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Dienstag, 06. Februar 2018

100. Todestag von Gustav Klimt: Ein Kuss erobert die Welt

Von Katja Sembritzki

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An was denken Sie als Erstes bei dem Namen Gustav Klimt? (Foto: REUTERS)

An was denken Sie als Erstes bei dem Namen Gustav Klimt?

An was denken Sie als Erstes bei dem Namen Gustav Klimt?

Sicher nicht sofort an eines seiner vielen Naturbilder, ...

... sondern an sinnliche Frauendarstellungen, ...

... formvollendete Ornamente ...

... und ganz, ganz viel Gold.

Besonders ein Motiv hat es der Kitsch-Industrie angetan. Es befindet sich auf Tassen, ...

... auf Schirmen, ...

... in Schneekugeln ...

... und selbst an Stellen, an denen man es nicht unbedingt erwartet hätte: ...

... "Der Kuss" ist das wohl berühmteste und beliebteste Bild des vor 100 Jahren gestorbenen Malers, der behauptete: "Alle Kunst ist erotisch."

Klimt, am 14. Juli 1862 in Wien geboren, gilt als einer der bedeutendsten Jugendstil-Künstler des Fin de siècle ...

... und war Mitbegründer und erster Präsident der Wiener Secession, einer Gruppe von Künstlern, ...

... die den traditionellen, historistischen Kunststil ablehnte und neue Wege beschritt.

Regelmäßig stellten die Secessionisten ihre Werke aus. Klimts Arbeiten - egal, ob es sich um Aquarelle für den Zuschauerraum des alten Wiener Burgtheaters oder Porträts handelte - stießen auf breite Zustimmung. Aber nicht allen gefiel, was sie zu sehen bekamen.

So waren Klimts für damalige Zeiten obszöne Darstellungen des weiblichen Körpers nicht unumstritten. Der Beethovenfries, eine Hommage an die 9. Symphonie des Komponisten und für die 14. Secessionsausstellung angefertigt, rief geteilte Reaktionen hervor.

Besonders die sogenannten Fakultätsbilder "Jurisprudenz", "Medizin" und "Philosophie", Auftragswerke der Universität Wien, erregten die Gemüter einiger Zeitgenossen und brachten Klimt den Vorwurf der Pornografie ein. (im Bild: eine Reproduktion der Bilder, die Originale wurden 1945 verbrannt)

Nachdem die Ausstellung der Entwürfe (hier: "Medizin") einen Skandal provozierte, sah Klimt sich gezwungen, von dem Auftrag zurückzutreten.

Er entschied sich für seine künstlerische Freiheit und beschloss, nie wieder einen Auftrag aus öffentlicher Hand anzunehmen. Im selben Jahr trat er auch aus der Secession aus, da ihm die Ausrichtung der Gruppe zu naturalistisch geworden war.

Beide Entscheidungen waren für Klimts weitere Karriere alles andere als ein Drama. Denn jetzt begann sie: seine Goldene Phase, aus der die bekanntesten Bilder stammen und die ihn schon zu Lebzeiten so berühmt machte, dass er es sich bald leisten konnte, nur noch Aufträge anzunehmen, die ihm Spaß bereiteten. Um welche Motive es sich dabei vorrangig handelte, ...

... darüber besteht kein Zweifel. "Das Weib ist mein Hauptwerk", stellte Klimt lakonisch fest.

Und das gilt im Übrigen nicht nur für die Goldene Phase. Denn trotz einiger Nörgler begeisterte sich vor allem das aufstrebende Wiener Bürgertum für die Erotik seiner Werke. Unzählige Damen saßen ihm Porträt. Und vielleicht auch etwas mehr als das. Da Klimt mindestens 14 Kinder gezeugt haben soll, erscheint die eine oder andere intime Beziehung zu seinen Modellen nicht ganz abwegig.

Geheiratet hat Klimt allerdings nie. Er lebte mit seiner Mutter zusammen, bis zu deren Tod. Auf Musen hat er deswegen aber nicht verzichten.

So wird ihm eine enge Beziehung zu Alma Mahler-Werfel nachgesagt, der wohl bekanntesten Muse zahlreicher namhafter Künstler und berühmtesten Femme fatale der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Eine ständige Begleiterin wurde ihm die Modeschöpferin Emilie Flöge. (Szenenfoto aus dem Film "Klimt" mit Veronica Ferres als Flöge und John Malkovich in der Titelrolle)

Auch sie hat er mehrfach porträtiert.

Angeblich soll er sich und die Flöge auch auf seinem bekanntesten Bild verewigt haben.

Ein ebenfalls berühmtes Gemälde sorgte um die Jahrtausendwende für großes mediales Aufsehen: "Adele Bloch-Bauer I". Die sogenannte "Goldene Adele" ...

... und vier weitere Bilder, darunter auch "Adele Bloch Bauer II", aus dem Besitz der Familie Bloch-Bauer waren 1941 bei dem Kunstraubzug der Nationalsozialisten, wie Tausende andere Bilder, gestohlen worden.

Das Land Österreich hatte die Bilder nach dem Krieg einbehalten und lehnte eine Rückgabe an die Erben aufgrund unklarer testamentarischer Verfügungen zuerst ab. Erst nach sechsjährigem Rechtsstreit musste sich Wien 2006 von dem Bild trennen ...

... und Maria Altmann, die Nichte der von Klimt Porträtierten, konnte die ihr zustehenden Bilder in Empfang nehmen.

Altmann verkaufte die "Goldene Adele" anschließend für die Rekordsumme von 135 Millionen US-Dollar. Das Bild gehört damit zu den am teuersten verkauften Gemälden weltweit.

Aber so viele Frauen Klimt auch gemalt hat: Er lässt sich nicht auf die Darstellung des Weiblichen reduzieren. Neben den mit Blattgold überzogenen Bildern gibt es auch düstere, fast beängstigende Darstellungen, ...

... Gemälde, die Klimt-untypisch durchgehend in dunklen Farben gehalten sind, ...

... und Landschaftsbetrachtungen, ...

... die vor allem am Attersee entstanden, ...

... wo Klimt sich gerne zusammen mit Flöge während der Sommerzeit aufhielt, zum Beispiel in der Villa Paulick. (im Bild: der Rote Salon)

Nur eines sucht man unter seinen Bildern vergeblich: ein Selbstporträt (hier stand Egon Schiele an der Staffelei).

"Wer etwas über mich wissen will, soll meine Bilder aufmerksam betrachten, daraus erkennen zu suchen, was ich bin und will". Auch das eine Rarität: Zitate, in denen er sich über seine Kunst äußert. Der Grund: ...

... Erstens war Klimt schreibfaul, wie er selbst zu Papier brachte: Schon wenn er einen einfachen Brief schreiben müsse, werde ihm "angst und bang wie vor drohender Seekrankheit".

Zweitens soll seine Geliebte Flöge, nachdem Klimt am 6. Februar 1918 an den Folgen eines Schlaganfalles gestorben war, waschkörbeweise Briefe und andere schriftliche Dokumente verbrannt haben. (Grabmal auf dem Hietzinger Friedhof in Wien)

Vielleicht muss man zu diesen Motiven aber auch gar nichts mehr sagen. Denn sie sprechen für sich.

Sie haben ihren Siegeszug um die Welt schon zu Lebzeiten des Künstlers angetreten und erobern noch immer die Herzen der Menschen - und die Merchandising-Shops. ...

... Besonders eins.

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