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Dienstag, 19. Dezember 2017

So cool waren die 90er: Mit Diddl und Bumbum zurück in die Vergangenheit

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Aktuell ist sie wieder hoch im Kurs und von keinem Teenager-Hals wegzudenken: die Tattoo-Kette. Dabei stammt der elastische Luftröhrenabschneider eigentlich aus einem anderen Zeitalter. (Foto: Jan Ott)

Aktuell ist sie wieder hoch im Kurs und von keinem Teenager-Hals wegzudenken: die Tattoo-Kette. Dabei stammt der elastische Luftröhrenabschneider eigentlich aus einem anderen Zeitalter.

Aktuell ist sie wieder hoch im Kurs und von keinem Teenager-Hals wegzudenken: die Tattoo-Kette. Dabei stammt der elastische Luftröhrenabschneider eigentlich aus einem anderen Zeitalter.

In den 90er-Jahren war modisch so einiges erlaubt. Man trug die geschlechtsneutrale Baggy-Pants so tief wie möglich und gab den Blick auf die Unterhose frei. Im Bestfall wurde sie gerade noch so von einem stufenlosen Clipgürtel an der Hüfte gehalten und stammte aus dem Hause Carhartt oder Ecko Unltd.

Wer mit der tiefsitzenden Baggy nicht mehr über den Zaun springen konnte, wechselte auf die sportliche "Schnellfickerhose". Diese bestach durch ihre knöpfbaren Beine, die ihr den charakteristischen Namen einbrachten. Die Hose musste damals von Adidas sein und wurde auch abseits des Sportplatzes gerne getragen.

Nicht jeder Modetrend aus den 90ern verschwand ebenso schnell, wie er kam. Bunte Leggings aus verschiedenen Stoffen und mit diversen Mustern sind auch heute noch angesagt, im Gegensatz zur kleinen Schwester Radlerhose. Damals trug man die Leggings mit langen T-Shirts und elastischem Taillengürtel, heute darf das Oberteil deutlich kürzer sein - obwohl ...

... der Trend des unbedeckten Bauchnabels auch aus dem Jahrzehnt zwischen 1990 und 2000 stammt. Stars wie Britney Spears stellten ihre entblößte Körpermitte zur Schau, Tausende Mädchen machten es nach - und nahmen trotz elterlichen Protests Nierenentzündungen in Kauf. Ob geknotet, abgeschnitten oder kurz gekauft: Von Hip Hop über Grunge bis zu Techno - in jeder kulturellen Szene war bauchfrei schick.

Ebenso zeitlos sind auch Schuhe der Marke Dr. Martens. Die "Docs" waren der Inbegriff der Rebellion und wurden von Punks und Alternative Kids sowie Britpoppern getragen. Ursprünglich waren die Stiefel in ihrer heutigen Form aber in 1960er-Jahren als Arbeitsschuhe entwickelt worden. Erst später wurden sie durch The-Who-Sänger Pete Townsend Teil einer kulturellen Bewegung.

Wer mit seinen Dr. Martens und dem baufreien Top noch hipper aussehen wollte, kam nicht um Schnapparmbänder herum. Diese waren mit wilden Mustern bedruckt und wurden später auch gerne als Werbeträger genutzt. Steif gerollt schlugen sich Jugendliche die Bänder auf die Handgelenke, bis diese rot anschwollen. Der Zeitvertreib in langweiligen Unterrichtsstunden wurde irgendwann aus deutschen Klassenzimmern verbannt. Heutzutage sind die Armbänder noch an Radfahrerbeinen zu bestaunen.

So richtig cool war derjenige, der möglichst viele Produkte der Marke Diddl besaß. Sticker und Briefpapiere mit der weißen Maus ließen sich gut mit Freunden tauschen und wunderbar sammeln. Stundenlang wurde im Unterricht der Diddl-Schriftzug geübt und jeden Abend kam der Nager mit der Latzhose mit ins Bett. Wenn die Neunziger ein Maskottchen gehabt hätten, wäre es die Diddl-Maus gewesen.

Ein echter Schulklassiker war auch der Scout-Ranzen. Kaum ein Kind der 90er kam ohne den berühmten Buchträger zur Schule. Er war mit Raketen, Delfinen, Pferden oder sonstigen Mustern bedruckt und wurde im Teenager-Alter abgelöst durch ...

... den 4You-Tornister. Die vielen Fächer des Rucksacks boten viele Möglichkeiten für Milchpäckchen und zermatschte Bananen, über die Sommerferien gänzlich unentdeckt zu bleiben. Ein Fach stand irgendwie permanent offen und die Schnallen klapperten so schön beim Laufen. Wer Scout und 4You entwachsen war, ...

... hatte eigentlich nur noch eine Sehnsucht: einen Eastpak zu besitzen. Besonders tief und auf nur einer Schulter getragen hat der Eastpak den Grundstein für heutige Rückenbeschwerden gelegt. Mit Mercedes-Sternen, Schriftzügen, Aufnähern oder einer Sammlung an Dosenverschlüssen wurde der Eastpak zum persönlichen Begleiter. Laut Garantie sollte er ein Leben lang halten - oder zumindest bis zum Ende des Hypes.

