur etwa eine Handvoll in sehr gutem Zustand sei. Wer auf solch eine Rarität stößt, muss laut Comicguide etwa 6000 Euro dafür ausgeben.

Heute hat es Mickys Zeitschrift nicht mehr ganz so leicht, trotz beigefügter Gimmicks. Computer, TV und eine Vielzahl anderer Kindermagazine buhlen ebenfalls um die Gunst der Kernleserschaft zwischen 6 und 13 Jahren.

Laut Verlag werden von einer einzelnen Wochenausgabe im Schnitt rund 180.000 Hefte im deutschsprachigen Raum verkauft, vor rund 20 Jahren waren es noch etwa 500.000.

Gleichwohl bleibt die Micky-Maus-Zeitschrift hierzulande die erfolgreichste Kinderzeitschrift. Und auch mancher Erwachsener hält ihr die Treue. Medienpsychologe Jo Groebel glaubt, dass Micky, Donald und Co. uns noch lange begleiten werden.

"Weil sie uns direkt ins Herz gehen", sagt Gröbel. Die pfiffige Micky Maus (hier mit Schöpfer Walt Disney), Pechvogel Donald, der fiese Kater Karlo - das seien Figuren des normalen Lebens. "Und wir finden uns in ihnen wieder." (Text: mli/dpa/AFP)

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