Panorama

#LoveIsNotTourism Binationale Paare kämpfen für ihre Liebe

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Sophie Arbab-Zadeh fühlt sich in der aktuellen Situation im Stich gelassen.

(Foto: Jonas Gerdes)

Während innerhalb Europas die Grenzen langsam wieder öffnen, Corona-Beschränkungen gelockert werden, bleiben sie weiter geschlossen für unverheiratete Paare, die auf verschiedenen Kontinenten leben. "Unmenschlich" nennen das Betroffene wie Sophie Arbab-Zadeh.

Nur über Skype kann sich Sophie Arbab-Zadeh mit ihrem Freund Josh unterhalten. Seit November 2018 sind die beiden ein Paar, kennengelernt haben sie sich in Kalifornien, in der Mittagspause. Liebe auf den ersten Blick, sagt Sophie "Es klingt immer so kitschig, wenn ich sage, das war wie im Film. Aber wir haben uns angeschaut und gewusst, da war was." Josh ist US-Amerikaner, arbeitet in Kalifornien als TV-Producer. Auch Arbab-Zadeh hatte dort einen Job. Nach einem Jahr in Los Angeles musste sie zurück nach Deutschland. Vor den Corona-bedingten Grenzschließungen sahen sich beide regelmäßig, reisten zusammen auch durch Europa. Jetzt skypen sie jeden Tag - kein Ersatz für echte Zweisamkeit:

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Fünf Einreiseanträge hat Arbab-Zadeh für ihren Partner bereits gestellt.

(Foto: Jonas Gerdes)

"Es sind die kleinen Dinge, die ich vermisse - morgens zusammen aufzustehen und den Kaffee zusammen zu trinken, zusammen Händchen haltend spazieren zu gehen", sagt Arbab-Zadeh. "Man verliert einfach die Hoffnung mit der Zeit. Wenn ich dran denke, wie der letzte Abschied war, dann hätte ich ihn gern dreimal länger umarmt und einfach festgehalten."

Fünf Einreiseanträge hat Arbab-Zadeh für Josh in Deutschland gestellt, alle wurden abgelehnt. Sogar bei der Bundespolizei am Flughafen wurde sie vorstellig - vergeblich. "Jedes Mal war die Begründung, dass kein triftiger Grund gesehen wird, warum er einreisen darf", sagt sie. Dass sie sich nun schon seit Monaten nicht gesehen haben, macht beide mürbe.

EU-Abgeordnete fordern Lockerungen

Unter dem Hashtag #LoveIsNotTourism (Liebe ist kein Tourismus) fordern viele Menschen, Corona-bedingte Reisebeschränkungen für Paare zu lockern. Denn unverheiratete Paare, bei denen ein Partner aus einem Nicht-EU-Land stammt, können sich bis heute noch nicht wiedersehen. Unterschrieben haben auch viele prominente Politiker - aus allen Fraktionen.

Der EU-Abgeordnete Moritz Körner der FDP hat den Appell mit auf den Weg gebracht. Für ihn ist es langsam Zeit, dass die EU endlich durchgreift. Die Mitgliedsländer sollen klare Regeln für Paare schaffen, die auf zwei Kontinenten leben. "Selbst wenn nur wenige betroffen wären - es ist grausam, über Monate seinen Partner nicht sehen zu können", sagt er im Interview mit der Redaktion von RTL/ntv.

Auch EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hatte EU-Staaten und Reiseunternehmen dazu aufgefordert, den Begriff der "Partnerschaft" so weit wie möglich zu fassen. Der Partner oder "Sweetheart", mit dem ein EU-Bürger oder EU-Einwohner eine dauerhafte und nachgewiesene Beziehung habe, solle von den Einreisebeschränkungen ausgenommen werden, schrieb Johansson unter den Hashtags #loveisessential (Liebe ist unverzichtbar) und #loveisnottourism.

Wie eine Lösung aussehen könnte, zeigen in der EU bisher nur Dänemark, Österreich und Tschechien: Dort dürfen seit wenigen Wochen auch unverheiratete Partner und Partnerinnen einreisen. Sie müssen offiziell erklären, dass sie in einer dauerhaften Beziehung leben, müssen einen negativen Covid-19-Test nachweisen oder zu einer zweiwöchigen Quarantäne bereit sein.

Sommerurlaub ist erlaubt, Paare dürfen sich nicht wiedersehen

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(Foto: imago images / Panthermedia)

Doch das Bundesinnenministerium lehnt eine Lockerung der Coronabedingten EU-Einreisebeschränkungen für nicht offiziell verbriefte Paare ab. Das entspreche nicht den Vereinbarungen auf europäischer Ebene, erklärte das Ministerium am Freitag in Berlin. "Wir sehen da auch keinen Auslegungsspielraum", sagte ein Sprecher.

Zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hatten sich Mitte März alle EU-Staaten außer Irland sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island darauf geeinigt, nicht zwingend notwendige Reisen in die EU zunächst zu verbieten. Seit Anfang Juli wird dieser Einreisestopp langsam und zunächst für 14 Länder gelockert, in Deutschland zunächst für nur 11 Staaten. Dabei ist vor allem die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen der vergangenen 14 Tage entscheidend. Die Vereinigten Staaten gehören nicht dazu. Denn dort steigen die Infektionszahlen weiter rasant.

Auf Nachfrage der Redaktion von RTL/ntv erklärt der Pressesprecher von Innenminister Horst Seehofer: bloß keinen deutschen Alleingang. Der Minister wolle unbedingt eine einvernehmliche europäische Lösung, auch wenn das Thema "ein Ärgernis" sei. Sophie Arbab-Zadeh und Josh fühlen sich im Stich gelassen. Die verliebte Frau appelliert an den Innenminister: "Hören Sie sich die Geschichten dieser Paare an und zeigen Sie Menschlichkeit."

Quelle: ntv.de, mit dpa