Panorama

Illegales Autorennen in Hagen? Ein Raser bestreitet, der andere schweigt

Zwei Autos rasen durch Hagen und prallen schließlich in den Gegenverkehr. Fünf Menschen werden verletzt. Jetzt wird der folgenschwere Unfall vor Gericht verhandelt. Haben sich die beiden Fahrer ein illegales Rennen geliefert?

Im Prozess gegen zwei mutmaßliche Raser hat einer der beiden Angeklagten bestritten, ein Rennen gefahren zu sein. Einer der Beschuldigten, ein 47 Jahre alter Familienvater, räumte zwar ein, zu schnell unterwegs gewesen zu sein - allerdings nicht wegen eines Rennens. "Meine Frau hatte mir am Telefon gesagt, dass es unserem Sohn sehr schlecht ging. Ich bin in Panik geraten und wollte einfach nur noch nach Hause", sagte der Angeklagte zum Prozessauftakt am Hagener Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt davon, dass sich der 47-Jährige und ein mitangeklagter 34-Jähriger am 19. Mai 2016 mit ihren Autos einen illegalen, rücksichtslosen Wettstreit geliefert hatten. Sie sollen mit hoher Geschwindigkeit gefahren und bei einem hektischen Ausweichmanöver in den Gegenverkehr geraten sein. Dort prallten ihre Wagen mit zwei anderen Autos zusammen.

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Der Prozess wird vor dem Landgericht Hagen verhandelt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein sechsjähriger Junge hatte bei dem Unfall lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Auch seine elf Jahre alte Schwester und die 37-jährige Mutter kamen schwer verletzt ins Krankenhaus. In den Gegenverkehr gerieten die beiden mutmaßlichen Raser offenbar deshalb, weil ein am Straßenrand geparkter Kleinwagen plötzlich losfuhr und auf die rechte der beiden Spuren einscherte. Bei dem Zusammenprall wurde noch ein weiteres Auto stark beschädigt. Auch dessen Fahrer und der Ältere der beiden Angeklagten erlitten Verletzungen.

Die Anklage lautet auf vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung. Der 34 Jahre alte Beschuldigte wollte sich vor Gericht zunächst nicht zu den Anklagevorwürfen äußern. Sein Verteidiger Dominic Marraffa sagte vor Prozessbeginn jedoch: "Es hat kein Autorennen gegeben."

Augenzeuge filmte angebliches Rennen

Nach dem Zusammenprall hatte sich ein Augenzeuge am Unfallort bei der Polizei gemeldet und den Beamten eine Videokamera übergeben. Damit soll er die Fahrzeuge der Angeklagten unmittelbar vor dem Unfall aufgezeichnet haben. "Für mich war klar, dass die beiden ein Rennen fahren", sagte der Zeuge im Prozess. "Die sind an einer roten Ampel wie auf Knopfdruck ganz rasant angefahren."

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Bis zum 3. Juli sind insgesamt fünf Verhandlungstage geplant. Unter anderem sollen zwei Kfz-Sachverständige den Unfallhergang vor Gericht rekonstruieren. Die Diskussion über den Umgang der Justiz mit illegalen Autorennen hatte Ende Februar zusätzlichen Schub erhalten, als das Landgericht Berlin erstmals zwei Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte.

Quelle: ntv.de, dsi/jug/dpa