Panorama
Mittwoch, 06. Juli 2011

Abstrakter expressionistischer "Kritzler": Cy Twombly ist tot

Cy Twombly gilt als einer der einflussreichsten Expressionisten der US-Gegenwartskunst. Bekannt wurde der Maler und Bildhauer vor allem durch seine an Kritzeleien erinnernden Bilder. Seine letzte große Arbeit war im Pariser Louvre zu sehen. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Cy Twombly gilt als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart.
Cy Twombly gilt als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart.(Foto: AP)

Der US-amerikanische Maler und Bildhauer Cy Twombly ist tot. Der Künstler, der seit langem an Krebs litt, starb nach Angaben des Direktors der Sammlung Lambert in Avignon, Eric Mézil, am Dienstag in einem Krankenhaus in Rom. Er wurde 83 Jahre alt. Twombly galt als einer der einflussreichsten Expressionisten der US-amerikanischen Gegenwartskunst. Bekannt wurde er vor allem durch seine an Kritzeleien erinnernden Bilder. Der für seine Zurückhaltung bekannte Maler hatte bis ins hohe Alter gewirkt.

Reisender der Kunst

Twombly, in Virginia geboren, nahm schon als Teenager Kunstunterricht und interessierte sich später während des Studiums in Boston vor allem für den deutschen Expressionismus. In den Seminaren lernte er einen anderen jungen Künstler aus den Südstaaten kennen, der ein lebenslanger Freund und Kollege werden sollte: Robert Rauschenberg. Mit dem späteren Pop-Art-Pionier ging Twombly auch auf Reisen durch die Südstaaten der USA und weiter über den Atlantik bis nach Marokko. Twombly war ein Reisender der Kunst. Er lernte intensiv Europa und Nordafrika kennen. In den letzten Jahrzehnten war Rom zu seiner künstlerischen Heimat geworden. Twombly lebte seit mehr als 50 Jahren in Italien, zuletzt in dem Küstenort Gaeta.

Twomblys wichtigste Werke sehen aus, als habe sie jemand nebenbei aus Langeweile gekritzelt: Einfach immer wieder Striche kreuz und quer übereinander oder sich wiederholende Kringel in schwarz oder grau - Twomblys Bilder verdienen den Namen abstrakte Kunst. Wenn er mit Farben arbeitete, mussten sie leuchtend sein, am besten rot, notfalls auch gelb oder hellgrün.

Twombly im März 2010 im Louvre unter seiner "Decke".
Twombly im März 2010 im Louvre unter seiner "Decke".(Foto: AP)

Seine letzte große Arbeit, der 400 Quadratmeter große Teil des Louvre, war da untypisch: Ein tiefblauer Himmel mit großen Kreisen in Gelb, Ocker, Weiß und Blau. Titel der bemalten Palastdecke: "The Ceiling" - "Die Decke". Dass er einen Teil der Decke im Pariser Louvre ausmalen durfte, war eine Ehre, die vor ihm nur zwei anderen Gegenwartskünstlern zuteil wurde.

Mitterand: "Einfach genial"

Der französische Kulturminister Frédéric Mitterand würdigte Twombly als "weder figürlich, noch abstrakt, einfach genial". "Sowohl in seiner Malerei, als auch in seinen Zeichnungen und seinen Skulpturen hielt sich Cy Twombly stets fern von den großen Widersprüche, welche die Kunstszene im 20. Jahrhundert bewegten", erklärte Mitterand. Er sei modern gewesen, habe sich aber dem Bruch mit der Tradition verweigert.

Erst Mitte Juni war eine Ausstellung mit Fotografien Twomblys in der Sammlung Lambert in Avignon eröffnet worden. Nach Angaben seines langjährigen Freundes Mézil wollte Twombly in Rom beerdigt werden.

Werke Twomblys in Schleswig und München

Noch bis Oktober sind Werke Twomblys im schleswig-holsteinischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen. Die Ausstellung in Schleswig zeigt Grafiken und Fotografien des Expressionisten. In der Sammlung Brandhorst in München, die rund 60 seiner Gemälde und Skulpturen besitzt, läuft noch bis zu diesem Wochenende eine Schau mit rund 100 Fotos Twomblys.

Quelle: n-tv.de