Panorama

Steigende Corona-Zahlen Experte: Briten verlieren Kontrolle über Virus

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Premier Johnson wünscht sich, dass die Briten wieder in die Büros zurückkehren. Doch Experte Walport sieht das anders.

(Foto: imago images/PA Images)

Großbritannien ist in Europa eines der schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern - und die Zahl der Neuinfektionen steigt zuletzt wieder. Ein britischer Gesundheitsexperte warnt nun: Das Land drohe die Kontrolle über das Virus zu verlieren. Zugleich kritisiert er die jüngste Kampagne von Premier Johnson.

Angesichts stark steigender Corona-Infektionszahlen in Großbritannien hat ein führender britischer Gesundheitsexperte Alarm geschlagen. "Man muss sagen, wir fangen an, die Kontrolle über das Virus zu verlieren", sagte der Chef des staatlichen Forschungs- und Innovationsinstituts UKRI, Mark Walport, dem Sender BBC. Am Freitag hatte es in Großbritannien mehr als 3500 bestätigte Neuinfektionen gegeben - so hoch lagen die Zahlen zuletzt Mitte Mai.

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Seit Beginn der Pandemie wurden in Großbritannien insgesamt mehr als 350.000 Infektionen verzeichnet. Die Zahl der dort gezählten Todesopfer der Pandemie liegt bei über 41.500 - das ist die höchste Zahl in Europa.

Entgegen der zuletzt von Premierminister Boris Johnson forcierten Kampagne, die Briten sollten in ihre Büros zurückkehren, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, riet der ehemalige Regierungsberater Walport, wenn möglich weiter zu Hause zu arbeiten. Da Schüler zurück in den Schulen und Studenten in den Universitäten seien, sei es umso wichtiger, in anderen Bereichen die Kontakte zu reduzieren.

Maßnahmen wieder verschärft

Die britische Regierung hat in dieser Woche wieder strengere Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen: So dürfen sich in England ab Montag nur noch maximal sechs Leuten treffen. Derzeit liegt die Obergrenze bei 30 Menschen. "Wir müssen jetzt handeln, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen", hatte Johnson die neuen Maßnahmen begründet. Die Sechs-Personen-Regel ist allerdings mit einer Reihe von Ausnahmen versehen. Sie gilt nicht für Schulen, Arbeitsplätze, Hochzeiten und Beerdigungen sowie Mannschaftssport, der entsprechend den Hygiene-Auflagen organisiert wird.

In regionalen Corona-Hotspots wie der Stadt Birmingham gelten noch strengere Regeln. Zudem kündigte die Regierung ein sehr ambitioniertes Testprogramm und die Einführung einer Corona-App Ende September an. Allerdings hatte es bei vorherigen Testläufen massive Probleme gegeben. Die Regierung kündigte zudem eine neue Informationskampagne zum Schutz vor dem Coronavirus an. Darin soll betont werden, wie wichtig es ist, sich regelmäßig die Hände zu waschen, einen Atemschutz zu tragen und Abstand zu anderen Menschen zu halten.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP