Panorama

Verdacht im Fall Maddie22 Fragen an Kate McCann

07.09.2007, 09:26 Uhr

Nach einer dramatischen Wende im Fall der seit vier Monaten vermissten Madeleine gilt nun die Mutter des kleinen Mädchens als Verdächtige.

Nach einer dramatischen Wende im Fall der seit vier Monaten vermissten Madeleine gilt nun die Mutter des kleinen Mädchens als Verdächtige. Indizien deuteten darauf hin, dass Kate McCann mit dem Verschwinden ihrer Tochter etwas zu tun haben könnte, berichteten portugiesische Medien am Freitag. Die Polizei gehe davon aus, dass die Vierjährige tot sei.

Die Mutter sei in einer neuen fünfstündigen Vernehmung offiziell als Verdächtige eingestuft worden, hieß es weiter. Im Anschluss wurde die 39-Jährige auf freien Fuß gesetzt. Auch ihr Mann, Gerry McCann (ebenfalls 39), musste am Abend erneut bei der Kriminalpolizei in Portimo an der Algarve-Küste aussagen. Das britische Ärzte-Ehepaar wurde damit erstmals separat befragt.

"Kate weiß, dass es nun sogar möglich ist, dass sie festgenommen wird", sagte Justine McGuinness, Sprecherin von Madeleines Eltern, Reportern in Portimo. In unbestätigten portugiesischen Berichten hieß es sogar, eine Anklage werde vorbereitet. Bislang gab es nur einen offiziellen Verdächtigen in dem Fall: einen 33-jährigen Briten, der in der Nähe des Ferienappartements wohnt, aus dem Madeleine am 3. Mai verschwunden war.

"Marathonverhör"

Madeleines Mutter war bereits am Donnerstag einem "Marathonverhör" unterzogen worden. Es dauerte elf Stunden und endete erst in der Nacht zum Freitag. In den Befragungen sei es um mindestens 22 konkrete Fragen gegangen, sagte der Sprecher der McCann-Familie, David Hughes. Die Natur dieser Fragen mache es nach portugiesischem Recht erforderlich, die Mutter als Verdächtige einzustufen.

Gegenstand der Vernehmung war nach Angaben der britischen Agentur PA auch die Entdeckung von Blutspuren in einem Mietwagen, den die McCanns benutzt hatten. Dieses Blut stamme möglicherweise ebenso von dem Mädchen wie Blutspuren in der Ferienwohnung der McCanns. Eine Familiensprecherin nannte dies "völlig unsinnig" und verwies darauf, dass die McCanns den Wagen drei Wochen nach dem Verschwinden der Tochter angemietet hatten.

Verdacht ist "irrsinnig"

Gerry McCann betonte vor seiner Vernehmung, seine Frau sei ebenso wie er völlig unschuldig. "Wir werden dies bis zum Ende durchkämpfen", schrieb Madeleines Vater auf der Website der Familie. Seine Frau zu verdächtigen, sei "irrsinnig". Die Eltern würden weiter nach Madeleine suchen.

Die Einstufung von Kate McCann als "Arguida" (Verdächtige) bedeutet nach portugiesischem Recht nicht, dass eine Anklage folgen muss. Sie kann nun unter anderem die Aussage verweigern und erweiterten Rechtsbeistand in Anspruch nehmen.

Kate McCann sei "völlig geschockt und überrascht, aber sie ist ruhig und gefasst", sagte ein Freund der Familie der BBC. Verwandte und Freunde sprachen Madeleines Eltern ihr rückhaltloses Vertrauen aus. Der Gedanke, die beiden Ärzte könnten ihrer Tochter ein Leid zugefügt haben, sei "irrsinnig", erklärte der Großonkel von Madeleine, Brian Kennedy, im Namen der Familie.

Beruhigungsmittel überdosiert?

In Londoner Zeitungen wurde am Freitag erneut über mögliche Verdachtsmomente der Polizei gegen die Eltern von Madeleine spekuliert. So will die Boulevardzeitung "Sun" erfahren haben, dass Ermittler auch der Vermutung nachgehen, die beiden Ärzte hätten ihrer Tochter versehentlich eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht und sie dadurch unabsichtlich getötet.

Nach dem Verschwinden Madeleines aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve-Küste hatten ihre Eltern eine beispiellose Suchaktion gestartet. Sie reisten durch mehrere europäische Großstädte, um über die Medien immer wieder zur Suche nach ihrer Tochter aufzurufen.

Bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom berichteten sie am 30. Mai Papst Benedikt XVI. von ihrem Schicksal. Britische Prominente wie Fußballer David Beckham oder die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling schalteten sich ebenfalls ein und spendeten viel Geld für die öffentliche Suche. Für Hinweise zu Madeleines Schicksal wurde eine Belohnung von 3,7 Millionen Euro ausgesetzt.

Fall Madeleine McCann