Panorama

Es ist nicht unbedingt Geld Das hilft Obdachlosen wirklich

imago75742064h.jpg

Jobverlust oder Scheidung, die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig.

(Foto: imago/Rolf Zöllner)

Obdachlose leben auch bei eisigen Temperaturen auf der Straße. Das löst bei vielen Menschen Mitgefühl und Sorge aus. Aber ist ein Euro im Pappbecher wirklich die Lösung?

Die Temperaturen liegen seit Wochen um oder weit unter dem Gefrierpunkt, das Leben vieler Obdachloser ist damit noch schwieriger und anstrengender geworden. Vor allem in den Großstädten hat sich ihre Zahl gefühlt erheblich erhöht. Möglicherweise sind die Menschen ohne Wohnung einfach nur etwas sichtbarer geworden, weil sie an Bahnhöfen oder in Ladeneingängen einen warmen Platz suchen, an dem sie den kalten Tag besser überstehen können.

Bundesweit gibt es nach den im Dezember von der Bundesregierung veröffentlichten - allerdings nur geschätzten - Zahlen rund 335.000 Wohnungslose. Trotzdem scheint es nicht immer leicht zu helfen, auch wenn man möchte. Viele scheuen sich nicht ganz zu Unrecht Geld zu geben, weil sie befürchten, damit den Kauf von Drogen oder Alkohol zu unterstützen. Aber was kann man dann tun?

Hilfe rufen

*Datenschutz

Immer wieder kommen Obdachlose unter den Augen von Passanten ums Leben. Sie sterben, weil niemand sieht oder wahrhaben will, dass es ihnen nicht gut geht. Jemanden anzusprechen, kann dessen Leben retten. Falls man sich das nicht traut oder jemand nicht sagen kann, ob er okay ist, sollte man trotzdem auf jeden Fall Hilfe rufen.

In Berlin beispielweise verkehrt von November bis März der Kältebus. Mitarbeiter der Stadtmission kommen so Wohnungslosen zu Hilfe, die nicht mehr aus eigener Kraft eine Kälte-Notübernachtung aufsuchen können und fahren sie auf ihren Wunsch zu einem sicheren Übernachtungsplatz. Der Kältebus ist von 19.00 Uhr bis 3.00 Uhr im Einsatz und unter der Telefonnummer 0178-5235838 zu erreichen. In offensichtlichen Notfällen sollte man auf jeden Fall sofort Hilfe rufen unter der Notrufnummer 112.

Kleine Dinge geben

917aaba2e84051d4ccc10e58cfb9cae5.jpg

(Foto: dpa)

Manche Hilfe ist so simpel, das man sich fragt, warum nicht schon eher jemand darauf gekommen ist. In Stuttgart steht seit kurzem eine Kleiderstange, dorthin kann man die warme Jacke oder den Pullover hängen, die im Kleiderschrank übrig sind, die nicht mehr dem aktuellen Geschmack oder der eigenen Kleidergröße entsprechen. "Dir ist kalt? Dann nimm etwas Warmes! Du willst helfen? Lass etwas da!" steht auf einem Schild dazu. In anderen Städten und Ländern funktioniert dieses vollkommen unbürokratische System bereits. Viele Organisationen, die sich um Obdachlose kümmern, betreiben außerdem Kleiderkammern oder Suppenküchen, in denen warme Kleidung, Lebensmittelspenden oder auch Toilettenartikel gern entgegen genommen werden.

Kaum ein Wohnungsloser hat etwas gegen ein paar neue Socken oder eine Mütze. Allerdings möchte niemand ungefragt Dinge bekommen. Wer also helfen möchte, sollte sich freundlich erkundigen, ob seine Gabe willkommen ist. Frühere Obdachlose berichten, dass sie sich auch über Essen gefreut hätten. Allerdings mögen sie auch manche Dinge nicht oder sind einfach gerade nicht hungrig. Auch hier gilt, mit einer Frage lässt sich das leicht klären. Viele Wohnungslose haben Hunde und sind besonders dankbar, wenn man auch ihre Vierbeiner mit bedenkt.

Geld oder Zeit spenden

Nicht jedem ist es gegeben, Kontakt zu fremden Menschen aufzunehmen. Dann sind auch finanzielle Zuwendungen an Organisationen und  Vereine, die sich um Obdachlose kümmern, eine echte Alternative. Kleine Summen von vielen Menschen haben oft große Wirkungen. Auf der Spendenplattform betterplace.org findet sich beispielsweise eine Übersicht von Projekten in verschiedenen deutschen und europäischen Städten, die man unterstützen kann.

Die meisten dieser Einrichtungen sind auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Wer also Zeit hat, Kleider zu sortieren, Suppe auszugeben oder auch für ein Gespräch, wird sicher einen Ort finden, wo genau das gebraucht wird.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema