Panorama

Regierung fürchtet Stromausfall Dem Libanon droht "komplette Dunkelheit"

220010891 (1).jpg

Mehrstündige Stromausfälle zählen im Libanon zum Alltag.

(Foto: picture alliance/dpa/XinHua)

Seit mehr als einem Jahr erlebt der Libanon eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Die Währung befindet sich im freien Fall, die Lebensmittelpreise schießen in die Höhe. Nun befürchtet die Regierung, den Betrieb von Kraftwerken nicht mehr bezahlen zu können.

Dem Libanon droht nach Regierungsangaben ein vollständiger Zusammenbruch der Stromversorgung. Das Land steuere auf eine "komplette Dunkelheit" am Ende des Monats zu, falls der staatliche Stromversorger keine neuen Finanzmittel erhalte, sagte Interims-Energieminister Raymond Ghajar nach einem Treffen mit Staatschef Michel Aoun. Der Staatskonzern Electricité du Liban sein dringend auf Geld angewiesen, um Brennstoff für den Betrieb von Kraftwerken zu kaufen.

Das Land steckt in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Allein in den vergangenen Tagen war der Wert des libanesischen Pfunds um mehr als 80 Prozent gesunken. Der Internationale Währungsfonds hatte für den Libanon im vergangenen Jahr eine Inflation von mehr als 140 Prozent festgestellt. Ein Haushalt für das laufende Jahr wurde noch nicht verabschiedet. Energieminister Ghajar fordert daher eine Überbrückungsfinanzierung für den staatlichen Stromversorger.

Sollte das Unternehmen nicht mehr in der Lage sein, Treibstoff zu importieren, werde dies weitreichende Folgen haben, sagte Ghajar. "Es ist surreal, im 21. Jahrhundert ohne Elektrizität zu leben." In den Online-Netzwerken erntete der Minister harsche Kritik.

"Was surreal ist, ist, dass wir solche Beamten haben", schrieb ein Nutzer. Seit sieben Monaten gibt es im Libanon keine funktionsfähige Regierung mehr. Damals waren bei einer verheerenden Explosion im Hafen von Beirut mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen.

Massenproteste im ganzen Land

234532303.jpg

Seit einer Woche protestieren erneut massenhaft Menschen im Land.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit einer Woche kommt es wieder zu Massenprotesten nicht nur in der Hauptstadt Beirut, sondern auch in kleineren Metropolen wie der nördlichen Stadt Tripoli. Die Bevölkerung befürchtet, dass die Regierung bald die Nahrungsmittel-Subventionen streicht. In einem Supermarkt wurde beobachtet, wie ein Kampf um billige Baby-Milch ausbrach.

Der Wertverfall des Pfunds sei nur eine Fortsetzung der rückläufigen Tendenz seit dem Beginn der Krise und der "damit einhergehenden politischen Untätigkeit", bemerkte der Finanzwissenschaftler Mohammed Faur von der Universität Dublin. Das Krisenzentrum an der US-Universität in Beirut warnte vor dem wirtschaftlichen Niedergang und vertrat die Ansicht, das "Schlimmste" stehe noch bevor.

Quelle: ntv.de, cls/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.