Panorama

Internat weist Vorwürfe zurück Arzt soll Odenwaldschüler betatscht haben

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Erst kürzlich gab es Berichte über einen inzwischen entlassenen Lehrer, der im Besitz von Kinderpornografie gewesen sein soll.

(Foto: dpa)

Die Leitung der Odenwaldschule gerät erneut in Erklärungsnöte: Ein Arzt soll bei Untersuchungen Kindern unsittlich begrabscht haben. Die meldepflichtigen Berichte von Schülern sollen über Jahre nicht an die Behörden weitergereicht worden sein.

Und wieder gibt es neue Missbrauchsvorwürfe gegen die Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim: Nach Angaben des Kreises Bergstraße, zu dem Heppenheim gehört, soll ein Kinderarzt Schüler an der Einrichtung in womöglich unangemessener und übertriebener Weise abgetastet haben.

Nach einem Bericht des "Bergsträßer Anzeigers" liegen die ersten Beschwerden von Schülern schon zwei Jahre zurück. Erst jetzt, nachdem sich erneut Schüler beklagt hatten, habe die Schule sie an den Kreis und das hessische Sozialministerium gemeldet.

Kritiker fordern die Schließung

Der betreffende Kinderarzt übernimmt seit Jahren die Schuluntersuchungen an der Odenwaldschule. Wie oft der Arzt die Einrichtung besucht, blieb zunächst offen.

Der Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes forderte eine komplette Aufklärung sowie Konsequenzen: "Man kann auf den ersten Blick erkennen, dass das nicht hinnehmbar ist, dass der Arzt da noch praktiziert."

Er sei erschüttert. Die Leitung der Schule habe "in keinster Weise" auf strengere Auflagen reagiert. Wenn sich die Faktenlage bewahrheite, müsse das "eine deutliche Verschärfung der vor zwei Wochen erfolgten Auflagen zur Folge haben". Der Odenwaldschule war auferlegt worden, monatlich Bericht zu erstatten, Vorkommnisse zudem sofort den Aufsichtsbehörden zu melden und das Präventions- und Interventionskonzept zu überarbeiten.

Ermittlungen gegen Lehrer laufen noch

Die Odenwaldschule wies die Vorwürfe zurück und betonte, es habe keine sexuellen Übergriffe gegeben. "Alle Prüfungen bestätigen, dass die Zusammenarbeit mit dem Arzt zum Wohl der Kinder und Jugendlichen an der Odenwaldschule hoch professionell ist und immer in der gebotenen Distanz erfolgt", hieß es in einer Mitteilung.

Zudem habe die Schule jederzeit alle meldepflichtigen sowie nicht meldepflichtigen Hinweise von Schülern an die Aufsichtsbehörden weitergereicht. "Aus diesen Meldungen einen Vorwurf gegen den Arzt abzuleiten, ist unverantwortlich", sagte Internatsleiterin Juliana Volkmar.

Die Odenwaldschule ist zuletzt immer wieder durch Missbrauchsvorwürfe und Fehltritte von Lehrern in die Schlagzeilen geraten. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt noch gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer der Odenwaldschule wegen des Verdachts der Kinderpornografie. An der Schule waren vor Jahrzehnten mindestens 132 Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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