Den Eastpak lässig in den Kniekehlen hängend begab man sich auf sein Snakeboard. Wer sich beim Fahren weder die Beine verknotete noch auf dem Hintern landete, kam mit dem Board auf Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern in der Stunde. Durchgesetzt haben sich die Snakeboards allerdings nie und richtige Tricks konnte der normale Boarder damit auch nicht machen.

Ein echtes Trendteil ist dafür die G-Shock-Uhr von Casio. Stoppuhr, Wecker, Weltzeit, Countdown, Datum: All das bot die Armbanduhr. Wer sich gerade auf Expedition in Alaska oder auf Tauchgang in der Tiefsee befand, profitierte außerdem von der Beleuchtungsfunktion. Der leicht muffige Geruch, der sich nach zehn Minuten Tragezeit einstellte, machte echten 90er-Abenteurern auch nur wenig aus. Noch modischer war nur der kleine Bruder Baby-G in Rosa, Hellblau oder Gelb.

Zur Erholung von der letzten Expedition gönnte man sich einen Zitronentee aus Pulver angerührt - und zwar am besten täglich und jederzeit. Die Teekrümel ließen sich praktischerweise in jede Flasche füllen und brauchten nur mit Wasser übergossen zu werden. Heiß und kalt ein Genuss und ein echter Zahnschmelztöter.

Zahntechnisch waren auch Fritt-Kaubonbons keine Verbesserung, aber das Teilen, Reißen und Rollen machte so viel Spaß. Außerdem enthielt jede Packung Sticker von Comic-Kater Garfield, der Montage hasst, Lasagne liebt und den ganzen Tag am liebsten nichts tut.

Süß trifft sauer: Mit Center-Shock-Kaugummis konnte man nicht nur Unwissende veräppeln, sondern auch Wettkämpfe auf dem Schulhof veranstalten. Wer die meisten der extrem sauren Kaugummis mit süßem Kern essen konnte, war der König oder die Königin der Pause.

Geschmacklich an Kaugummi erinnerte auch der Freibadklassiker Bumbum-Eis. Die Zuckerhülle färbte Zunge und Lippen kirschrot und wer sich durch den süßen Kern aus weißem Eis gegessen hatte, stieß irgendwann auf den Stiel, in dem sich ein Kaugummi versteckte. Halb gefroren und mit anklebenden Papierresten konnte der Genuss eines Bumbums dank des Kaugummis etwa zehn Sekunden länger anhalten. Benannt wurde das Eis übrigens nach Tennisikone Boris Becker und auch die Form ist einem Tennisschläger nachempfunden.

Wenn man vom Freibad genug hatte, machte man es sich zu Hause gemütlich - bei einem gepflegten DVD-Abend. Die CD-ähnliche Scheibe kam Ende der 90er auf und löste die Videokassette ab. Damit hatten endlose Spulvorgänge ein Ende, aber auch das Aufnehmen der Lieblingssendung gestaltete sich schwieriger. Zudem hatten Leih-DVDs ständig Kratzer, was das Filmvergnügen ins Stolpern brachte.

Apropos CD: Der Besitzer der aktuellen "Bravo Hits"-CD war besonders begehrt auf der nächsten Schulparty. Ab 1992 erschienen die Sammlungen mit der angesagtesten Musik. Wer den "Bravo Hits" entwachsen war, belächelte die meist jungen Käufer der Samples und stieg auf richtige Alben seiner Lieblingskünstler um. Etwa alle drei Jahre investierte der Durchschnittsjugendliche in eine "Bravo Hits"-CD. Echte Nostalgiker sollten sich auch das 100. Album, das 2018 erscheint, nicht entgehen lassen. Und wo konnte man "Bravo Hits" am besten hören?

Auf einem Discman. Er löste in den 90ern den Walkman aus den 80ern ab und machte es endlich möglich, seine Lieblingsmusik überall und jederzeit zu hören - ohne dabei Kassetten zurückspulen zu müssen. Eine Revolution war er allerdings nicht im Vergleich zu seinem Vorgänger, denn der Discmann war nicht nur deutlich größer als der Walkman, sondern benötigte mit passenden CDs auch viel mehr Platz in Rucksack oder Bauchtasche. Außerdem fraß er reichlich Batterieenergie.

Liebhaber voller Bässe griffen zur Boombox. Die sah nicht nur cool aus, sondern konnte sowohl CDs als auch gute alte Kassetten abspielen. Auf der Schulter getragen konnte die Boombox unter dem Einsatz von zehn großen Batterien für kurze Zeit die gesamte Nachbarschaft beschallen. Mit dem RV-DP200 "Kaboom" landete JVC damals einen echten Kassenschlager. Noch erfolgreicher waren allerdings ...

... "Die Siedler von Catan". Das Brettspiel gehörte neben "Monopoly" und "Mensch ärgere dich nicht" zur Standardausrüstung in beinahe jedem deutschen Haushalt. Ökonomie, Strategie und Kooperation waren hier gefragt. Für Zahntechniker Klaus Teuber aus Darmstadt war die Erfindung der "Siedler" ein Griff in die Goldgrube: Das Spiel wurde in rund 30 Sprachen übersetzt und mehr als 25 Millionen Mal verkauft.

Noch mehr Klassiker eines vergangenen Jahrzehnts gibt es in dem Buch "Wir Kinder der 90er" zu sehen. Es ist bei Goldmann erschienen und kostet 12 Euro. (Text: Lisa Schwesig)

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