Panorama
Dienstag, 30. September 2008

"Operation Desert Fox" geplant: Deutsche Geiseln sind zurück

Elf Tage nach ihrer Entführung in der Sahara sind die fünf deutschen Touristen wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt. Ein Airbus der Lufthansa mit den Freigelassenen landete auf dem militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel. Unter den Passagieren war auch die entführte Rumänin.

Bereits in der Nacht waren die fünf ebenfalls befreiten italienischen Touristen mit einer Militärmaschine in ihrer Heimatstadt Turin eingetroffen. Die genauen Umstände der Befreiung lagen noch weitgehend im Dunkeln.

Die in der Sahara entführte Reisegruppe wurde nach Aussage eines Teilnehmers nicht befreit, sondern von den Geiselnehmern freigelassen. Der 65-Jährige Bernd L., ein pensionierter Studienrat aus Berlin, sagte in einem Interview mit Spiegel: "Das war keine Befreiung, das ist absoluter Unsinn." Die sudanesische Armee habe eine Entführergruppe angegriffen und sechs Geiselnehmer getötet. Daraufhin hätten die Freischärler ihre 19 Geiseln freigelassen.

Freigelassen, nicht befreit

Ein Paar aus Hessen sagte nach der Ankunft in Deutschland, dass die Geiselnehmer am Montag offenbar vor einer drohenden Militäraktion geflohen waren. "Die haben uns einfach sitzenlassen und sind weg", sagte der 56-jährige Mann aus Kassel. Von Kampfhandlungen habe er nichts mitbekommen. Die italienischen Touristen bezeichneten in Interviews ihre Verschleppung als "sehr hart". Wasser und Lebensmittel seien rationiert gewesen, die Temperaturen hätten tagsüber bei rund 60 Grad gelegen.

Vom Auswärtigen Amt in Berlin waren keine Details zur Befreiung zu erfahren. Wie die Behörde bestätigte, waren an Bord der Sondermaschine auch Spezialkräfte der Bundeswehr sowie Dutzende Angehörige der Elitetruppe GSG9 und der Fliegerstaffel der Bundespolizei. Auch Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes und des technischen Hilfswerks kehrten in dem Flugzeug aus Ägypten zurück.

"Operation Desert Fox"

Vor der Freilassung der entführten Sahara-Geiseln soll der Krisenstab in Berlin nach Informationen der "Bild"-Zeitung eine "robuste Lösung" vorbereitet haben. Unter dem Namen "Operation Desert Fox" seien innerhalb von 36 Stunden 150 schwer bewaffnete Einsatzkräfte der GSG 9 ins südägyptische Shark-el-Uweimat geflogen worden. Ferner wurden 14 Mitarbeiter des THW sowie drei Bundespolizeihubschrauber, 12 geländetaugliche Einsatzfahrzeuge sowie Munition und Kerosin nach Ägypten gebracht.

Das Auswärtige Amt teilte zur Aktion in der Sahara lediglich mit: "Die ägyptische Regierung hatte ihre Bereitschaft erklärt, die von deutscher Seite angebotenen Sicherheitskräfte vor Ort als Unterstützung einzubinden. Diese Kräfte mussten jedoch nicht zum Einsatz kommen."

Keine Lösegeldzahlung

Der italienische Außenminister Franco Frattini betonte noch einmal, es sei kein Lösegeld geflossen. Eine "gemeinschaftliche Operation italienischer, deutscher, sudanesischer und ägyptischer Spezialeinheiten" habe zur Befreiung der Geiseln geführt. Er habe nie von Gewaltanwendung gesprochen, fügte er hinzu.

Die Entführungsopfer waren am Morgen bei strahlendem Sonnenschein an der Gangway von den Staatssekretären Reinhard Silberberg (Auswärtiges Amt), August Hanning (Innen) und Rüdiger Wolf (Verteidigung) begrüßt worden. Die Staatssekretäre äußerten ihre Erleichterung über die sichere Rückkehr der Urlauber. Sie dankten dem Krisenstab und allen Einsatzkräften für einen unermüdlichen Einsatz.

Bei den befreiten deutschen Touristen handelt es sich nach Auskunft des Auswärtigen Amtes um ein Paar aus Hessen - eine 60-jährige Frau und einen 56 alten Mann, einen 37-jährigen Mann und eine 69 Jahre alte Frau aus Baden-Württemberg sowie einen 65-jährigen Mann aus Berlin. Die fünf Deutschen waren am 19. September auf einer Wüsten-Safari zusammen mit fünf Italienern und einer Rumänin sowie acht ägyptischen Begleitern entführt worden.

Quelle: n-tv.de