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Mittwoch, 12. September 2018

Gründung vor 60 Jahren: Von der Lufthansa der DDR zur Interflug

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Gegründet 1958, geschlossen 1991 und acht Jahre lang als Deutsche Lufthansa geflogen: Die Interflug, wie sich die Fluggesellschaft der DDR später nannte, ... (Bild von 1969) (Foto: imago/Frank Sorge)

Gegründet 1958, geschlossen 1991 und acht Jahre lang als Deutsche Lufthansa geflogen: Die Interflug, wie sich die Fluggesellschaft der DDR später nannte, ... (Bild von 1969)

Gegründet 1958, geschlossen 1991 und acht Jahre lang als Deutsche Lufthansa geflogen: Die Interflug, wie sich die Fluggesellschaft der DDR später nannte, ... (Bild von 1969)

... ist ein besonderes Kapitel deutscher Luftverkehrsgeschichte. Genau genommen ...

... wurde die Interflug alias DDR-Lufthansa mehrmals gegründet. Im September 1958 wurde das Unternehmen als Bedarfs-Fluggesellschaft ins Leben gerufen; ... (Bild von 1962)

... sie übernahm im September 1963 alle Rechte und Pflichten der ehemaligen Deutschen Lufthansa der DDR.

Zur Interflug gehörten auch die Agrar- und Düngeflieger, ...

... der Industrie- und Bildflug, ...

... alle Flughäfen und die Flugsicherung. (im Bild: Flughafen Leipzig)

Offiziell wurde die Namensänderung so dargestellt: "Zur Rationalisierung des Luftverkehrs der DDR und um die Kapazitäten der zivilen Luftfahrt in einem einheitlichen Luftverkehrsunternehmen zusammenzufassen", habe die Lufthansa der DDR ihren Betrieb eingestellt. Es war aber etwas anders.

Die Lufthansa West hatte in langwierigen internationalen Prozessen ihre Rechtsauffassung, allein diesen Namen führen zu dürfen, durchgesetzt. Der DDR blieb nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren, wenn sie international operieren wollte. Vor dem Obersten Wirtschaftsgericht Serbiens wurde 1963 der teure juristische Streit endgültig beendet.

Am 1. Juli 1955 wurde die erste Betriebsleitung des Unternehmens eingesetzt. Arthur Pieck, der Sohn des ersten Staatspräsidenten der DDR, Wilhelm Pieck (hier beide 1946), war Hauptdirektor. Seitdem gilt der 1. Juli als eigentlicher Gründungstag der DDR-Lufthansa.

Ende Juli landete eine Iljuschin IL-14P mit einer sowjetischen Besatzung in Berlin-Schönefeld. Die DDR hatte ihr erstes Verkehrsflugzeug. Diese "DDR-ABA" brachte eine DDR-Regierungsdelegation mit Ministerpräsident Otto Grotewohl am 16. September 1955 nach Moskau - mit sowjetischen Piloten. (Bild: IL-14 auf dem Gelände der Luftfahrthistorischen Sammlung in Finow, Brandenburg)

Ab 1957 übernahmen deutsche Piloten, die zumeist in Uljanowsk an der Wolga (im Bild) ausgebildet worden waren, das Kommando in den DDR-Flugzeugen.

In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt im Streckennetz auf Verbindungen in sozialistische Länder, später ging es auch ins westliche Ausland und auf andere Kontinente. Geflogen wurde zuerst mit IL-14, Aero Ae-45 ...

... und Antonow An-2 (im Bild: An-2, die 1957 von der ostdeutschen Lufthansa in Dienst gestellt worden war, im Jahr 2002 über dem Strand von Durban, vor ihrem Einsatz als fliegende Safari-Sänfte in Botswana), ...

... ab 1960 auch mit IL-18.

Die IL-18 wurde innereuropäisch eingesetzt, aber auch nach Nahost, Afrika und Asien. (im Bild: Barkas-Transporter aus der DDR als Expeditionsfahrzeug neben einer IL-18 der Interflug auf dem Flughafen Freetown in Sierra Leone, 1971)

Von 1966 bis 1975 wurden auch Antonow An-24 eingesetzt. (Bild: An-24 der Cubana im Jahr 2003)

Ab 1968 wurde die Tupolew TU-134 eingeführt, ein zweistrahliges Kurz- und Mittelstreckenflugzeug. Sie flog innereuropäisch, in den Nahen Osten und nach Nordafrika.

