Dramatischer Rettungseinsatz21 Angler geraten auf Eisscholle in Lebensgefahr

Mehr als 20 Männer wollen auf einer Eisfläche in Kanada angeln. Was sie nicht bemerken: Das riesige Stück Eis, auf dem sie sitzen, treibt vom Festland ab. Plötzlich wird der Angelausflug zu einer Frage von Leben und Tod.
Beim Eisfischen in Kanada haben 21 Angler einen größeren Rettungseinsatz ausgelöst. Sie befanden sich am Sonntag in Owen Sound im kanadischen Bundesstaat Ontario auf einer Eisscholle, die sich von den Fischfängern unbemerkt vom Festland löste und abtrieb. Einer der 21 Betroffenen, Kevin Fox, berichtet auf Facebook von dem Vorfall, den er so zuvor noch nicht erlebt habe. "Vor ein paar Stunden habe ich erwachsene Männer gesehen, die beim Abschied von ihren Familien geweint haben, weil sie dachten, sie würden auf dem Eis sterben", schreibt Fox.
Derweil begann dieser Tag auf dem Eis unspektakulär: Fox schildert, dass er mit einigen Bekannten im Westen der Bucht angelte. Doch "irgendetwas daran gefiel uns einfach nicht", weshalb die Gruppe auf die Suche nach einem geeigneteren Ort ging. Auf der Ostseite der Bucht entdeckten sie eine Eisscholle, die vom Wind an das Ufer gedrückt zu werden schien. "Wir gingen hinaus, bohrten Löcher und begannen wie an jedem normalen Tag mit dem Angeln." Ein fataler Fehler, wie sich herausstellte.
Denn nach einiger Zeit bemerkte Fox "etwas Seltsames", wie der 43-Jährige seine Freunde auf Facebook im Nachgang wissen lässt. Seine Geräte hatten angezeigt, dass sich der Angler bewegen würde. "Das ergab keinen Sinn", dachte er sich zu diesem Zeitpunkt. Doch kurz darauf bestätigte sein GPS-Empfänger die Angaben der anderen technischen Gerätschaften. "Da wurde mir klar, was los war", schreibt der Hobbyangler. "Das Eis war gebrochen und wir trieben hinaus in die Georgian Bay."
Fox informierte seine Begleiter. "Alle versammelten sich, um einen Plan auszuarbeiten", berichtet Fox. "Wir haben uns als Gruppe zusammengesetzt und gesagt, dass dies das Ende sein könnte", sagt Alfie How der "Owen Sound Sun Times".
Männer fallen ins Wasser und treiben davon
Drei Männer gingen schließlich los, um am Rand der Eisfläche zu schauen, ob sie noch mit dem Land verbunden war. Doch Fehlanzeige. Die Eisscholle trieb wohl schon zu lange. Das Ufer sei nicht mehr zu erreichen gewesen. Die drei Angler "blieben auf einem kleinen Stück Eis stecken" und stürzten schließlich ins kalte Wasser. Aufgrund starker Wellen seien sie abgetrieben. "Da wurde uns die Realität der Situation wirklich bewusst", schreibt Fox.
Die Eisfischer riefen sofort den Notruf, allerdings konnte den Davongetriebenen nicht sofort geholfen werden. "Wir hörten, dass sie bei Windgeschwindigkeiten von 80 Kilometern pro Stunde kein Boot oder Hubschrauber schicken konnten. Wir dachten ehrlich gesagt, wir wären verloren", so Fox auf Facebook. How berichtet in der Lokalzeitung, dass die Eisfläche zu dieser Zeit immer kleiner wurde. Daraufhin riefen einige der Männer ihre Familien an, dabei flossen offen Tränen. "Das werde ich nie vergessen", schreibt Fox.
Nach einiger Zeit, der Angel-Youtuber Fox schreibt nicht, wie viele Minuten oder Stunden genau vergangen waren, hörten die Angler die Rotorengeräusche eines Hubschraubers. Damit flogen Rettungskräfte zuerst die drei nassen und unterkühlten Männer ans Ufer. Anschließend begannen die weiteren Rettungsflüge in Dreiergruppen. Bohrer, Boote und weitere Ausrüstung mussten die Angler zurücklassen. "Nichts davon spielt eine Rolle. Denn alle 21 von uns waren noch am Leben."
Die Polizei nutzt diesen Vorfall, um einmal mehr eindringlich zu warnen. "Wir appellieren dringend an die Menschen hier in unserer Gegend, das Eis komplett zu meiden. Halten Sie sich von den Ufern der Gewässer fern", sagt Craig Soldan von der Provinzpolizei des Huron County zur Nachrichtenagentur Canadian Press. "Das umfasst Flüsse, Teiche - alle Arten von Gewässern, in denen es Eisschollen gibt, die abbrechen können. Kein Eis ist sicheres Eis."