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Freitag, 27. April 2018

Milliardenschwere Großprojekte: Wie die ILA Flugzeugbauer beflügelt

Von Martin Morcinek

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Alle zwei Jahre steigt Deutschland zum Mittelpunkt der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie auf: Die ILA lädt zum großen Branchentreffen nach Berlin-Schönefeld. (Foto: imago/ZUMA Press)

Alle zwei Jahre steigt Deutschland zum Mittelpunkt der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie auf: Die ILA lädt zum großen Branchentreffen nach Berlin-Schönefeld.

Alle zwei Jahre steigt Deutschland zum Mittelpunkt der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie auf: Die ILA lädt zum großen Branchentreffen nach Berlin-Schönefeld.

Im Südosten der deutschen Hauptstadt verwandelt sich eine öde Brache am Rand des künftigen Großflughafens BER für fünf Tage in einen pulsierenden Basar für fliegende Gerätschaften aller Art.

Die Internationalen Luftfahrtausstellung ILA gilt als Tor zum europäischen Markt, gelegen inmitten der stärksten Wirtschaftsmacht der Eurozone.

Kein Flugzeugbauer, der etwas im europäischen Markt verkaufen will, kommt um die ILA herum.

Zugleich zählt die "Berlin Air Show" für Zulieferer, Startups und Ausrüster der europäischen Luftfahrtindustrie zu den wichtigsten Technologiemessen überhaupt.

Eröffnet wird die ILA von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die beiden Veranstalter - der Bundesverband der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und die Messe Berlin - erwarten in diesem Jahr rund 150.000 Besucher.

Partnerland ist diesmal Frankreich. Während der Messe werden gleich mehrere richtungsweisende Partnerschaften verkündet.

"Wir beschaffen gemeinsam Luftfahrzeuge, wir bilden gemeinsame Staffeln, wir führen gemeinsame Auslandsmissionen durch", sagt Merkel zum Auftakt der Luftfahrtmesse mit Blick auf die Partnerschaft mit Frankreich.

"Daher ist es nur konsequent, wenn wir auch Ausbildung und Betrieb gemeinsam gestalten." Die französisch-deutsche Partnerschaft beflügele immer auch die europäische Kooperation, fügt die Kanzlerin hinzu.

"So erfüllen wir auch die Idee der europäischen Verteidigungsunion mehr und mehr mit Leben."

Der heimliche Stargast der ILA kommt in diesem Jahr jedoch aus den USA: Der Rüstungskonzern Lockheed Martin bewirbt sich mit dem Tarnkappenjet F-35A um die Nachfolge für die alternden Militärflieger in Europa.

In Deutschland etwa könnten die futuristischen US-Jets die betagten Tornado-Jagdbomber (im Bild) ablösen - zum Stückpreis von bis zu 100 Millionen Dollar. Das Berliner Verteidigungsministerium hat einen entsprechenden Auftrag ausgeschrieben.

Die US-Amerikaner sind interessiert: Im Direktflug von Phoenix, Arizona bis Schönefeld reisen extra zwei F-35 zur ILA an. Der logistische Aufwand ist enorm.

Die beiden Piloten sind in ihren einsitzigen Maschinen gut elf Stunden unterwegs. Die Überführung ist minutiös geplant.

Um keine Risiken beim Flug über Grönland und den Nordatlantik einzugehen, müssen die Jets während des Flugs mehrfach betankt werden.

Der Einsatz könnte sich lohnen: Lockheed-Martin-Manager Jack Crisler hat in Europa bereits die Briten, Norweger und Italiener auf der Kundenliste stehen. Für ihn und die Europäer stehen Milliardensummen auf dem Spiel.

Lockheed Martin ist jedoch nicht der einzige Bewerber.

Die Eurofighter GmbH, an der Airbus beteiligt ist, schickt eine überarbeitete Version des "Typhoon" ins Rennen.

Hier - und bei der geplanten deutsch-französischen Zusammenarbeit beim Eurofighter-Nachfolger EFCAS - geht es nicht nur um rein militärische Überlegungen, ...

... sondern auch um Industriepolitik, Steuergeld und europäische Arbeitsplätze.

Die Suche nach einem Ersatz für die insgesamt mehr als 90 deutschen Tornados ist für die Flugzeugbauer bei der ILA jedoch nur eines von gleich mehreren größeren Filetstücken der Branche.

Um wichtige Kapazitätslücken im taktischen Lufttransport zu schließen, planen Deutschland und Frankreich zum Beispiel auch die Anschaffung von zusätzlichen Militärtransportern.

Hersteller Lockheed Martin hat das passende Modell, die C-130J "Super Hercules" zur ILA gleich mitgebracht.

Die C-130 ist größer und stärker als die uralten Transall der Bundeswehr, kann aber auch auf unbefestigten Pisten landen.

In einer ganz anderen Kategorie bewegt sich die Antonow An-225 "Mirja".

Der bis zu 640 Tonnen schwere Riesenfrachter ist das größte und gewichtigste Cargo-Flugzeug der Welt.

