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Etwa 150 Zuschauer jubelten den 13 Kandidatinnen beim Wettbewerb zu.
Etwa 150 Zuschauer jubelten den 13 Kandidatinnen beim Wettbewerb zu.(Foto: picture alliance / Watson Ofumel)
Sonntag, 18. März 2018

Kampf gegen Diskriminierung: Erste "Miss Albino Simbabwe" gekrönt

In vielen afrikanischen Ländern werden Albinos diskriminiert und fürchten um ihr Leben. Simbabwe möchte nun dazu beitragen, diese Stigmatisierung zu beenden: Dort findet die weltweit erste Wahl einer "Miss Albino" statt.

Die Schönheitskönigin trägt ein blütenweißes Kleid, passend zu ihrer hellen Haut und den hellen Haaren. Der einzige Farbklecks ist ihr roter Lippenstift. Stolz trägt Sithembiso Mutukura ihre Krone: Die Simbabwerin ist "Miss Albino Simbabwe", die erste Siegerin eines Schönheitswettbewerbs für Menschen mit Albinismus in dem Land im Südosten Afrikas. Wie Zehntausende andere Albinos erfährt die 22-Jährige in ihrem Heimatland Diskriminierung - dagegen soll der Wettbewerb ein Zeichen setzen.

Die erste Siegerin des Wettbewerbs: Sithembiso Mutukura
Die erste Siegerin des Wettbewerbs: Sithembiso Mutukura(Foto: picture alliance / Watson Ofumel)

"Als 'Miss Albino Simbabwe' will ich für die Rechte von Kindern mit Albinismus kämpfen", sagt Mutukura nach dem Wettbewerb in Harare. Die Sozialarbeitstudentin kommt aus dem Ort Marondera südöstlich der Hauptstadt Harare, in dem Menschen mit Albinismus in großer Armut leben, wie sie erklärt. "Sie können sich keine Sonnencreme leisten" - unabdingbar für diejenigen, die mit dieser Pigmentstörung geboren wurden. Die 22-Jährige will nun unter anderem Spenden sammeln. Bei Menschen mit Albinismus ist die Bildung des Pigments Melanin gestört, was zu heller Haut und hellen Haaren führt.

Einer von 5000 bis 15.000 Afrikanern südlich der Sahara hat nach Angaben des Büros des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) Albinismus. Bei Europäern oder Nordamerikanern ist der Anteil demnach etwas geringer, er liegt bei etwa 1:20.000. Menschen mit Albinismus sind besonders empfindlich für Sonnenbrand und Hautkrebs. Sehschärfe und räumliches Sehen können ebenfalls eingeschränkt sein. In manchen afrikanischen Ländern herrscht der Aberglaube, die Körperteile, Haare und Haut von Menschen mit Albinismus besäßen magische Kräfte. Viele werden Opfer von Gewalt, oft werden ihre Körperteile verkauft und etwa von traditionellen Heilern für Tränke verwendet, die Glück oder Reichtum bescheren sollen.

"Wir sollten feiern, wer wir sind"

Das OHCHR nennt dies einen "lukrativen und makabren Markt". Seit 2006 kam es demnach in 28 Ländern südlich der Sahara zu mehr als 600 Angriffen auf Menschen mit Albinismus. Die Dunkelziffer liege deutlich höher. Menschen mit der Pigmentstörung werden in vielen Ländern Afrikas diskriminiert und marginalisiert. Die Geburt eines solchen Kindes werde in Simbabwe traditionell als Fluch angesehen, erklärt Loveness Mainato von der "Albino Charity Organisation" Simbabwes. Ihr Ehemann habe sich von ihr scheiden lassen, nachdem sie zwei Kinder mit Albinismus zur Welt gebracht hatte. "Wir werden Geister genannt, und die meisten Eltern lassen ihre Kinder nicht mit Kindern mit Albinismus spielen", sagt Gwenlisa Marange, die Gründerin der "Alive Albinism Initiative".

Mit dem Wettbewerb "Miss Albino Simbabwe" will Brenda Mudzimu dies ändern. Die 34-jährige Organisatorin hat selber Albinismus. Sie erinnert sich, wie sie als Mädchen gehänselt und beschimpft wurde. Aus ihrer Sicht sind Schönheitswettbewerbe ein gutes Mittel, um die Wahrnehmung rund um Albinismus in der Gesellschaft zu verändern. Doch die meisten Wettbewerbe würden Menschen mit Albinismus übergehen, sagt sie. "Da habe ich mir gedacht, warum nicht einen eigenen gründen, um unsere Schönheit der Welt zu zeigen." Mit großer Mühe stellte Mudzimu den ersten Wettbewerb dieser Art in Simbabwe auf die Beine.

Etwa 150 Zuschauer jubelten den 13 Kandidatinnen zu, die sich um den Titel der Schönheitskönigin bewarben. Doch von der Regierung Simbabwes und dem Privatsektor kam für den Wettbewerb keine Unterstützung, wie Mudzimu kritisiert - lediglich ein Unternehmen leistete einen Beitrag. Der Gewinnerin könne sie somit als Preisgeld lediglich 85 Dollar (etwa 70 Euro) aus ihrer eigenen Tasche geben. Doch die 34-Jährige will sich nicht beirren lassen. Im nächsten Jahr will Mudzimu den zweiten Schönheitswettbewerb für Menschen mit Albinismus in Simbabwe organisieren. "Wir sind auf unsere eigene Art schön, und wir sollten feiern, wer wir sind."

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Quelle: n-tv.de