Panorama
Freitag, 26. November 2010

Drogenkrieg in Rio de Janeiro: Brasiliens Polizei erobert Slum

Hubschrauber, Elitesoldaten und Panzer: Die Polizei in Rio de Janeiro stürmt das Elendsviertel "Vila Cruzeiro". Mitglieder der Drogenbanden flüchten in benachbarte Slums. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche 30 Menschen bei Razzien getötet. Bis 2014 will die Polizei die Macht der Drogenbanden in den Elendsvierteln brechen.

Hunderte schwerbewaffnete Elitepolizisten waren an den Razzien beteiligt.
Hunderte schwerbewaffnete Elitepolizisten waren an den Razzien beteiligt.(Foto: dpa)

Die brasilianische Polizei hat mit Unterstützung von Panzern der Marine und Hubschraubern das Elendsviertel Vila Cruzeiro in der Millionenmetropole Rio de Janeiro erobert. "Vila Cruzeiro gehört wieder zum Staat", sagte der Vizechef der Polizei, Rodrigo de Oliveira.

Hunderte schwerbewaffnete Elitepolizisten waren an den Razzien in dem Armenviertel beteiligt, das als Hauptrückzugsgebiet der Drogenbanden gilt. Bilder des Fernsehsenders TV Globo zeigten flüchtende Drogendealer, die mit Waffen in der Hand in die Berge kletterten oder auf Motorrädern und in Autos versuchten, in die benachbarte Favela Complexo do Alemão zu gelangen. Sie zündeten zudem Autoreifen an, um die Sicht der Polizisten zu verschlechtern.

"Ich habe so etwas noch nie gesehen", sagte ein Lehrer einer Schule in Vila Cruzeiro. "Das ist eine richtige Militäraktion mit gepanzerten Fahrzeugen, aber das ist auch nötig. Es ist die einzige Möglichkeit, den Drogenhändlern in der Favela entgegenzutreten." In Rio leben rund zwei Millionen Menschen in den mehr als 1000 Favelas.

Bislang 30 Todesopfer

Mitglieder der Drogenbanden flüchten in benachbarte Favelas.
Mitglieder der Drogenbanden flüchten in benachbarte Favelas.(Foto: REUTERS)

Bei Razzien im Armenviertel Jacerezinho wurden am Donnerstag sieben Menschen getötet. Anders als zuvor machte die Polizei keine Angaben darüber, ob es sich bei den Toten um mutmaßliche Drogendealer handelte. Seit Beginn der Gewalt am Sonntag wurden damit 30 Menschen getötet, wie die Polizei mitteilte. 200 Menschen wurden festgenommen. Ziel der Aktion sei es, die Kontrolle über das Territorium wiederzugewinnen, das die Drogenhändler eingenommen hätten, sagte ein Polizeisprecher. 17.500 Polizisten befanden sich in Alarmbereitschaft.

Das Verteidigungsministerium kündigte unterdessen an, das Militär werde 800 Soldaten, zwei Helikopter und zehn Panzer zu Verstärkung der Polizei entsenden.

Ob die Polizei in den kommenden Tagen weitere Armenviertel in der Stadt angreifen werde, ließ Vizechef Oliveira offen. 2014 findet in Brasilien die Fußballweltmeisterschaft statt, zwei Jahre später werden die Olympischen Sommerspiele ausgetragen. Vorher soll die Macht der Drogenbanden in den Elendsvierteln, die Favelas genannt werden, gebrochen sein.

Minister lobt Polizei

Der Stadtminister für Sicherheit, José Mariano Beltrame, betonte, keine Polizei der Welt wäre imstande gewesen, das zu leisten, was die brasilianische Polizei geschafft habe. "Wir haben das Territorium erobert, das ihnen (den Drogenbanden) als Zufluchtsort diente, den mit Kriegswaffen gesicherten Ort, zu dem sie immer dann wie Feiglinge flohen, nachdem sie ihre Verbrechen begangen hatten", sagte Beltrame.

Drogenbanden hatten seit dem vergangenen Wochenende zahlreiche Busse und Autos im Stadtgebiet in Brand gesetzt, Autofahrer überfallen und Panik in der Millionenmetropole verbreitet. Seither waren nach Informationen der Zeitung Folha mindestens 35 Menschen von der Polizei erschossen worden.

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Nach Einschätzung von Gouverneur Sergio Cabral sind die Anschläge der Drogenbanden eine Reaktion darauf, dass bereits 14 Favelas von der Polizei gestürmt wurden. Auch seien inhaftierte Drogenbosse in weit entfernte Hochsicherheitsgefängnisse im Süden und Norden des Landes verlegt worden.

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Quelle: n-tv.de