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Mittwoch, 27. April 2016

Whitewashing wird zum Aufreger: Hollywood in der Rassismus-Falle

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Das japanische Manga-Franchise "Ghost in the Shell" bekommt ein Hollywood-Makeover – und Fans des Genres sind alles andere als begeistert. Der Grund? (Foto: imago stock&people)

Das japanische Manga-Franchise "Ghost in the Shell" bekommt ein Hollywood-Makeover – und Fans des Genres sind alles andere als begeistert. Der Grund?

Das japanische Manga-Franchise "Ghost in the Shell" bekommt ein Hollywood-Makeover – und Fans des Genres sind alles andere als begeistert. Der Grund?

Die Hauptrolle spielt Scarlett Johansson. Mit blondem Haar und blauen Augen könnte sie optisch kaum weiter entfernt von der Originalheldin sein - auch wenn sie in Filmen wie "Lucy" (Foto) oder "Avengers" bereits eindrücklich bewiesen hat, dass sie kämpfen kann.

Zwar veröffentlichte das Filmstudio Paramount ein Foto, das Johansson mit kurzem, schwarzen Bob zeigt, so richtig glaubhaft will die Chose jedoch nicht wirken.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Hollywoods Filmemacher dazu entschließen, eine nicht-weiße Rolle an einen wesentlich weißeren Schauspieler zu vergeben. Whitewashing nennt sich das und bedeutet übersetzt, dass Figuren quasi weißgewaschen werden.

"Gods Of Egypt" spielt etwa in einem - wenn auch fiktiven - alten Ägypten. Gerard Butler sieht als Gott Set schon nicht besonders nordafrikanisch aus, der Däne Nikolaj Coster-Waldau spielt Gott Horus und führt die Casting-Entscheidung ad absurdum.

Für eine Menge Wirbel sorgte jüngst auch die Entscheidung, Emma Stone als Allison Ng in "Aloha - Die Chance auf Glück" zu besetzen. Ursprünglich war die Rolle als zu einem Viertel chinesisch und zu einem Viertel hawaiianisch angelegt . Was Kritiker jedoch vernachlässigten, war, dass auch im ersten Skriptentwurf, bereits beschrieben war, dass Allison rotblonde Haare hat und gerade deswegen das Bedürfnis empfindet, auf ihre Herkunft aufmerksam zu machen.

Ärger bekam auch Johnny Depp für seine Performance als "Lone Ranger". Der Film illustriert recht anschaulich, dass ein bisschen Schminke und Federn noch lange keinen Native American machen. Die stereotype Inszenierung von Depps Charakter "Tonto" verärgerte einige Zuschauer besonders.

Mit der Entscheidung, Tilda Swinton als Ancient One in "Dr. Strange" zu besetzen, gingen ebenfalls nicht alle Fans d'accord. Auch hier hat die Comic-Vorlage asiatische Wurzeln. Allerdings ist die auch als Mann angelegt. Indem die Macher eine Frau für die Rolle engagierten, bewiesen sie also dennoch eine gewisse Fortschrittlichkeit.

Bereits vor einiger Zeit bekam Jake Gyllenhaal eins auf den Deckel. Dass der "Prince of Persia" weder adelige noch persische Wurzeln aufzuweisen hat, ist bekannt. Auch den Cast-Kollegen fehlte es nach Meinung vieler Kritiker an iranischen, nahöstlichen oder immerhin muslimischen Wurzeln.

Dass sie für Whitewashing angefeindet werden würde, damit hat Rooney Mara vermutlich nicht gerechnet, als sie sich dazu entschied, eine Heldin ihrer Kindheit zu verkörpern. Im Peter-Pan-Reboot "Pan" mimt sie Tiger Lily, Tochter eines Häuptlings amerikanischer Ureinwohner.

Mit seinen Versuchen, seine Casting-Entscheidung zu rechtfertigen, machte Regisseur Joe Wright alles noch schlimmer. Er habe sich eine "internationale und gemischtrassige Welt" vorgestellt - komisch nur, dass bei der Umsetzung alle weißen Charaktere weiß blieben.

Ein besonders skurriles Beispiel für Whitewashing liefert bereits der Film "Stuck". Die Hauptrolle spielt Mena Suvari und ihre Cornrows sollen wohl daran erinnern, dass die Geschichte auf der einer Afroamerikanerin basiert.

Viel Futter für Kritik an Fehlbesetzungen mit weißen Schauspielern liefern übrigens Bibelfilme. "Exodus: Götter und Könige" mit Christian Bale, ...

... "Noah" mit Russel Crowe - genau, gleich zweimal auf der Liste - und ...

... "Die Passion Christi" mit Jim Caviezel müssen sich alle vorwerfen lassen, in den wesentlichen Rollen keine Schauspieler mit Wurzeln im Nahen Osten besetzt zu haben. Wobei das natürlich zur christlichen Ikonografie passt.

"Exodus"-Regisseur Ridley Scott sprach in dem Zusammenhang wenigstens einmal Tacheles: "Ich kann keinen so teuren Film organisieren, bei dem ich etwa auf Steuervergünstigungen in Spanien angewiesen bin und sagen, mein Hauptdarsteller ist Mohammed so-und-so aus da-und-da. Ich werde das einfach nicht finanziert bekommen." (ame)

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