Panorama

Vierfachmord in EislingenAngeklagter sagt aus

15.10.2009, 21:02 Uhr

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit beginnt einer der Angeklagten mit seiner Aussage - allerdings erst zu den Einbrüchen, der Vierfachmord an der Familie eines der Angeklagten steht in der weiteren Verhandlung an.

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Der Tatort in Eislingen. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen hat einer der beiden Angeklagten erstmals ausgesagt. Der 19-Jährige äußerte sich hinter verschlossenen Türen aber nur zu den Einbrüchen und Diebstählen, die ihm ebenfalls vorgeworfen werden. Der 19-Jährige Sohn der getöteten Familie und sein gleichaltriger Freund sollen in der Nacht zum Karfreitag dieses Jahres aus Habgier die Eltern und die beiden Schwestern mit insgesamt 30 Schüssen getötet haben.

Nach Angaben des Anwaltes des Sohnes der getöteten Familie ist der 19-Jährige bei seiner Aussage ruhig und konzentriert gewesen. Die beiden Angeklagten hätten die Einbrüche aus Abenteuerlust begangen, fügte der Schulfreund nach Darstellung des Anwalts hinzu. So hätten sie Zigaretten gestohlen, obwohl sie beide gar nicht rauchten.

Auf Antrag seines Verteidigers waren die zur Verhandlung zugelassenen Journalisten aus dem Saal geschickt worden. Nur die Eltern durften als Zuschauer die Aussage verfolgen. Der 19-Jährige muss sich seit Montag zusammen mit dem gleichaltrigen Sohn der getöteten Familie aus Eislingen in Baden-Württemberg vor Gericht verantworten.

Verteidigung bestreitet Motiv

Die Verteidiger hatten zum Prozessauftakt am Montag Geständnisse der Angeklagten angekündigt. Bislang hatte nur der Freund seine Beteiligung an dem Vierfachmord zugegeben und den zur Tatzeit 18-Jährigen schwer belastet. Der Sohn der Familie gestand lediglich einem Gefängnismitarbeiter, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, behauptete aber, selbst nicht geschossen zu haben.

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Der Prozess wird vor dem Landgericht Ulm verhandelt. (Foto: dpa)

Anwalt Klaus Schulz bestritt weitere Mordpläne der Schulfreunde. Laut Medienberichten wollten die beiden auch die Eltern des anderen umbringen. "Das halte ich für Quatsch", sagte Schulz.

Der "Stern" hatte unter Berufung auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ulm berichtet, dass der Sohn der getöteten Familie dies im Gefängnis erzählt habe. Die Anklagebehörde wollte sich dazu nicht äußern.

Die beiden Angeklagten sollen in der Nacht zum Karfreitag die Eltern und Schwestern aus Habgier mit 30 Schüssen ermordet haben. Laut Anklage wollte der damals 18-jährige Sohn 256.000 Euro seiner Mutter alleine erben. Die Anwälte bestreiten dieses Motiv jedoch. Klaus Schulz, Verteidiger des angeklagten Schulfreundes, sagte, dass die beiden jungen Männer während der Ermittlungen noch nicht einmal danach gefragt worden seien, ob sie eine finanzielle Motivation hatten.

Mehrere Einbrüche

Laut Anklage hatten die jungen Männer im Oktober 2008 beim Einbruch in ein Schützenheim 17 Waffen gestohlen - darunter die beiden Tatwaffen. Im Sommer 2007 sollen die beiden jungen Männer in eine Schule eingebrochen sein und dort einen Computer sowie einen Beamer gestohlen haben. Den Computer sollen sie Stunden vor dem Mord in einen Bach geworfen haben, weil sie damit rechneten, dass der Diebstahl durch die Mordermittlungen der Polizei aufgedeckt werde. Im gleichen Sommer sollen sie zweimal in das Vereinsheim eines Sportvereins eingebrochen sein. Im Herbst 2008 stiegen sie laut Anklage in einen Supermarkt ein und stahlen Geld und Schnaps.

Der Prozess wird laut Gericht am 4. November fortgesetzt. An diesem dritten Verhandlungstag soll dann beiden Angeklagten weiter Gelegenheit gegeben werden, sich zu äußern. Zeugen sollen noch nicht vernommen werden.

Quelle: dpa