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Mittwoch, 11. Juli 2012

Zwangsräumungen in Zeiten der Krise : Hunderttausende Spanier verlieren ihr Zuhause

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Es sind alltägliche Bilder. (Foto: REUTERS)

Es sind alltägliche Bilder.

Es sind alltägliche Bilder.

Bilder des Elends in einem Land, das von einer Wirtschaftskrise kaum gekannten Ausmaßes heimgesucht wird.

Spanien im Jahr 2012.

Fast jeder Vierte ist arbeitslos, bei Spaniern unter 25 Jahren ist es sogar fast jeder zweite - ein Rekord innerhalb der Eurozone.

Viele Sparpolster sind aufgebraucht.

Das Land ächzt unter dem schlimmsten Wirtschaftseinbruch in den letzten Jahrzehnten.

Die Banken stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen mit Milliardenhilfen der EU gerettet werden.

Die Auswirkungen sind katastrophal.

Eine der wenigen Branchen, die noch boomt, scheint die der Schuldeneintreiber zu sein.

Wie Bestatter kommen einige von ihnen daher, gekleidet in schwarzem Frack und Hut.

Wenn sie an der Haustür klingeln, ist klar: Wieder einmal kann jemand seine Schulden nicht bezahlen.

Besonders schlimm trifft es Hunderttausende von Immobilienbesitzern.

Die Zahl der Zwangsversteigerungen schnellt seit Beginn der Krise Ende 2007 in die Höhe.

300.000 Verfahren laufen derzeit, ...

... 150.000 Wohnungen mussten bereits geräumt werden.

Rund 200 Zwangsräumungen gibt es täglich in Spanien.

Allein in Madrid sind es rund 100 pro Woche, schätzt die PAH, eine Plattform für Betroffene des Hypothekengeschäfts.

Gelockt von den Versprechungen der Banken und Immobilienfirmen wollten sich in den vergangenen Jahren unzählige Spanier den Traum vom Eigenheim erfüllen.

Statt Miete zu zahlen, so die Idee, wäre es doch viel lohnender, eine Wohnung abzubezahlen.

Auch wer über kein oder nur wenig Eigenkapital verfügte, bekam von den Banken leicht einen Kredit.

Zunächst ging die Rechnung auf, ...

... doch dann kam die Krise.

Inzwischen sind es 1,2 Millionen Familien, in denen keiner einem regulären Job nachgeht.

Oft wird es nun schon eng, wenn nur einer in der Familie den Job verliert.

Für die Hypothekenzinsen und die Tilgung des Kredits bleibt dann nicht mehr genug übrig.

Zumal in Spanien Hypotheken teils mit flexiblen Zinsen vergeben werden.

Vielfach sind auch die von Zwangsräumungen betroffen, die wie der 74-jährige Vicente Torres für Verwandte bürgten.

Torres' Sohn wurde vor einem Jahr zwangsgeräumt und kann die nach wie vor bestehenden Raten nicht bedienen - nun muss der Vater haften.

Da die Immobilienpreise inzwischen in den Keller gerauscht sind und mehr als 3,4 Millionen Wohnungen leer stehen, ...

... gibt es auch nicht mehr die Möglichkeit, Häuser und Wohnungen gewinnbringend zu verkaufen.

Stattdessen bleiben die meisten Spanier nach der Zwangsräumung auf einem Haufen Schulden sitzen.

Für eine Wohnung, in der sie nicht mehr wohnen können.

Wer Glück hat, kommt bei Freunden oder Verwandten unter.

Andere stehen von heute auf morgen auf der Straße.

Etliche der Verzweifelten greifen inzwischen zur Eigeninitiative ...

... und besetzen kurzerhand leer stehende Neubauten.

Dabei weicht das Bild der Hausbesetzer vom gängigen Klischee ab.

Viele sind Renter und Arbeitssuchende, ...

... die in ihrer Not nicht weiter wissen.

Und wen scheren besetzte Wohnungen, ...

... wenn ganze Häuserblocks leer stehen?

Strom zwacken die Hausbesetzer ab, ...

... irgendwie kommen sie über die Runden, obwohl die staatlichen Hilfen dürftig sind.

Mittlerweile wächst der Widerstand gegen die Zwangsräumungen.

Es gibt Demonstrationen, ...

... Vertreter von Hilfsorganisationen und Nachbarn versuchen dabei zu sein, ...

... wenn wieder einmal Polizisten, Anwälte und Schlosser anrücken.

Sie ketten sich vor Wohnungen fest, ...

... schütten Eimer mit Wasser auf die Polizisten.

Bisweilen führt der öffentliche Druck auch zum Erfolg:

Dann kommt es zu neuen Verhandlungen mit den Banken, die doch selber dringend Geld braucht.

Zeigt diese sich gnädig, gibt es eine Gnadenfrist.

Dann können Zwangsenteignete wie die Brüder Luciano und Ivan Chancusig noch einmal aufatmen und ihre Möbel zurückstellen.

Oft ist es nur eine kurze Atempause.

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