Panorama

Opferzahl steigt weiter Afghanistan-Beben erschüttert Zentralasien

144384e57d6a91c7263be081d1ae4981.jpg

Beben im Nordosten Afghanistans: Die Erdstöße richteten Zerstörungen und Schäden in einem riesigen Gebiet rund um den Hindukusch an.

(Foto: REUTERS)

Das Epizentrum liegt im unzugänglichen Nordosten Afghanistans, doch die Erschütterungen des schweren Bebens sind in großen Teilen der Region spürbar. Selbst in Indiens Hauptstadt Neu Delhi fürchten die Menschen um ihr Leben.

Bei einem Erdbeben der Stärke 7,5 sind in Afghanistan und Pakistan nach vorläufigen Behördenangaben mindestens 160 Menschen ums Leben gekommen. Das Zentrum des Bebens lag nahe der afghanischen Stadt Dschurm in der nordöstlichen Hindukusch-Region. Der Erdstoß war auch in Kabul, Islamabad und Neu Delhi zu spüren.

Die pakistanischen Behörden nannten die Zahl von 118 Todesopfern, während in Afghanistan bereits 31 Todesopfer bestätigt wurden. Mehr als tausend Menschen wurden verletzt, allein in Afghanistan gab es mehr als 1500 zerstörte oder beschädigte Häuser. Die US-Erdbebenwarte USGS registrierte ein Nachbeben der Stärke 4,8. Selbst an Messstationen in Deutschland konnten die Erdstöße registriert werden. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) verzeichnete das Ereignis an Erdbebenstationen in Deutschland aus einer Entfernungen von mehr als 5000 Kilometern.

In der gesamten Region rund um den Hindukusch kamen Menschen zu Tode. In der nordafghanischen Kleinstadt Talukan starben zum Beispiel zwölf Schülerinnen, als sie kurz nach Beginn des Bebens bei einer ausbrechenden Massenpanik überrannt wurden. In Pakistan zählten die Behörden acht Kinder unter den Opfern des Bebens. Ein Arzt berichtete, mehr als hundert Menschen seien in Peshawar verletzt worden. "Viele weitere Verletzte werden in Krankenhäuser gebracht, viele liegen noch unter Trümmern", sagte der Arzt.

Die Erde bebte eine Minute lang

Das Zentrum soll in 200 Kilometern Tiefe gelegen haben. Augenzeugen in Pakistan berichteten von schweren Schäden. Das Bebenzentrum lag nach USGS-Angaben nahe der afghanischen Stadt Dschurm in der nordöstlichen Hindukusch-Region in einer Tiefe von 213,5 Kilometern. Mindestens eine Minute lang bebte die Erde. Der Erdstoß war im 250 Kilometer entfernten Kabul zu spüren. Auch in der rund 1000 Kilometer entfernten indischen Hauptstadt Neu-Delhi wankten Gebäude. Hunderte Menschen flüchteten dort aus den Häusern ins Freie. Auch in Islamabad in Pakistan war das Beben zu spüren.

Die Stromnetze und Kommunikationsverbindungen brachen in mehreren Teilen Afghanistans, Pakistans und Nordindiens zusammen. Überall rannten die Menschen in Panik auf die Straßen. Nach Angaben der pakistanischen Zeitung "Dawn" wurden Streitkräfte, Polizisten, lokale Beamte und zivilen Helfer dazu aufgefordert, alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren.

Pakistan mobilisierte seine Armee und versetzte die Militärhospitäler in Alarmzustand. Die Luftwaffe hielt sich für Rettungseinsätze bereit. Allein im nordpakistanischen Peshawar gab es nach Angaben des Krankenhausarztes Muhammad Sadiq "mehr als hundert Verletzte". Viele Menschen lägen noch unter den Trümmern. Der Bezirksbürgermeister Arbab Muhammad Asim sagte: "Viele Häuser und Gebäude sind eingestürzt."

Halbes Jahr nach dem Nepal-Beben

Erst vor einem halben Jahr, am 25. April, hatte es ein großes Himalaya-Erdbeben der Stärke 7,8 gegeben, dessen Zentrum in Nepal lag. Damals starben rund 9000 Menschen. Das Epizentrum der aktuellen Erdstöße in Afghanistan liegt nach Angaben der BGR im nordwestlichen Gebiet der Kollisionszone zwischen der Indisch-australischen und der Eurasischen Platte.

"Die Indische Platte bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 mm pro Jahr in Richtung Norden gegen die Eurasische Platte", heißt es in einer Mitteilung der BGR. "Die Kollision der beiden Platten führte zu einer erheblichen Krustenverdickung, einem komplexen Störungssystem sowie zur Auffaltung von Gebirgen. Entlang der Kollisionszone zwischen Indischer und Eurasischer Platte kommt es immer wieder zu starken Erdbeben."

Zuletzt ereignete sich dort am 3. März 2002 etwa 20 Kilometer westlich des aktuellen Bebenherdes ein Erdbeben mit vergleichbarer Stärke von 7,4. "Die Herdtiefe des heutigen wie auch des früheren Bebens von ca. 200 km ist typisch für diese Region", schreiben die BGR-Experten. "Diese sogenannten mitteltiefen Erdbeben verursachen an der Oberfläche geringere Schäden als flache Erdbeben mit ähnlicher Stärke." Allerdings könnten mitteltiefe Erdbeben auch noch in sehr großen Entfernungen wahrgenommen werden.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mmo/fma/mbo/dpa/rts/AFP

Mehr zum Thema