Von der Maschine gibt es nur ein einziges Exemplar - das auf der ILA auch von Innen besichtigt werden kann.

Kein anderes Flugzeug besitzt einen ähnlich geräumigen Frachtraum.

Ersatzreifen führt die ukrainische Crew der Antonow stets mit - ebenso wie die tonnenschwere Schubstange, mit der sich der Gigant am Boden in Parkposition bringen lässt.

Bei der Verlegung von militärischem Großgerät oder ganzen Industrieanlagen spielt die An-225 weltweit eine tragende Rolle.

Selbst die vierstrahlige C-17 "Globemaster" von Boeing wirkt im Vergleich kompakt und gedrungen.

Größter Einzelaussteller der ILA ist allerdings die Bundeswehr: ...

Die Luftwaffe ist auf der ILA mit einer eigenen kleinen Streitmacht vertreten.

Die deutsche Luftflotte soll weiter wachsen: ...

... Im Wettbewerb um einen milliardenschweren Auftrag zur Lieferung eines schweren Transporthubschraubers will Rheinmetall gemeinsam mit der Lockheed-Tochter Sikorsky mitmischen.

Sikorsky will den für das US-Marine Corps entwickelten CH-53K "King Stallion" an die Luftwaffe verkaufen.

Gemeinsam wollen Frankreich und Deutschland auch einen neuen Seefernaufklärer anschaffen.

Den japanischen Flugzeugbauer Kawasaki hat das dazu verleitet, ...

... den passenden Patrouillenjet P1 zur Flugvorführung nach Berlin zu entsenden.

Verkaufserfolge bei den vielen internationalen Delegationen erhofft sich auch Airbus mit seinen verschiedenen zivilen und militärischen Vorzeigeprodukten.

Höhepunkte des Flugprogramms sind wohl die Formationsflüge der spanischen Kunstflugstaffel ...

... und die erstaunlichen leisen und agilen Flugmanöver der A350.

Bei den ausgestellten Maschinen am Boden dürfte es wohl bei der C-Series von Bombardier und bei der A380 von Emirates längere Schlangen geben.

Der Airbus-Großkunde feiert mit dem 100. Riesenjet in der Emirates-Flotte den 100. Jahrestag des Staatsgründers Scheich Zayed bin Sultan al Nahyan.

Bewegung gibt es auf der ILA unterdessen auf dem Gebiet der Aufklärungs- und Überwachungsdrohnen.

Zusammen mit ihrer Kollegin aus Frankreich, Florence Parly (l.), vereinbart Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine vertiefte militärische Zusammenarbeit.

"Wir wünschen uns ein freies, demokratisches, ein stabiles Europa, ein starkes Europa, das seine Menschen und seine Werte schützen kann", sagt sie. "In einer unsicherer werdenden Welt ist es deshalb auch wichtig, dass wir gemeinsam Vorsorge treffen."

Passend dazu lassen sich die beiden Ministerinnen vor einem lebensgroßen Modell des unbemannten Fluggeräts EuroMALE ablichten. Das Gemeinschaftsprojekt von Dassault, Leonardo und Airbus soll die Grundlage für die lang erwartete Eurodrohne bilden.

Nach den beiden Fachbesuchertagen öffnet sich die ILA dann für das breite Publikum.

Bei bestem Frühlingswetter strömen Flugzeugfans aufs Messegelände, um dort die ausgestellten Maschinen aus der Nähe anzuschauen.

Für das Wochenende haben sich die Messeveranstalter besondere Höhepunkte aufgehoben: Auf dem Flugfeld in Berlin sind gleich vier verschiedene Giganten der Lüfte nebeneinander zu besichtigen.

Die Lufthansa etwa fliegt mit der derzeit längsten Passagiermaschine der Welt zur ILA ein: Die Boeing 747-8 mit Namen "Brandenburg" ist ein paar Meter länger als der A380 - und trägt die neuen Firmenfarben der größten deutschen Airline.

Aus dem Werksbetrieb bei Airbus legt ein speziell umgebauter Großraumfrachter vom Typ "Beluga" einen Zwischenstopp auf der ILA ein.

Der dritte Gigant im Bunde der Flugzeugriesen ist die A380, vor der sich an den Publikumstagen lange Schlangen bilden: Hunderte wollen die Gelegenheit nutzen, einen Blick ins Innere des doppelstöckigen Passagierflugzeugs zu werfen.

Das größte und schwerste Flugzeug der Welt bleibt jedoch der Schwerlasttransporter Antonow An-225.

"Diese ILA war die 'best ILA ever'", schwärmt BDLI-Chef Volker Thum, der ...

... als Hauptgeschäftsführer des Verbands des deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie für die Ausrichtung der "ältesten Luft- und Raumfahrtausstellung der Welt" verantwortlich zeichnet.

"Wir haben die Zukunft unserer Branche in die Gegenwart geholt", sagt BDLI-Chef Thum, "und damit die einzigartige Faszination der Produkte unserer Industrie erlebbar gemacht."

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