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Selbst Billy Bragg lehnt das ab Brixton feiert Thatchers Tod

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"Die Hexe ist tot" - Freude auf den Straßen von Brixton.

(Foto: REUTERS)

Manche Feindschaft dauert bis über den Tod hinaus. Im alternativen Londoner Stadtteil Brixton feiern 200 Menschen die Nachricht vom Ableben der früheren Premierministerin Thatcher. Der Liedermacher Billy Bragg schickt Kommentare aus Kanada. Er verkneift sich Häme und ruft zu "Aktivismus" auf.

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Partystimmung auch in Glasgow.

(Foto: REUTERS)

Der linke britische Singer-Songwriter Billy Bragg hat betont desinteressiert auf den Tod der früheren Premierministerin Margaret Thatcher reagiert. "Es hat in der Nacht in Calgary geschneit", twitterte Bragg, der derzeit auf Tour in Kanada ist. "Bin spät aufgestanden und dann raus für Kaffee und WLAN. E-Mail-Postfach ungewohnt voll. Und Margaret Thatcher ist tot."

Billy Bragg ist nur einer von vielen britischen Musikern, die sich jahrelang an Thatcher abgearbeitet hatten. Zusammen mit Paul Weller von The Style Council und Jimmy Somerville von den Communards gehörte er zu den Gründern der Bewegung "Red Wedge", die 1987 Wahlkampf für Labour und gegen Thatcher machte. Thatcher, die Hass-Figur der Linken, gewann die Wahl; Sänger Morrissey nahm im folgenden Jahr das Lied "Margaret on the Guillotine" auf - nicht der einzige Song, in dem Thatcher der Tod gewünscht wurde.

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"Endlich!" hat jemand auf diese Zeitung geschrieben.

(Foto: dpa)

Elvis Costello sang auf seiner Platte "Spike" aus dem Jahr 1989, er werde eines Tages auf Thatchers Grab stehen und "den Dreck platttrampeln". Noch 2009 sagte Bragg, immer, wenn er gebeten werde, seine größte Inspiration zu nennen, antworte er "Margaret Thatcher". Bevor sie in sein Leben getreten sei, sei er "nur ein Nullachtfünfzehn-Singer-Songwriter" gewesen.

"Freut euch - Thatcher ist tot"

Im Londoner Stadtteil Brixton feierten unterdessen rund 200 Menschen den Tod der "Eisernen Lady". 1981 gab es hier gewaltsame Krawalle gegen die Thatcher-Regierung. Auf dem Hauptplatz des alternativen Stadtteils im Süden der britischen Hauptstadt versammelten sich die Einwohner unter dem Motto "Freut euch - Thatcher ist tot".

Mit Alkohol stießen die Feiernden auf den Tod der ehemaligen Regierungschefin an, viele tanzten zu Hip-Hop- und Reggae-Klängen. Einer der Feiernden begründete seine Teilnahme an der Party damit, dass Thatcher "unserem Land so viel Schaden zugefügt hat".

"Feiert nicht - organisiert euch!"

Bei aller Feindschaft lehnt Billy Bragg solche Partys ab. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er, dies sei keine Zeit zu feiern. "Der Tod von Margaret Thatcher ist nichts weiter als eine hervorstechende Erinnerung, wie Großbritannien in die Schweinerei geraten ist, in der wir uns heute befinden."

Ein Glas auf den Tod einer alten Dame zu erheben, ändere nichts, so Bragg weiter. "Das einzig wahre Gegengift zum Zynismus ist Aktivismus. Feiert nicht - organisiert euch!"

Thatcher war am Montag im Alter von 87 Jahren gestorben. Sie regierte Großbritannien über drei Amtsperioden von 1979 bis 1990 mit harter Hand. Zwei Jahre nach ihrem Amtsantritt waren in Brixton heftige Krawalle gegen ihre Politik ausgebrochen, die auch auf andere Städte übergriffen.

Quelle: n-tv.de, hvo/AFP

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