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Dienstag, 07. August 2018

Von Anlagenbau bis Umwelttechnik: Was Chinesen in Deutschland alles gekauft haben

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Wenn es um deutsches Know-how geht, nehmen chinesische Investoren immer größere Schlücke aus der Pulle. Im Fokus der übernahmedurstigen Chinesen: Maschinen- und Anlagenbauer, Autozulieferer und Umwelttechnik. Denn in diesen Branchen gilt Deutschland weltweit als führend. (Foto: REUTERS)

Wenn es um deutsches Know-how geht, nehmen chinesische Investoren immer größere Schlücke aus der Pulle. Im Fokus der übernahmedurstigen Chinesen: Maschinen- und Anlagenbauer, Autozulieferer und Umwelttechnik. Denn in diesen Branchen gilt Deutschland weltweit als führend.

Wenn es um deutsches Know-how geht, nehmen chinesische Investoren immer größere Schlücke aus der Pulle. Im Fokus der übernahmedurstigen Chinesen: Maschinen- und Anlagenbauer, Autozulieferer und Umwelttechnik. Denn in diesen Branchen gilt Deutschland weltweit als führend.

Zunächst kommen Bieter aus dem Reich der Mitte nur zum Zuge, wenn sich sonst kein Käufer findet. Ihr Interesse gilt vor allem mittelständischen Unternehmen. Nach und nach wagen sie sich aber auch an Großkonzerne heran.

Der erste aufsehenerregende Verkauf eines deutschen Unternehmens nach China ist der schwäbische Betonpumpenhersteller Putzmeister. Der Baumaschinen-Konzern Sany zahlt 2012 rund 360 Millionen Euro für das Familienunternehmen aus Aichtal bei Stuttgart.

Als Firmengründer Karl Schlecht Putzmeister zum Verkauf stellt, melden sich gleich fünf Bieter aus China. Wenig später greift die chinesische XCMG beim Konkurrenten Schwing zu.

Im Sommer 2012 nehmen die Eigentümer des Gabelstapler-Herstellers Kion die chinesische Weichai Power als Miteigentümer an Bord. Mehr als 700 Millionen Euro ist den Asiaten die Übernahme von 25 Prozent des Unternehmens wert.

Nach dem Börsengang von Kion stocken die Chinesen in mehreren Schritten auf. Mittlerweile kommen sie auf 43 Prozent. Ihr Aktienpaket ist heute knapp vier Milliarden Euro wert.

2012 gibt es bereits erste Berührungen mit Dax-Unternehmen: Thyssenkrupp verkauft seine Sparte "Tailored Blanks", die Platinen aus Stahlblech für die Automobilindustrie herstellt, an Wuhan Iron and Steel (Wisco). Über den Kaufpreis wird Stillschweigen vereinbart.

Ein paar Jahre später sorgt die Osram Licht AG für Schlagzeilen. Sie lagert ihr traditionelles Lampengeschäft aus. Im Juli 2016 geht die eigenständige Ledvance an den Start. Wenige Tage später heißt es: die Firma wird verkauft - an chinesische Investoren.

Knapp ein Jahr später gehört das Osram-Lampengeschäft einem chinesischen Konsortium aus dem strategischen Investor IDG, dem LED-Hersteller MLS und dem Finanzinvestor Yiwu. Kaufpreis: rund 500 Millionen Euro. Ein Deal mit Licht und Schatten: Seit der Übernahme macht Ledvance vor allem mit Stellenstreichungen von sich reden.

2016 wird Krauss-Maffei übernommen. Der kanadische Finanzinvestor Onex verkauft das Münchener Traditionsunternehmen für 925 Millionen Euro an die staatliche chinesische National Chemical Corporation (ChemChina). Krauss-Maffei ist nicht mit dem Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann zu verwechseln. Der Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Verarbeitung von Kunststoff und Gummi hat mit dem gleichnamigen Rüstungskonzern lediglich gemeinsame Wurzeln.

2016 wird zum großen Übernahmejahr: Chinesische Unternehmen in Deutschland geben rund 13 Milliarden Dollar aus - ein Rekordwert. Im Jahr zuvor waren es noch lediglich 900 Millionen Dollar gewesen. Über 50 Prozent werden in den wichtigsten deutschen Branchen investiert: in Industrieausrüster und Maschinenbauer.

