Panorama

Blutbad an Grundschule in Connecticut 20-jähriger tötet 26 Menschen

Der Schock und die Trauer sitzen tief.

(Foto: Reuters)

Entsetzen in den USA: Ein Mann schießt an einer Grundschule in Connecticut um sich und tötet 20 kleine Kinder, 6 Schulbedienstete und offenbar schließlich auch sich selbst. US-Präsident Obama zeigt sich erschüttert und ordnet Trauerbeflaggung an.

Der Schauplatz des Geschehens: Die Sandy Hook School in Newtown.

Schauplatz des grausigen Geschehens: die Sandy Hook School in Newtown im US-Bundesstaat Conneticut.

(Foto: AP)

Bei einem Amoklauf in einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut sind 27 Menschen ums Leben gekommen, darunter 20 Kinder und 6 Schulbedienstete. Auch der Amokschütze,  Adam L. , ist tot. Er war 20 Jahre alt. Weitere Einzelheiten zur Person wurden nicht genannt.

Der Fernsehsender CNN berichtete, auch die Mutter des Täters, Nancy L., sei getötet worden. Sie habe als Lehrerin an der Schule in Newtown gearbeitet. Ihre Leiche sei allerdings in ihrer Wohnung in Newtown gefunden worden. Weiter hieß es, alle drei Waffen des Amokläufers - ein halbautomatisches Sturmgewehr sowie zwei Pistolen - seien auf den Namen der Mutter registriert.

Tatmotiv unklar

Der ältere Bruder des mutmaßlichen Täters, Ryan L., werde derzeit von der Polizei verhört. Die Motive der Bluttat seien noch immer völlig unklar.

Die Polizei gab mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen zunächst keine Einzelheiten des Tatablaufs bekannt. Das Blutbad habe sich in zwei Räumen abgespielt, sagte Paul Vance von der Staatspolizei in Connecticut lediglich. Nach seinen Angaben waren 18 der Kinder auf der Stelle tot, zwei starben später im Krankenhaus. Die Schüler an der Elementary School sind bis zu zehn Jahre alt, die jüngsten im Kindergartenalter.

Mindestens hundert Schüsse

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Eine Polizistin bringt Kinder in Sicherheit.

(Foto: Reuters)

Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass der Schütze geübt im Umgang mit Waffen war. Er soll nach Augenzeugenberichten mindestens 100 Schüsse abgegeben haben. Unklar ist noch, ob der Schütze von der Polizei getötet wurde oder ob er sich selbst umbrachte. Wie die Polizei bestätigte, hatte er alle Waffen legal besorgt. Er galt nicht als polizeibekannt.Berichte über einen zweiten Schützen blieben unbestätigt.

"Es war einfach der Horror", berichtete die Mutter einer  Drittklässlerin, die zur Sandy Hook Elementary School in der Stadt Newtown geeilt war. Sie berichtete von blutüberströmten Kindern, die aus dem Schulgebäude gekommen seien. "Alle waren hysterisch und in Panik." Eltern nahmen weinende Kinder in die Arme. 

Obama sichtlich bewegt

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Präsident Obama rang mit den Tränen.

(Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama forderte nach der Tat Konsequenzen. "Wir haben in den vergangenen Jahren zu viele dieser Tragödien durchgemacht", sagte Obama stockend und mit den Tränen kämpfend. "Wir müssen zusammenkommen und bedeutsam handeln, um mehr Tragödien wie diese zu verhindern - ohne Rücksicht auf Parteipolitik." Der Präsident, selbst Vater von zwei Töchtern im Teenageralter, zeigte sich über das "abscheuliche" Verbrechen schockiert.

"Die Mehrheit derjenigen, die heute gestorben sind, waren Kinder, wunderschöne kleine Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren", sagte Obama. "Sie hatten ihr ganzes Leben noch vor sich - Geburtstage, Schulabschlüsse, Hochzeiten, eigene Kinder." Obama musste seine Erklärung im Weißen Haus mehrfach unterbrechen, atmete schwer durch und wischte sich Tränen aus den Augen. Obama ordnete an, die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden der USA auf Halbmast zu setzen.

Beschauliche Gegend

Die Grundschule "Sandy Hook" mit rund 700 Schülern liegt mitten in einer bewaldeten Gegend im beschaulichen 30 000-Einwohner Städtchen Newtown in Connecticut. Sie soll gerade erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingeführt haben. Die Kinder in der Schule sind bis zu zehn Jahre alt, die jüngsten sind im Kindergartenalter.

Newtown ist fast 300 Jahre alt und gilt als äußerst pittoresk mit Antiquitätenläden und gepflegten Häusern. Die Strände des Atlantik und beliebte Urlaubsregionen wie Cape Cod oder Long Island sind nicht weit. Viele Bewohner pendeln entweder in die rund 120 Kilometer entfernt gelegene Millionenmetropole New York oder in die rund 40 Kilometer entfernte Stadt New Haven, wo unter anderem die Elite-Universität Yale tausende Menschen beschäftigt.

Schärfere Waffengesetze gefordert

Wenige Stunden nach dem Vorfall demonstrierten in Washington Waffengegner. Etwa 100 Menschen versammelten sich vor dem Weißen Haus und forderten schärfere Waffengesetze. Sie veranstalteten auch eine Mahnwache.

Kritiker meinen immer wieder, die laxen Waffengesetze seien eine entscheidende Ursache für häufige Massaker in den USA. Die Waffenlobby gilt aber als politisch sehr mächtig. Auch das Oberste Gericht hat das Recht auf das Tragen von Waffen ausdrücklich bestätigt.

Immer wieder Amokläufe an Schulen

In den USA kommt es immer wieder zu Schießereien an Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen. So töteten zwei Jugendliche im April 1999 an der Columbine High School in der Stadt Littleton zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Anschließend nahmen sich die beiden Täter das Leben. Im vergangenen Juli tötete ein maskierter Schütze in der Nähe von Denver 12 Kinobesucher und verletzte 58 weitere Menschen.

Quelle: ntv.de, ghö/tle/dpa/AFP/rts