Panorama
Freitag, 20. Juni 2008

Neue Kirche im türkischen Tarsus: Christen müssen warten

Die Christen möchten 2000 Jahre nach der Geburt des Apostels Paulus in seiner Geburtsstadt Tarsus nicht nur Gäste sein. Deutsche Bischöfe wünschen sich in der südtürkischen Stadt, in der der wichtigste Theologe des Christentums seine Kindheit und einige Jahre als Erwachsener verbrachte, eine eigene Kirche mit Pilgerzentrum. Monatelang liefen stille Verhandlungen, ohne dass sich viel bewegt hat. Für die am Wochenende beginnenden Feiern des Paulus-Jahres kann nun zumindest das aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirchengebäude St. Paul für Gebete genutzt werden.

Das Gotteshaus war 1943 vom türkischen Staat konfisziert und über mehrere Jahrzehnte von der Armee als Lager genutzt worden. Seit einigen Jahren dient es als Museum. Christen konnten dort zwar Gottesdienste feiern, mussten ihre Reliquien aber nach den Messen wieder einpacken.

Herausgeputzt für die Besucher

"Nach menschlichem Ermessen gäbe es ohne Paulus keine Weltkirche, kein christliches Europa, keine Menschenrechte und damit keine Vereinten Nationen", schrieb der Kölner Kardinal Joachim Meisner Anfang des Monats in einem Beitrag im "Kölner Stadt-Anzeiger". Von daher "versteht es sich von selbst, dass in seinem Geburtsort Tarsus der Christenheit und der Menschheit überhaupt eine Pauluskirche und ein Pilgerzentrum zur Verfügung stehen müssen".

In den Tagen vor Beginn der Feiern wartet der Sakralbau St. Paul herausgeputzt auf Besucher. In der Altstadt wird noch in diesen Tagen neues Pflaster verlegt. Die Eingangspforte zu einer antiken Römerstraße aus den Zeiten von Paulus strahlt frisch gestrichen. Türkische Archäologen glauben, dass er über diese Straße gelaufen ist. Am Paulusbrunnen, aus dem der Apostel der Überlieferung nach getrunken hat, werkeln noch Arbeiter.

Interreligiöse Beziehungen verbessern

"Das Paulus-Jahr ist für uns sehr wichtig. Manche sagen, es werden 150.000 Gäste kommen, manche sagen es werden 500.000. Wir haben kein Problem, wenn sie hier beten wollen", sagt Burhanettin Kocamaz, Bürgermeister von Tarsus und Politiker der nationalistischen Partei MHP. Von einem Kirchenneubau hält er aber nichts. "Wir haben eine Kirche hier. Wir müssen die St. Pauls-Kirche nutzen. Wenn das nicht reicht, können wir reden." Zunächst soll nach seinem Willen aber dann vorerst eine alte Fabrik neben dem Kirchengebäude für Gottesdienste genutzt werden. Er verweist auch darauf, dass in Tarsus selbst keine Christen leben.

In einem Brief Kardinal Meisners an den für Tarsus zuständigen Bischof Luigi Padovese (Iskenderun) schwingt gehörige Enttäuschung über die Lage mit. Meisner verweist darin auch auf die Pläne für den heftig umstrittenen Bau eine Großmoschee in Köln. Der Bau eines Pilgerzentrums in Tarsus könne da die interreligiösen Beziehungen verbessern. "In einem Gespräch mit Verantwortlichen der muslimischen Gläubigen aus der Türkei in Köln konnte ich bis jetzt kein besonderes Interesse für unser Anliegen finden. Aber uns Christen ist es gegeben, zu hoffen wider alle Hoffnung", schrieb Meisner.

Von Carsten Hoffmann, dpa

Quelle: n-tv.de