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Trauer und Schock in Prag. Drei tschechische Spieler starben bei dem Absturz.
Trauer und Schock in Prag. Drei tschechische Spieler starben bei dem Absturz.(Foto: dpa)
Mittwoch, 07. September 2011

Flugzeug stürzt nach Start ab: Eishockey-Team stirbt

Flugzeug-Trümmer und viele Tote, darunter ein gesamtes Eishockey-Team, dem auch der deutsche Eishockey-Nationalspieler Robert Dietrich angehört: In Russland sterben zum zweiten Mal in diesem Sommer beim Absturz eines Flugzeugs mehr als 40 Menschen. Die weltweite Eishockey-Szene ist geschockt.

Aus den Wrackteilen der abgestürzten Jak-42 in der Wolga ziehen Rettungshelfer die Leichen der Eishockeyspieler vom russischen Erstligisten Lokomotive Jaroslawl. Einsatzkräfte berichten in lokalen Medien der Großstadt, wie sie mehr als 40 Opfer aus den Trümmern bergen. Die Spieler und ihre Begleiter waren bei sonnigem Wetter gerade von Jaroslawl gestartet - zum Auswärtsspiel in Minsk. Doch dann stürzt die Maschine ab, zerschellt am Boden und auf dem Wasser.

Ein Teil der Maschine stürzte in die Wolga.
Ein Teil der Maschine stürzte in die Wolga.(Foto: dpa)

Unter den Toten ist auch der deutsche Eishockey-Nationalspieler Robert Dietrich, der neu in dem Kader war. "Das ist eine tiefe Tragödie für das gesamte deutsche Eishockey", sagt Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), nachdem er über den Tod des 38-maligen Nationalspielers informiert wurde.

Insgesamt sterben bei dieser nie dagewesenen Tragödie im russischen Sport 11 Ausländer, wie das Zivilschutzministerium mitteilt, darunter der schwedische Torhüter Stefan Liv, die tschechischen Weltmeister Josef Vasicek, Jan Marek und Karel Rachunek sowie der Slowake Pavol Demitra. "Das ist der schwärzeste Tag in der Geschichte unseres Sports", sagt Weltverbandspräsident Rene Fasel.

Einer der beiden Überlebenden wird von Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht.
Einer der beiden Überlebenden wird von Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht.(Foto: dpa)

In Russland sorgt die Tragödie für Trauer und Verzweiflung. In einer ersten Reaktion regt die Trainerlegende Viktor Tichonow an, dass alle Vereine der postsowjetischen Liga KHL Spieler an Lokomotive abgeben sollten, um den Club wieder aufzubauen.

Mit schwersten Verletzungen haben nach Behördenangaben von den 45 Insassen nur zwei Personen überlebt: der Spieler Alexander Galimow und ein Bordingenieur.

Die Angst reist mit

Die Trümmer nur wenige Kilometer von der 500.000-Einwohner-Stadt entfernt sind für viele Menschen in dem Riesenreich eine neue Erinnerung daran, dass bei Flugreisen dort immer die Angst mitreist. Erst im Juni starben in Petrosawodsk bei St. Petersburg 47 Menschen. Nach jedem Unglück versprechen Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin aufs Neue technische Überprüfungen der oft noch aus sowjetischen Zeiten stammenden Maschinen.

(Foto: dpa)

Immer wieder sind veraltete Technik und Verstöße gegen einfachste Sicherheitsvorkehrungen die Gründe für Unglücke. Doch Hinterbliebene beklagen oft, dass Verantwortliche in den seltensten Fällen zur Verantwortung gezogen werden.

Bei der Jak-42 handelte es sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Interfax um eine seit 1993 genutzte Maschine der Leasing-Gesellschaft "Jak Service". Die Fluglizenz dieser Maschine, die für Promiflüge mit maximal 73 Passagieren ausgelegt war, wäre in wenigen Wochen - am 1. Oktober - abgelaufen, hieß es. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen die Firma ein.

In Jaroslawl soll sich das "moderne Russland" zeigen

Kremlchef Medwedew will sich an diesem Donnerstag selbst ein Bild von der Absturzstelle machen, bevor er in Jaroslawl eine Rede halten wird. Dort findet derzeit ein großes internationales Forum statt, auf dem Medwedew der Welt eigentlich ein modernes Russland präsentieren will. Für Medwedew ist es der wichtigste Termin des Jahres, ursprünglich war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet worden. Wegen der Euro-Debatte in der EU hatte sie allerdings abgesagt.

In Berlin äußert die Kanzlerin sich bestürzt und drückt dem russischen Präsidenten ihr Mitgefühl aus. "Nicht  zuletzt, weil ich ursprünglich geplant hatte, heute Abend auch selbst mit dem Flugzeug nach Jaroslawl zu reisen, sind meine Gedanken bei allen Betroffenen", sagt sie.

Das KHL-Eröffnungsspiel am Mittwochabend zwischen Titelverteidiger Ufa und Vizemeister Mytischtschi wird nach 14 Minuten abgebrochen. Die übrigen Partien des ersten Spieltages sollen wie geplant ausgetragen werden, entscheidet KHL-Präsident Alexander Medwedew nach einer Krisensitzung.

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Quelle: n-tv.de