Krisenstab rechnet mit einem Jahr"Concordia"-Bergung wird dauern

Seit zwei Wochen liegt die havarierte "Costa Concordia" vor der Insel Giglio. Und das dürfte auch in einem Jahr noch so sein, befürchtet der Krisenstab. Denn so lange dürfte die Bergung des Kreuzfahrtschiffs dauern. Der Fokus der Helfer verschiebt sich derweil Richtung Umweltschutz. Zudem wird ein weiteres Opfer aus Deutschland identifiziert.
Bis das Wrack des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" vor der italienischen Küste gehoben wird, kann nach Einschätzung des italienischen Krisenstabs bis zu ein Jahr vergehen. Zunächst müsse der Auftrag vergeben werden und das ausgewählte Unternehmen einen Plan ausarbeiten, sagte der Leiter des italienischen Krisenstabs, Franco Gabrielli. Allein dies werde rund zwei Monate dauern. Für die Bergung der "Costa Concordia" veranschlagte Gabrielli weitere "sieben bis zehn Monate" - je nach Wetterlage und Wellengang.
Zunächst werde jedoch die Suche nach den Vermissten fortgesetzt, sagte der Krisenstabsleiter. Es sei "ein Gebot der Moral", dass alle Leichen den Angehörigen übergeben würden. Allerdings machte Gabrielli einen klaren Unterschied zwischen der Suche nach Lebenden oder nach Toten. Es gehe auch darum, an das Leben der Bergungskräfte zu denken, sagte er. Vermute er hinter der Tür nicht einen Lebenden, sondern einen Toten, schütze er im Zweifelsfall den Helfer.
Deutsche Frau identifiziert
Allerdings musste die Suche nach den Vermissten erneut unterbrochen werden, nachdem sich das Wrack in der Nacht wegen starken Windes und hoher Wellen verschoben hatte. Gabrielli versicherte, die Bewegungen der "Costa Concordia" seien durch "Ebbe und Wellen" bedingt, sie rutsche nicht in tieferes Gewässer ab. Wegen des hohen Wellengangs waren bereits . Voraussichtlich bis Mittwoch werde man warten müssen, bevor das Abpumpen des gefährlichen Schweröls beginnen könne, hieß es.
Die Helfer identifizierten unterdessen ein weiteres Todesopfer aus Deutschland. Damit stieg die Zahl der getöteten Deutschen auf fünf. Es handelt sich um eine Frau aus Baden-Württemberg, wie das Landeskriminalamt bestätigte. Neben der nun identifizierten Frau sind bislang deutsche Opfer aus Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen identifiziert. Am Samstag bargen Taucher aus dem Wrack der "Costa Concordia" als 17. Opfer die Leiche einer Frau. Es handle sich um ein peruanisches Crewmitglied, teilten die Behörden mit. Sie trug die Borduniform, jedoch keine Schwimmweste.
Gabrielli rückte zudem den Schutz der Umwelt in den Fokus. "Erst ging es darum, Leben zu retten, jetzt bleibt uns das Ziel, einen Umweltnotstand zu verhindern", sagte er auf der Insel Giglio. In den Tanks der gekenterten "Costa Concordia" lagern etwa 2300 Tonnen Treibstoff, überwiegend gefährliches Schweröl, das noch nicht abgepumpt werden kann. Das Schiff war am Abend des 13. Januar mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio havariert. Bislang wurden 17 Tote geborgen, 16 Menschen, darunter sieben Deutsche, gelten noch als vermisst.
Gut zwei Wochen nach der Havarie kommen auch die juristischen Aktivitäten wegen einer Entschädigung der Passagiere voran. Die große italienische Verbraucherorganisation Codacons teilte am Samstag mit, in Miami gemeinsam mit zwei US-Kanzleien eine Sammelklage eingereicht zu haben. Für die ersten sechs dort vertretenen Passagiere gehe es um Entschädigungsforderungen von insgesamt 460 Millionen US-Dollar.
Auch ausländische Passagiere der "Costa Concordia" könnten sich der Sammelklage anschließen. Codacons hatte die von der Reederei Costa Crociere angebotene Basisentschädigung von 11.000 Euro als "Almosen" abgetan. Ein Komitee geschädigter sizilianischer "Concordia"-Passagiere nannte die angebotene Summe "lächerlich".