Ebenfalls 2016 übernimmt China Three Gorges den Offshore-Windpark "Meerwind" nördlich von Helgoland. Der weltweit größte Wasserkraftproduzent kauft der US-Beteiligungsfirma Blackstone ihre 80 Prozent an der Betreibergesellschaft Wind MW ab.

Der Wert des Deals wird auf etwa 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

Für 1,4 Milliarden Euro kauft die chinesische Holding Beijing Enterprises Anfang desselben Jahres den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt.

Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. Milliarden-Deals sind von da an keine Seltenheit mehr.

Im Sommer 2016 übernimmt der chinesische Midea-Konzern für 4,5 Milliarden Euro rund 95 Prozent am Augsburger Roboterbauer Kuka. Diese Übernahme schreckt die Politik auf.

Der Mega-Deal schürt Befürchtungen, dass strategisch wichtige Technologie an ausländische Konkurrenz verkauft wird. Das Aushängeschild deutscher Robotertechnik verspricht aber mit Midea umgekehrt einen Türöffner für den Riesenmarkt China zu haben. Die Belegschaft steht hinter dem Deal. Nachdem sich die Chinesen die Mehrheit der Aktien gesichert haben, fliegt Kuka aus dem MDax raus.

Mit der Zeit werden die Brocken, nach denen die Chinesen schmachten, größer. Auch vor der ersten Börsen-Liga machen sie nicht Halt. 2017 steigt das Konglomerat HNA bei der Deutschen Bank ein. Zeitweise hält der chinesische Großaktionär fast zehn Prozent. Insgesamt 3,5 Milliarden Euro steckt er in das Institut.

Inzwischen hat HNA seine über den Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat gehaltene Beteiligung wieder reduziert. Auch ein Komplettausstieg ist nicht ausgeschlossen. Der Konzern ist ein gigantischer Sanierungsfall. Von einem Schuldenberg von mindestens 90 Milliarden Dollar ist die Rede.

Kein Unternehmen in Asien muss mehr für Zinsen aufbringen als HNA, allein fünf Milliarden Dollar waren es im vergangenen Jahr.

Ebenfalls 2017 geht der Essener Heizungs- und Wasserableser Ista für rund fünf Milliarden Euro an zwei Unternehmen des chinesischen Milliardärs Li Ka-shing. Es ist die mit Abstand teuerste Übernahme in Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt.

Li ist Mehrheitsaktionär des Mischkonzerns Hutchison Whampoa. Mit einem geschätzten Vermögen von 30 Milliarden Dollar führt ihn das Wirtschaftsmagazin "Forbes" auf Platz 19 der reichsten und Platz 33 der mächtigsten Menschen der Welt. In Deutschland ist er mit 40 Prozent übrigens auch an der Drogeriemarktkette Rossmann beteiligt.

Übertroffen wird die Übernahme von Ista nur noch von dem umstrittenen Einstieg des chinesischen Autokonzerns Geely bei Daimler. Schätzungsweise 7,5 Milliarden Euro lässt der Investor im April 2018 für knapp zehn Prozent an dem Stuttgarter Autobauer springen.

Die Chinesen sind damit der größte Anteilseigner von Daimler. Geely ist kein Unbekannter. Dem Konzern gehört bereits die schwedische Marke Volvo Cars.

Die Einkaufstour der chinesischen Konzerne hat einen Grund: Die Regierung will bis zum 100. Geburtstag der Gründung der Volksrepublik im Jahr 2049 zur weltweit führenden Industrienation aufsteigen.

Die Bundesregierung ist deshalb in Habachtstellung, sie will künftig nicht mehr tatenlos zusehen. Ein bedeutsames Signal hat Berlin bereits gesetzt.

Der Versuch des chinesischen Staatskonzerns State Grid Corporation of China (SGCC) beim ostdeutschen Stromnetz-Betreiber 50Hertz einzusteigen, schmettert die Bundesregierung ab. Auf Betreiben von Wirtschaftsminister Peter Altmaier steigt stattdessen die Staatsbank KfW bei 50Hertz ein.

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