Panorama

Impfplan soll flexibler werden Eine Million Astrazeneca-Dosen ungenutzt

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Kühlschrank I, II und III im Impfzentrum Essen.

(Foto: picture alliance / Rupert Oberhäuser)

Die Vorbehalte gegen den Impfstoff von Astrazeneca halten sich hartnäckig: Erst 15 Prozent der gelieferten Dosen sind verimpft, mehr als eine Million liegen ungenutzt im Kühlschrank. Auch weil die nächste Fuhre schon anrollt, rechnet die Bundesregierung mit einer Aufweichung der Prioritäten.

Hunderttausende ungenutzte Corona-Impfdosen des Herstellers Astrazeneca lagern in den Kühlregalen, während die Politik über die Reihenfolge der nächsten Impfgruppen streitet. Das Bundesgesundheitsministerium räumte fortgesetzte Akzeptanzprobleme mit dem Vakzin des schwedisch-britischen Herstellers ein und bezifferte die Quote verimpfter Dosen auf lediglich rund 15 Prozent. Das Robert-Koch-Instituts zählte bis Dienstag nur 239.000 verabreichte Astrazeneca-Dosen. Dem Gesundheitsministerium zufolge sind aber bereits mehr als 1,4 Millionen an die 16 Bundesländer geliefert worden.

Die Lage ist in den Ländern unterschiedlich. Nach Baden-Württemberg beispielsweise wurden bisher gut 194.000 Astrazeneca-Dosen geliefert und 12.000 verimpft. Das sind 6,2 Prozent. Damit gehört das Land im Vergleich der Bundesländer zur Gruppe der Schlusslichter. Noch geringere Nutzungsquoten melden Sachsen (5,2) und Hessen (6,1). Hamburg führt bundesweit mit einer Quote von 33,9 Prozent, gefolgt von Saarland (26,7) und Bremen (25).

Gesundheitsminister Jens Spahn, der von den Ländern zuvor harsche Kritik wegen des Impfstoffmangels einstecken musste, revanchierte sich im Bundestag: Die Länder hätten nachvollziehbarerweise nach Impfstoff verlangt, sagte er. "Nun sind die Impfdosen da." Das Impftempo werde steigen. Voraussichtlich am Samstag sollen mehr als 650.000 neue Astrazeneca-Dosen bundesweit geliefert werden.

Der Astrazeneca-Impfstoff hat eine etwas geringere Wirksamkeit als jener von Biontech/Pfizer und Moderna, aber mit 70 bis 80 Prozent Wirksamkeit nach Expertenmeinung immer noch eine gute. Er wird nur Menschen bis 65 verabreicht. Zuletzt sorgten aber Berichte, dass sich viele Ärzte und Pflegekräfte nicht damit impfen lassen wollen, für die offensichtlich hartnäckigen Akzeptanzprobleme.

Seibert kündigt weitere Impfplan-Änderungen an

Die Bundesregierung hält es daher für wahrscheinlich, dass die Reihenfolge der Impfungen gegen Covid-19 in den kommenden Monaten noch einmal angepasst wird. "Wir können nicht von heute bis August in Stein meißeln, wer wann geimpft wird", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Dass Kita-Beschäftigte und Lehrkräfte an Grundschulen nun in der Priorität nach oben gerückt seien, "zeigt ja, dass es da wo notwendig, eine Flexibilität gibt", fügte er hinzu.

Der Ethikrat und die Ständige Impfkommission hätten angesichts der anfänglichen Impfstoff-Knappheit einen grundlegenden Maßstab für die Priorisierung der einzelnen Risiko- und Berufsgruppen geliefert, sagte Seibert. Dies sei sehr wichtig gewesen. Gleichzeitig werde es aber immer ein gewisses Maß an Flexibilität geben müssen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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