Langstrecken bediente die Interflug dann ab 1970 mit der Einführung der vierstrahligen Iljuschin IL-62, ...

... unter anderem nach Kuba und Vietnam.

1982/83 kaufte die Interflug sechs L-410UVP, die sie zur Luftbild-Erstellung nutzte. Teilweise wurden sie auch zu VIP-Flugzeugen umgerüstet und als Zubringer zur Leipziger Messe eingesetzt. Auch als Sanitätsflugzeuge im In- und Ausland kamen die L-410 zum Einsatz. (im Bild: L-410 der Spirit Airlines im Jahr 1999)

Auch für sogenannte Solidaritätsflüge wurde die Interflug eingesetzt: Hier treffen 1979 verwundete Kämpfer der sandinistischen Befreiungsfront aus Nicaragua, die zur medizinischen Behandlung in Krankenhäuser der DDR kamen, mit einer Sondermaschine in Berlin ein.

In den Jahren 1985/86 kam die Interflug ins DDR-Fernsehen: Die TV-Serie "Treffpunkt Flughafen" entstand. (Bild: MI8- Hubschrauber der Interflug bei Dreharbeiten)

Auch schwere Unfälle erlebte die Interflug, etwa 1972 und 1989 (im Bild): ...

... Im August 1972 stürzte eine IL-62 auf dem Weg nach Bulgarien bei Königs Wusterhausen ab, alle 156 Menschen an Bord starben. Ein Grabstein mit den Namen der Opfer steht auf dem Friedhof in Wildau.

Im Juni 1989 rollte eine IL-62 beim Start wegen eines blockierten Höhenruders über die Startbahn hinaus, prallte auf Hindernisse und fing Feuer.

20 der 133 Insassen und eine Person am Boden kamen ums Leben.

Ein Paukenschlag in puncto Flugzeugflotte folgte 1989 mit drei (geleasten) Airbus A 310. Die Interflug hatte sich, ...

... da die unwirtschaftlichen, emissionsstarken und lauten sowjetischen Jets zu hohe Betriebskosten verursachten, dazu durchgerungen, trotz heftigen Widerstands der Sowjetunion moderne westliche Flugzeuge anzuschaffen.

Schützenhilfe leistete dabei der langjährige Airbus-Aufsichtsratsvorsitzende Franz Josef Strauß (hier 1987 mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker). Strauß jubelte: "Wir schreiben eine neues Kapitel Luftfahrtgeschichte." Erstmals ...

... hatte eine östliche Airline West-Flugzeuge bestellt. Rund 420 Millionen DM musste die devisenarme DDR hinblättern, damit sie - mithilfe von zwei extra für die Interflug in die A310 installierten Zusatztanks - vor allem nach Havanna, Peking und Singapur nonstop fliegen konnte.

Alle drei A310 landeten später bei der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums.

Im Oktober 1990 - ein halbes Jahr vor ihrer Schließung und dem letzten Flug einer Tupolew TU-134A von Berlin-Schönefeld nach Wien am 30. April 1991 mit Flugkapitän Klaus Petzold (im Bild) - gehörten der Interflug ...

... 19 Tupolew TU-134A, ...

... 7 Iljuschin Il-18 ...

... 9 Iljuschin Il-62M ...

... und 3 Airbus A310-304.

Das Ende der Interflug nach dem Mauerfall wird bis heute sehr unterschiedlich beurteilt. Alle Pläne zur Weiterführung scheiterten. (Bild: Transporthubschrauber der Interflug an einem Wohnhaus in der Karl-Marx-Allee in Berlin, 1988)

Am 7. Februar 1991 beschloss die Treuhandanstalt die Liquidation der Interflug und verkündete am Tag darauf das Auslaufen des Geschäftsbetriebes.

81 Tage später - am 30. April 1991 - endete dann der Flugbetrieb der DDR-Airline.

Viele Piloten und Flugbegleiter fanden später neue Jobs bei verschiedenen europäischen Airlines, aber auch bei den stark expandierenden arabischen und fernöstlichen Fluggesellschaften. (Bild: Interflug-Crew im April 1989 in Frankfurt am Main)

Etwa 1000 der zuletzt gut 7000 Interflug-Mitarbeiter wurden durch die Lufthansa übernommen, davon 450 in der Technik. (abe/dpa)

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