Panorama
Hartmut Hopp in den 1980er Jahren.
Hartmut Hopp in den 1980er Jahren.(Foto: dpa)
Montag, 08. Juli 2013

Auslieferung des Colonia-Dignidad-Sprechers verlangt: Chile jagt deutsches Sektenmitglied

Während der Pinochet-Diktatur in Chile werden in der Deutschen-Siedlung "Colonia Dignidad" im Süden des Landes Menschen gefoltert – und Kinder missbraucht. Seit Jahren verfolgt die chilenische Justiz die Köpfe der von einem Wehrmachtsflüchtling gegründeten Siedlung. Einer ist nach Deutschland geflohen.

Chile bemüht sich erneut um die Auslieferung eines ehemaligen Sektenmitglieds der früheren Deutschen-Siedlung Colonia Dignidad. Der wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs zu fünf Jahren Haft verurteilte frühere Krankenhaus-Leiter Hartmut Hopp solle in Chile seine Strafe antreten, forderte der Oberste Gerichtshof. Chile hatte die Auslieferung des früheren Sektensprechers, der nach seiner Verurteilung in seine Heimat geflohen war, bereits im Oktober 2011 verlangt. Deutschland lehnte dies jedoch ab.

Da zwischen beiden Ländern kein Auslieferungsabkommen bestehe, werde die Auslieferung auf Grundlage des internationalen Rechts beantragt. Im Falle eines erneuten Scheiterns solle beantragt werden, dass Deutschland die gegen Hopp verhängte Strafe vollstrecke, sagte die Staatsanwältin des Obersten Gerichtshofs, Patricia Maldonado. Im Februar hatten fünf ehemalige Sektenmitglieder Haftstrafen zwischen fünf und elf Jahren wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern angetreten.

Rechte Hand von Sektenchef Schäfer

Hopp galt als rechte Hand von Ex-Sektenchef Paul Schäfer, der zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde und 2010 im Alter von 88 Jahren im Gefängnis starb. Nach Aussagen von Zeugen wurden während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-90) politische Gefangene auf das weiträumige Gelände der Deutschen-Kolonie im Süden des Landes verschleppt und dort zu Tode gefoltert.

Auf dem über 13.000 Hektar großen Gelände der "Colonia Dignidad", die sich später "Villa Bavaria" nannte, lebten zeitweise hunderte deutsche Auswanderer und ihre Familienangehörigen. Der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland geflohene frühere Wehrmachtsgefreite Schäfer hatte die Kolonie Anfang der 1960er Jahre in einer Bergregion in Südchile mit 300 Getreuen gegründet.

Quelle: n-tv.de