Panorama

Viele Tote, kaum Schutz Bergamos Bestatter fürchten das Virus

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Die Bestatter in der Provinz Bergamo arbeiten ohne Pause.

(Foto: dpa)

In der norditalienischen Provinz Bergamo ist die Zahl der Covid-19 bedingten Todesfälle besonders hoch. Die örtlichen Bestatter und Krematorien-Mitarbeiter sind pausenlos im Einsatz - und sie fürchten, sich selbst zu infizieren. Nun klagen sie über ihre Arbeitsbedingungen.

Bestatter und Krematorien-Mitarbeiter aus der Provinz Bergamo fürchten aufgrund der fehlenden Schutzmaßnahmen, sich selbst mit dem grassierenden Coronavirus zu infizieren. Wie Euronews berichtet, sieht der Präsident einer Bestattungsvereinigung kleiner und mittlerer Unternehmen in der Region dringenden Nachbesserungsbedarf: "Es ist absolut unverantwortlich, unter den gegenwärtigen Bedingungen weiterzuarbeiten", sagte Antonio Ricciadi und bezog sich dabei auf das "Betreten und Verlassen von Gesundheitseinrichtungen und Wohnungen von Menschen ohne jegliche Gesundheitskontrolle".

*Datenschutz

Außerdem würden die Mitarbeiter im Kontakt mit Verwandten stehen, was ein zusätzliches Risiko darstelle. Das Personal würde dazu nicht getestet werden - und droht damit, ihre Arbeit niederzulegen, wenn sich nicht schnell etwas verändere.

Pietro Bonaldi vom lokalen Branchenverband sagte gegenüber Euronews: "In den frühen Tagen war es noch erlaubt, den offenen Sarg zu transportieren. Der Sarg wurde zu den Häusern von Verwandten und Kirchen transportiert, damit Verwandte und Freunde den Verstorbenen sehen konnten", erklärt er das Versäumnis zur Infektionsvermeidung. "Auf diese Weise versammelten sich jedoch viele Menschen auf engstem Raum und begünstigten die weitere Verbreitung des Virus. Wir haben dieses Problem den Behörden bekannt gemacht." Mittlerweile haben auch die Bestatter selbst ihren Umgang mit den Leichnamen verändert. So werden die Leichen nun desinfiziert und die Särge versiegelt, es dürfen keine Särge mehr offen sein.

Das Krematorium von Bergamo ist im Dauereinsatz - 24 Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche. Und doch reicht das nicht aus, um die vielen Covid-19-Opfer zügig einzuäschern. Die Warteliste zur Einäscherung beträgt derzeit drei Wochen. Fernsehbilder zeigen aktuell immer wieder Lastwagen voller Särge, die abtransportiert werden, damit sie in anderen Regionen des Landes eingeäschert werden können. Trauerfeiern sind in der aktuellen Krise verboten. Die Beerdigungen beschränken sich nun darauf, den versiegelten Sarg zum Friedhof oder Krematorium zu transportieren.

Quelle: ntv.de, sgu