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Höchste Instanz entscheidet Eltern müssen Sohn sterben lassen

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Viviane Lambert ist die Mutter von Vincent, der seit einem Jahrzehnt in einem dauerhaft vegetativem Zustand ist.

(Foto: REUTERS)

Vor etwa zehn Jahren verunglückt Vincent Lambert und verletzt sich schwer am Kopf. Seitdem liegt er im Wachkoma. Seine Eltern können ihn nicht gehen lassen, seine Frau klagt dagegen. Nun entscheidet ein Gericht in Frankreich für den Behandlungsstopp.

Frankreichs bekanntester Wachkoma-Patient Vincent Lambert kann nach einem jahrelangen Rechtsstreit nun wohl doch bald sterben. Frankreichs höchstes Gericht hat den Weg für einen erneuten Behandlungs-Stopp freigemacht, wie französische Medien übereinstimmend unter Berufung auf den Anwalt der Ehefrau von Lambert berichteten.

Für ein Ende der Behandlung gebe es ab sofort kein rechtliches Hindernis mehr, sagte Anwalt Patrice Spinosi nach der Verhandlung vor TV-Kameras. Lambert ist vor rund zehn Jahren bei einem Verkehrsunfall verunglückt und hatte sich schwer am Kopf verletzt. Der heute 42-Jährige befindet sich seitdem in einem vegetativen Zustand. Die katholischen Eltern wollen den Tod ihres Sohnes mit aller Macht verhindern und haben sich in Frankreich durch sämtliche Instanzen geklagt. Sie scheiterten dort immer wieder und auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Die Familie von Lambert, der früher Krankenpfleger war, ist durch die verschiedenen Ansichten zu dem Fall sehr zerstritten. Er hatte keine Patientenverfügung. Das Krankenhaus Reims, in dem Lambert untergebracht wurde, ist nach der Entscheidung des Gerichts nun berechtigt, die Pflege von Lambert zu beenden. "Ich denke, dass das Universitätsklinikum Reims entschlossen ist, die Behandlung einzustellen, und ich denke, dass es dies tun wird", sagte Lamberts Neffe François, der auf der Seite der Ehefrau steht, dem Sender Franceinfo.

Der Anwalt von Lamberts Eltern reagierte auf die Entscheidung des Gerichts mit einer massiven Drohung. Man werde den behandelnden Arzt wegen Mordes vor Gericht bringen, sollte er die Behandlung beenden, sagte Jérôme Triomphe.

Behandlung war zuvor schon gestoppt worden

Im Mai war die Behandlung von Lambert nach einem jahrelangen Rechtsstreit gestoppt worden. Wenige Stunden später ordnete ein französisches Berufungsgericht die Wiederaufnahme an. Der Kassationshof hat diese Entscheidung nun aufgehoben und festgestellt, dass das Berufungsgericht nicht zuständig war.

Ein vegetativer Zustand, eine Art Wachkoma - das heißt in der Regel, dass Patienten zwar die Augen offen haben und wach erscheinen, aber keinen Gegenstand fixieren und auch nicht mit Sprache oder Bewegungen auf äußere Einflüsse reagieren. Das Stammhirn ist aber noch aktiv, Blutdruck, Atmung und viele Reflexe werden weiter geregelt. In Deutschland leben laut "Ärzteblatt" etwa 1500 bis 5000 Wachkoma-Patienten.

Macron will sich nicht einmischen

Der tragische Fall hat nicht nur Lamberts Familie zerrissen, sondern spaltet ganz Frankreich. Politik und Kirche hatten sich zuletzt auf höchster Ebene eingeschaltet. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte im Mai erklärt, sich nicht in den Fall einmischen zu wollen und die Entscheidung der Gerichte zu akzeptieren. Der Vatikan sicherte Lambert das Gebet des Papstes und der gesamten Kirche zu. Der Patient dürfe nicht aufgegeben werden, die Kontinuität der Betreuung sei eine unausweichliche Pflicht, hieß es.

In Deutschland und Frankreich ist die aktive Sterbehilfe, also einem Menschen ein tödlich wirkendes Mittel zu verabreichen, verboten. Passive Sterbehilfe durch das Abschalten von Apparaten und indirekte Sterbehilfe, bei der starke Medikamente Schmerzen lindern und als Nebenwirkung das Sterben beschleunigen, sind zulässig.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa

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