Panorama

30 Zentimeter Schnee in München Der Winter krallt sich in den Süden

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In München liegt bereits Schnee.

(Foto: picture alliance/dpa)

So langsam kommt der Winter in Fahrt. Vom Erzgebirge bis zu den Alpen wird es in den kommenden Tagen weiß. Und auch, wenn sich noch nicht alle Computer einig sind - vieles deutet auf ein kommendes stabiles Polarhoch, wie n-tv Wetterexperte Björn Alexander sagt.

Was bringt uns das noch junge Wetterjahr 2019?

Nach dem teils sehr stürmischen Start mit Orkanböen an der Küste ist der erste Wintersturm "Zeetje" zwar durch und auch an der deutschen Ostseeküste haben die Menschen das Schlimmste in Sachen Sturmflut damit jetzt hinter sich. Turbulent bleibt es aber dennoch. Denn jetzt legt der Winter erst einmal richtig nach. Besonders im Bereich der Mittelgebirge und Richtung Alpen.

Wie heftig wird es?

In den Staulagen von Erzgebirge und Alpen fallen bis Sonntag rund 50 bis 100 Zentimeter Neuschnee. Östlich des Wettersteingebirges über das Berchtesgadener Land bis rüber zum Dachstein sind sogar Mengen von mehr als zwei Meter möglich. Hinzu kommen Verwehungen, in denen sich der Schnee meterhoch auftürmen kann. Es drohen jetzt also hochwinterliche Verhältnisse mit entsprechenden Verkehrsbedingungen. Ohne Schneeketten und entsprechende Winterausrüstung geht dementsprechend nichts mehr. Selbst die Räumfahrzeuge beispielsweise im Erzgebirge haben jetzt schon mit den widrigen Witterungsbedingungen zu kämpfen, sodass zum Teil nichts mehr geht. Eine Situation, die sich nun weiter verschärfen dürfte. Und nicht nur in den Bergen haben die Räumdienste viel zu tun. Sogar in München könnten am Sonntagabend mehr als 30 Zentimeter Schnee liegen. Das hängt allerdings noch davon ab, wie sich die Schneefallgrenze am Wochenende im Detail entwickelt.

Was macht die Lawinengefahr?

Aktuell ist der Schneedeckenaufbau durch die bisherigen Verwehungen vielerorts als kritisch einzustufen. Mit dem was jetzt noch kommt, dürfte sich die Lawinenwarnstufe von Stufe 3 (von 5 möglichen Stufen) weiter erhöhen. Und ein bisschen flau kann einem da schon im Magen werden. Wenn man nämlich 20 Jahre zurückdenkt. An das Lawinenunglück in Galtür; als sich zum Jahresbeginn eine teilweise meterhohe und instabile Schneedecke aufhäufte. Natürlich ist die Lage derzeit noch nicht vergleichbar. Und gerade in Galtür ist seitdem sehr viel in Sachen Lawinensicherheit getan worden. Aber: ein gewisses Potenzial für einen Lawinenwinter scheint sich derzeit aufzubauen. Entscheidend ist hierbei noch, wie sich der Winter weiterentwickelt.

Wie sehen die Berechnungen der Wettermodelle hierfür aus?

Während vom Erzgebirge bis zu den Alpen der Winter mit teils chaotischen Straßenverhältnissen einrückt, wird es im übrigen Land ab Freitag aus Nordwesten wieder milder. Am Wochenende bei Tageshöchstwerten zwischen knapp 10 Grad in Köln, 3 Grad an Oder und Neiße und um 0 Grad in Südostbayern. Zu Beginn der nächsten Woche beruhigt sich das Wetter auch an den Alpen, sodass es am Montag und Dienstag wahrscheinlich überall mehrheitlich trocken bleibt. Anschließend wird es dann aber spannend.

Wieso?

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n-tv Meteorologe Björn Alexander

Weil das "Stratospheric Warming" - eine vorübergehende Erwärmung in der Stratosphäre, also in der höheren Atmosphäre, das wir schon seit Weihnachten verfolgen, sich jetzt allmählich auch in den "normalen" Wetterkarten in der Troposphäre bemerkbar macht. Immer mehr Modelle errechnen ab nächster Woche ein starkes Polarhoch.

Was heißt das für uns?

Dass sich der Polarwirbel bis in die unteren Luftschichten aufteilen könnte. Mit einem solchen "Polarwirbelsplit" steigen gleichzeitig bei uns die Chancen, dass zur Monatsmitte die jetzt noch zaghaften Vorstöße von kalter Luft aus Norden bis Nordosten nachhaltiger werden könnten. Damit würde es im Flachland ebenfalls schrittweise winterlicher und die Nordalpen bekämen nochmals reichlich Neuschnee. 

Vor dem möglichen Dauerwinter: welche Details bringt uns das Wochenende?

Am Samstag ist es in der Mitte und im Süden häufig grau oder neblig trüb und zeitweise regnet es. Am Erzgebirge und in den Alpen fällt Schnee, der Richtung Alpen länger anhaltend und sehr kräftig sein dürfte. 

Wie sieht es mit der Schneefallgrenze aus?

Im Nordwesten steigt diese bis auf knapp 1000 Meter an. Im Süden und Südosten pendelt sie hingegen zwischen den Tieflagen und den mittleren Lagen (also zwischen 300 und 700 Metern) hin und her. Dort bewegen sich die Temperaturen durch die kräftigen Niederschläge bei Werten um den Gefrierpunkt. Im übrigen Land sind oft 3 bis 6 Grad möglich. Milder ist es vom Niederrhein bis rauf ins Emsland bei bis zu 9 Grad.

Welches Wetter bringt uns der Sonntag?

In der Westhälfte ist es nasskalt und grau, zeitweise mit etwas Regen und Sprühregen. Dort fällt nur in den höchsten Mittelgebirgslagen Schnee. Derweil schneit es im Schwarzwald und im Alpenraum länger anhaltend und mitunter weiterhin ergiebig. Die Höchstwerte liegen in den Staulagen der Alpen bei 0 Grad, im Nordwesten bei bis zu 9 Grad. 

Angesichts von Schnee, Regen und Wolken: hat die Sonne auch mal Lichtblicke?

Leider eher selten. Die größten Chancen auf ein paar Auflockerungen bringt noch der Samstag bei den Nordlichtern. Ansonsten dürfte es mehrheitlich grau bleiben.

Quelle: n-tv.de