Panorama

Umwelthilfe sieht Verbraucherbetrug Biotüten sind nicht "bio"

34534828.jpg7525090538011594832.jpg

Dass diese Tüte kompostierbar ist, halten Umweltexperten für eine Lüge. Denn sie bestehe zu 70 Prozent aus herkömmlichem Material.

(Foto: dpa)

Supermarktketten wie Rewe und Aldi haben sie seit etwa vier Jahren im Sortiment: Plastiktragetaschen, die angeblich biologisch abbaubar sind. Gegen diese Behauptung geht jetzt die Deutsche Umwelthilfe vor. Die Tüten seien "schlimmer als normale Einwegtüten".

34534610.jpg5570974809544827333.jpg

Die "Bio-Tüten" kosten mehr als Einwegplastiktüten, bis zu 50 Cent pro Stück.

(Foto: dpa)

Mit vermeintlich biologisch abbaubaren Plastiktüten täuschen die Handelskonzerne Aldi und Rewe nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe gezielt ihre Kunden. Die Tragetaschen seien anders als von den Unternehmen behauptet nicht mit gängigen Verfahren kompostierbar, sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe Jürgen Resch. Zudem würden sie unter anderem mit Hilfe von gentechnisch verändertem Mais hergestellt. "Diese Tüten sind sogar noch schlimmer als normale Einwegtüten."

Der Branchenverband European Bioplastics wies die Vorwürfe zurück. "Die Behauptungen auf den Tüten sind alle belegt", sagte Sprecherin Kristy-Barbara Lange. Das Produkt sei in der Entwicklung. "Das ist ein Prozess, den man nicht abbrechen darf."

Die seit etwa vier Jahren angebotenen sogenannten Biotüten kosteten im Handel zwischen 30 und 50 Cent und seien damit deutlich teurer als Einwegplastiktüten, sagte Umwelthilfe-Geschäftsführer Resch. "Es handelt sich um einen besonders breiten und dreisten Fall der Verbrauchertäuschung." Die Umwelthilfe prüft nun rechtliche Schritte gegen die beiden Unternehmen.

Zu 70 Prozent herkömmliches Plastik

Rewe wies die Vorwürfe zurück. Der Konzern betrachte die Tüten als einen ersten Schritt, weniger fossile Ressourcen wie Mineralöl einzusetzen. Der Hersteller habe zugesichert, dass die Tüten vollständig kompostierbar seien. Aldi äußerte sich zunächst nicht.

Wie viele Biotüten jährlich verkauft werden, ist unklar. "Aber allein in den Kompostieranlagen tauchen täglich Hunderte von ihnen auf", sagte Herbert Probst aus dem Vorstand des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Nord. Trotz des Aufdruckes "100% kompostierbar" sollten die Biotüten aber auf keinen Fall in den Biomüll geworfen werden. Sie bestünden zu 70 Prozent aus erdölbasiertem Kunststoff und nur zu 30 Prozent aus Kunststoff auf der Basis von Maisstärke.

Außerdem herrschten weder im heimischen Kompost noch in Kompostieranlagen Bedingungen, unter denen sich die Tüten nach wenigen Wochen komplett zersetzten, sagte Probst. Diese seien nach einem Dreivierteljahr immer noch so wie zum Zeitpunkt der Entsorgung.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema