Panorama

Kritik an Johnsons Lockerung Britische Experten warnen vor zweiter Welle

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Unter anderem Pubs, Friseursalons und Kirchen dürfen unter bestimmten Auflagen ab 4. Juli wieder in England öffnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Menschen in England dürfen wieder im Pub feiern und Abstand muss auch nicht mehr so viel gehalten werden. Die Ärzte im Land zeigen sich alarmiert: Die Pandemie könnte wieder aufflammen und viele Menschenleben fordern. Sie befürchten, das Land könnte nicht angemessen vorbereitet sein.

Gesundheitsexperten warnen eindringlich vor einer zweiten Corona-Infektionswelle in Großbritannien. Es bestehe ein "echtes Risiko", schrieben sie in einem vom "British Medical Journal" veröffentlichten Brief. Sie kritisierten damit die bisher umfangreichste Lockerung der Pandemie-Maßnahmen in England. Premier Boris Johnson hatte sie am Vortag bekannt gegeben. Es müsse nun schnell gehandelt werden, um noch mehr Todesopfer und Verluste für die Wirtschaft zu verhindern, fordern die Experten in einem offenen Brief an die Parteispitzen. Den Appell unterschrieben unter anderem die Präsidenten medizinischer Fachgesellschaften.

Pubs, Restaurants, Hotels, Museen, Galerien, Kinos, Bibliotheken, Friseursalons und Kirchen dürfen unter bestimmten Auflagen ab 4. Juli wieder in England öffnen. Gleichzeitig hatte Johnson angekündigt, die Abstandsregel von zwei Metern auf einen Meter zu verringern. Die neuen Maßnahmen gelten nur für England. Jeder Landesteil in Großbritannien bestimmt über seine eigenen Regelungen.

"Während das Ausmaß der Pandemie in Großbritannien schwer vorherzusagen ist, deuten die verfügbaren Beweise darauf hin, dass lokale Ausbrüche immer wahrscheinlicher werden und eine zweite Welle ein echtes Risiko ist", schrieben die Experten in ihrem Brief. Die Regierung dürfe nicht nur die (wirtschaftlichen) Folgen der ersten Pandemie-Welle schnell bekämpfen, sondern müsse auch sicherstellen, dass das Land angemessen auf eine zweite Welle vorbereitet sei.

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Auch Regierungsberater aus dem Medizin-Bereich hatten am Dienstag die Lockerungen als "nicht risikofrei" bezeichnet. Großbritannien ist das am schwersten von der Corona-Krise betroffene Land in Europa: Nach offiziellen Statistiken starben knapp 43.000 positiv auf das Virus getestete Menschen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa